Böhler-Uddeholm steht vor der Übernahme:
Britischer Finanzinvestor will Stahlkonzern!
- CVC Capital Partners bestätigt Übernahmegespräche
- 800 Mio. : Angeblich will CVC mindestens 51 Prozent
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·Für CVC ist Österreich
keineswegs Neuland
Vor Jahren an Austria Haustechnik beteiligt
·Hintergrund-Infos
zu Böhler-Uddeholm
Konzern entwickelte sich zum Vorzeigebetrieb
·Konjunktur soll
weiter anziehen
Nationalbank erwartet 3 Prozent Wachstum 2007
Der börsenotierte Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm bekommt einen neuen Hauptaktionär: Nach den mysteriösen Kursausschlägen der Böhler-Uddeholm-Aktie am vorigen Freitag hat der britische Finanzinvestor CVC Capital Partners bekannt gegeben, er wolle den Konzern übernehmen. Der bisherige Hauptaktionär, die Böhler-Uddeholm-Industrieholding (kurz Fries-Gruppe), wird aus dem Unternehmen aussteigen. "Wir haben CVC grundsätzlich mitgeteilt, dass, wenn das gesamte Umfeld passt, wir bereit wären, zu verkaufen", sagte Fries in der "Zeit im Bild".
Die Gruppe rund um den Rechtsanwalt mit Kanzlei in Baden hält derzeit 20,95 Prozent an Böhler. Laut "ZiB" verlangt sie von CVC, dass Böhler Uddeholm ein eigenständiger, börsenotierter Konzern bleibe und seine Unternehmenszentrale samt Forschung und Entwicklung in Österreich behalte. Zu heutigen Kursen ist die gesamte Böhler-Uddeholm rund 3,6 Mrd. Euro wert. Der Fries-Anteil hat damit derzeit einen Wert von rund 755 Mio. Euro. Gekauft hatte die Gruppe ihre Anteile 2001 laut Fernseh-Beitrag um 120 Mio. Euro - macht eine Differenz von über 600 Mio. Euro.
CVC will angeblich mindestens 51 Prozent
CVC strebt angeblich die Aktienmehrheit an. CVC wolle mindestens 51 Prozent, schreibt die "Presse" ohne Angabe von Quellen. Mit der Investorengruppe um den Rechtsanwalt Rudolf Fries, die 20,95 Prozent der Aktien hält und damit derzeit größter Einzelaktionär bei Böhler ist, soll bereits Einvernehmen herrschen.
CVC soll der Gruppe für ihre Anteil laut Zeitung knapp 800 Mio. Euro geboten haben. Zu heutigen Kursen ist die gesamte Böhler-Uddeholm rund 3,6 Mrd. Euro wert, der Wert des Fries-Anteils läge damit bei 755 Mio. Euro. CVC selbst hat den jüngsten Höchstkurs aber bereits als überzogen bezeichnet. Wie hoch das angekündigte Übernahmeangebot der Briten für die übrigen Aktionäre sein wird, ist noch unklar.
Raidl sieht Kurssprung als "Zufall"
Der große Kurssprung von Böhler-Uddeholm vom vergangenen Freitag ist nach Angaben von Unternehmenschef Claus Raidl auf einen "Zufall" zurückzuführen. Er habe mit "Leuten von der Börse und mit österreichischen Banken" gesprochen. Dabei scheine die Ursache für den Kurssprung darin zu liegen, dass "erstens ein Termingeschäftsverfall war, weil es einen Stichtag gab, und zweitens größere Bewegungen ausgelöst wurden, in amerikanischen Dividendenfonds". Dabei sei es dort, wo hohe Dividenden bezahlt würden, zu "Umschichtungen gekommen. Und Böhler Uddeholm wurde verstärkt nachgefragt", so Raidl in der "ZIB 2".
