Donnerstag, 15. März 2007

Kein Stopp bei 3,75 Prozent? Die EZB
signalisiert nun eine weitere Zinserhöhung

  • Liebscher: Geldpolitik ist "nach wie vor locker"

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in ihrem jüngsten Monatsbericht ihre Neigung zu mindestens einer weiteren Zinserhöhung unterstrichen. Auch nach der jüngsten Anhebung auf 3,75 Prozent fördere die Geldpolitik noch die Konjunktur. Das Wachstum im Euro-Raum bleibt nach Einschätzung der Zentralbank robust, während die Preisstabilität auf mittlere Sicht weiterhin nicht gesichert ist.

Der EZB-Rat werde deshalb "alle Entwicklungen sehr genau verfolgen, damit die Risiken für die Preisstabilität auf mittlere Sicht nicht zum Tragen kommen", heißt es inveröffentlichten Monatsbericht für März.

Das Vorwort entspricht wie üblich der Erklärung von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bei der vorangegangenen Pressekonferenz. Die EZB hob vergangene Woche wie erwartet ihren Leitzins um weitere 25 Basispunkte auf 3,75 Prozent an. Trichet hatte eine weitere Zinserhöhung angedeutet mit dem zusätzlichen Hinweis, die Zinsen hätten noch nicht den Gipfel erreicht. Die EZB hat den Schlüsselsatz für ihre Kredite an Geschäftsbanken seit Ende 2005 um insgesamt 1,75 Punkte erhöht, um die Inflation während der Konjunkturerholung zu dämpfen.

Nach der jüngsten Erhöhung änderte der EZB-Rat seine Wortwahl leicht. So wurde der Begriff akkommodierend - also konjunkturfördernd - zur Charakterisierung der Geldpolitik um das Wörtchen "eher" ergänzt. Der Leitzins wird nicht länger als "niedrig", sondern als "moderat" bezeichnet. Damit signalisiert die Zentralbank nach Einschätzung von Analysten, dass sie noch höhere Zinsen für nötig hält, aber nicht mehr weit vom Höchststand entfernt ist. Bei einer Reuters-Umfrage nach der Pressekonferenz vergangene Woche sagte die Mehrheit der Volkswirte einen weiteren Schritt auf 4,0 Prozent bis Juni und dann eine längere Phase unveränderter Zinsen voraus.

EZB-Gouverneur Klaus Liebscher spricht in einem Beitrag in der Tageszeitung "Österreich" (Donnerstag) davon, dass die aktuelle und für nächstes Jahr vorhergesagte Wirtschaftslage sehr gut und "die Geldpolitik nach wie vor locker" sei. Die "sehr gute Wirtschaftsentwicklung birgt das Risiko, dass die Produktionskosten insbesondere die Löhne anziehen".

Nach Aussagen von EZB-Ratsmitglied Nicolas Garganas sind die Zinsen der EZB "mit 3,75 Prozent nicht besonders hoch, sie sind auf moderatem Niveau". Garganas wies außerdem darauf hin, dass die Geldmenge weiterhin stark wachse und die Wirtschaft üppig mit Geld versorgt sei.

(apa/red)

15.3.2007 10:48