Freitag, 16. März 2007

FORMAT: Wettlauf nach Asien: Express-dienstleister profitieren von dem Wachstum

  • China bis 2010: Luftfrachtaufkommen verdoppelt
  • 2020: 17 % der Weltwirtschaft in China & Indien

Mit dem rasanten Wachstum in China & Indien nehmen auch die Warenströme enorm zu. Expressdienstleister profitieren von dem Boom.

Die süße Fracht muss rasch an ihr Ziel. Original Sachertorten aus Wien werden aus reinen Naturprodukten hergestellt und sind nur begrenzt haltbar. 300.000 Stück verschickt das Hotel Sacher jährlich in alle Welt. Die Mehlspeisen müssen pünktlich beim Empfänger eintreffen, andernfalls landen sie im Abfall. Auch wichtige Dokumente, Bank-Akkreditive und Verträge sind oft eiligst zu spedieren. Was zu spät ankommt, verursacht unter Umständen große Verluste.

Wo schneller Versand gefragt ist, sind Expressdienstleister zur Stelle, allen voran die europäischen Multis DHL und TNT sowie die US-Anbieter FedEx und UPS. Ihr Wachstum korreliert mit dem Wirtschaftswachstum und den daraus resultierenden Warenströmen in den jeweiligen Regionen. Der Schauplatz für das rasanteste Wirtschaftswachstum der letzten Jahre ist für die Transporteure zweifellos Asien, insbesondere China und Indien. 2020 wird China, so sind Experten überzeugt, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt sein, Indien die siebtgrößte. Schon in den letzten zehn Jahren hat sich das BIP der beiden Subkontinente verdreifacht. Bis 2020 soll es sich noch einmal verfünffachen. 17 Prozent der Weltwirtschaft werden dann in diesen beiden Zonen liegen. Die Auswirkungen werden nicht nur die globale Wirtschaft revolutionieren, sondern sind in den Strategien und Expansionsplänen der internationalen Expressdienstleister schon berücksichtigt.

Milliarden-Investments in Asien. TNT, das Express-Tochterunternehmen der holländischen Post (TPG), und DHL, die 100-Prozent-Tochter und Logistikmarke der Deutschen Post World Net (TPWN), die global agieren, haben ihren Fokus längst auf die Boom-Regionen in China und Indien ausgerichtet und expandieren kräftig. "Seit 2000 hat DHL rund 1,7 Milliarden Dollar in den asiatischen Markt investiert", sagt Martin Hermesch, Geschäftsführer von DHL Express Österreich, davon eine Milliarde in China.

Das Wachstum wird vor allem auch durch Zukäufe vorangetrieben. So hat DHL im letzten Jahr den indischen Marktführer im Expressbereich, Blue Dart, akquiriert. Vor zwei Monaten erwarb DHL als erster ausländischer Anbieter eine innerchinesische Luftfrachtlizenz und bietet den neuen Service jetzt unter der Bezeichnung DHL Global Forwarding Domestic Airfreight an. Der Dienst ist Teil des angekündigten 20-Millionen-Dollar-Investments zur Verbesserung der Infrastruktur und des Kundenangebots in diesem dynamischen Markt. Im internationalen Expressversand mit China hält DHL einen Anteil von 40 Prozent und ist damit Marktführer. TNT kommt auf einen Marktanteil von 6 Prozent. Die beiden US-Anbieter FedEx und UPS kommen auf 18 beziehungsweise 11 Prozent.

Seit 1990 ist in China der inländische Luftfrachtmarkt, meldet der aktuelle Boeing World Air Cargo Forecast, jährlich mit einer Rate von über 20 Prozent gewachsen. Inzwischen ist er der zweitgrößte der Welt, und bis 2010 soll sich das derzeitige Volumen auf rund 3,4 Milliarden Dollar verdoppeln. In den kommenden beiden Jahrzehnten wird mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von knapp 11 Prozent gerechnet.

Der Markteintritt in China ist im Prinzip für jeden Expressdienst und Logistiker mit einer Repräsentanz möglich. Operativ tätig werden kann ein Unternehmen jedoch nur mit Joint-Venture-Partnern, die über entsprechende Lizenzen verfügen. Um das Geschäft ausüben zu können, ist meist eine Reihe von solchen Kooperationen notwendig, da die Lizenzen pro Stadt und Region vergeben werden. Transportlizenzen werden grundsätzlich nur pro Region oder auch nur pro Stadt vergeben. Eine chinaweit gültige Regelung gibt es nur für A-Lizenz-Inhaber wie etwa DHL. Die Deutsche-Post-Tochter, die weltweit sechs Milliarden Euro umsetzt, will ihre Marktführerschaft in China, wo derzeit 32,7 Milliarden Dollar umgesetzt werden, absichern und dazu das Domestik-Netz ausbauen. Das Angebot fokussiert auf den Transport von Dokumenten, Paketen und Waren bis zu einer Tonne in ganz China.

Hot Spot Indien
Unter den weiteren Wachstumsmärkten Asiens spielt Indien die wichtigste Rolle. Seit die Regierung 1991 begonnen hat, die indische Wirtschaft kontinuierlich zu liberalisieren, erlebt der Kontinent ein ungebrochenes Wachstum. Allein 2005 gab es Zuwächse von sieben Prozent.

Das sind gute Voraussetzungen für die Logistikbranche in Indien, was sich auch im verstärkten Export hochwertiger Güter und dem stetig wachsenden Engagement ausländischer Investoren zeigt. So sind 2005 rund acht Milliarden Dollar in das Land geflossen. Im Zuge dieser Entwicklung sind in Indien neue Arbeitsplätze entstanden, die der neuen Mittelklasse zu einem gewissen Wohlstand verholfen haben und damit den Konsum kräftig ankurbeln. Das führt zu den wachsenden Warenströmen, die der Logistikbranche Wachstumschancen sowohl auf dem Inlandsmarkt als auch bei Transporten von und nach Indien eröffnen. Der indische Logistikmarkt wird auf rund 22 Milliarden Euro geschätzt.

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16.3.2007 10:29