CVC schon seit Jahren an Böhler interessiert
CVC wurde 1981 als Venture-Capital-Gesellschaft der amerikanischen Citibank gegründet, wurde aber schon drei Jahre später in die Selbstständigkeit entlassen. CVC sei "grundsätzlich an einer Übernahme der Böhler-Uddeholm AG interessiert und prüft, ob ein Übernahmeangebot gelegt wird", bestätigte der Senior Managing Director der CVC, Christian Wildmoser, in einer Pressemitteilung. CVC war schon seit Jahren an Böhler interessiert. Mit dem Böhler-Vorstand und der BU Industrieholding von Fries, die 20,95 Prozent hält, hat man sich schon verständigt. Dabei wurde größter Wert auf den Eindruck eines ausdrücklich freundlichen Angebots gelegt: CVC würde ein Übernahmeangebot nur mit Zustimmung des Vorstands legen, hieß es. Bis zum Offert könnte es ein paar Wochen dauern.
Sollten die Briten Appetit auf die ganze Böhler-Uddeholm haben, dann gibt es zwei Offerte: "CVC wird ein Angebot an die Fries-Gruppe legen - das ist die eine Sache", sagte Böhler-Uddeholm-Chef Claus Raidl zur APA. "Weiters hat CVC uns gefragt, ob wir ein Übernahmeangebot begrüßen würden, das ist die zweite Sache", so Raidl.
Ein Positionspapier habe Böhler-Uddeholm erhalten. "Wir prüfen nun und müssen noch überlegen, ob eine Übernahme im Interesse des Unternehmens ist oder nicht", sagte Raidl weiters. Untersucht werde der Standpunkt von CVC zum Headquarter, zur Investitions- und Akquisitionspolitik sowie zu den Böhler-Standorten. Raidl: Böhler-Uddeholm müsse als Ganzes erhalten bleiben. In der Belegschaft war zunächst von "ein paar Irritationen" die Rede gewesen, als am Freitag die Kurse so anstiegen. CVC selber sieht sich als "langfristigen" Investor.
Die Kursrallye vom Freitag hatte auch Folgen in den obersten Etagen von Böhler-Uddeholm. "Wir mussten in der Früh zur Übernahmekommission", so der Unternehmenschef. Als Raidl mit seinem Anwalt im Büro war, habe die Übernahmekommission angerufen.
Für den regen Umsatz der Böhler-Uddeholm-Aktienpakete seien die an dem Deal Beteiligten nicht verantwortlich, betonte Raidl. Das waren "technische Indexinvestoren, die in dividendenortienten Fonds sind - das hat damit nichts zu tun". CVC will für einen Angebotspreis die Böhler-Zahlen und die Aktienkurse der letzten Monate heranziehen - nicht aber die jüngsten Kursbewegungen, wie es heute hieß.
Rasinger: Übernahmegespräche unprofessionell
Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger kritisierte den Start der Übernahmegespräche als unprofessionell. "Das war ein holpriger und nicht übermäßig professioneller Einstieg. CVC wird erst beweisen müssen, dass er ein professioneller Partner für Böhler-Uddeholm ist - gerade weil er schon einmal bei Lenzing daneben gegriffen hat", so Rasinger. Entscheidend sei jetzt vor allem, "wer wirklich hinter CVC steht, sprich in welchem Auftrag der Fonds handelt".
CVC Capital Partners, einer der international größten Private Equity Fonds, verwaltet 20 Mrd. Euro und wird in zahlreichen prominenten Deals immer wieder als logischer Interessent gehandelt. Der österreichische Markt ist für CVC keineswegs Neuland: Vor Jahren waren die Briten hierzulande an der AHT (Austria Haustechnik) beteiligt gewesen. Beim Faserhersteller Lenzing wähnte sich CVC vor sechs Jahren schon am Ziel, es gab aber trotz Zuschlags des Verkäufers kein Grünes Licht der EU. Im Sommer 2001 schon waren CVC auch schon Interessen an Böhler-Uddeholm nachgesagt worden.
Der ehemalige Verstaatlichtenbetrieb Böhler-Uddeholm, der seit 1995 an der Börse notiert, gilt als weltweit führendes Edelstahl- und Werkstoff-Unternehmen und beschäftigt rund 14.300 Mitarbeiter. 2006 stiegen Umsatz und Ertrag um rund 20 Prozent. Das Betriebsergebnis (EBIT) verbesserte sich von 314 auf 376 Mio. Euro, der Umsatz stieg von 2,6 auf 3,09 Mrd. Euro. Heuer sollen Umsatz und Ergebnis etwas unter den Spitzenwerten des Jahres 2006 liegen.
(apa/red)
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