"Stabil auf hohem Vorjahresniveau": Faser-Hersteller Lenzing erhöht Dividende für '06
- Nach Rekordergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr
- Befürchtet ungünstige US-Dollar-Euro-Relationen
Der börsenotierte Faserhersteller Lenzing hat 2006 den Umsatz vorläufigen Zahlen zufolge mit 1,1 Mrd. Euro erstmals über die Milliarden-Grenze katapultiert und das operative Konzernergebnis (EBIT) um 31 Prozent auf 107,1 Mio. Euro gesteigert. Dafür winkt den Aktionären eine von 8 auf 10 Euro erhöhte Dividende je Aktie. Der Ausblick für 2007 ist jedoch nur vorsichtig optimistisch: "In den ersten zwei Monaten sind wir sicherlich wieder gut gestartet und dürften uns bis Juni recht stabil auf dem hohen Vorjahresniveau halten", sagte Konzernchef Thomas Fahnemann.
Im weiteren Jahresverlauf sorgten jedoch zwei Faktoren für Unsicherheit. Die große Frage sei, wie das neue China-Werk anfahre und wie sich der US-Dollar in Relation zum Euro entwickle. Der Dollarkurs könnte die Wettbewerbsfähigkeit von Lenzing in Europa beeinträchtigen. "Es gibt derzeit aber noch keinerlei Signale für eine ungünstige Entwicklung", betonte Fahnemann. Er sieht auch für dieses Jahr eine deutliche Steigerung im Asien-Geschäft.
Auf dem internationalen Faserproduktionsmarkt hätten im abgelaufenen Geschäftsjahr nur China und Indien zugelegt (um 12,9 bzw. 11,7 Prozent). Alle anderen Länder entwickelten sich rückläufig - Westeuropa beispielsweise mit minus 1,3 Prozent. China stellt heute bereits mehr als die Hälfte (52 Prozent) der weltweiten Produktion - vor 10 Jahren waren es erst knapp 30 Prozent. Dahinter folgen Europa (13 Prozent) und die USA (10 Prozent). "Daraus wird sehr deutlich, wo die Dynamik stattfindet", so der Faser-Chef.
In Fernost erzielt Lenzing mit seinen Viskose-, Modal- und Mikrofasern bereits 36 Prozent des Gesamtumsatzes - ebenso viel wie in Europa (ohne Österreich mit 14 Prozent). 82 Prozent der Verkaufserlöse entstammen dem Hauptsegment Fasern und Zellstoff, 8 Prozent dem Bereich Plastikprodukte (Folien, Schaumfolien und Kunstfaserborsten für Putzmaschinen und seit kurzem auch Carbonfasern für die Flugzeugindustrie), 5 Prozent Technik (Hightech-Bleche für die Automobil-, Maschinenbau- und Medizintechnikindustrie) und weitere 5 Prozent Papier. Letzteres sei das einzige Sorgenkind im Konzern, da die großen Papierkonzerne die Preise nur sehr zögerlich erhöhten und die steigenden Energie- und Rohstoffpreise daher nicht wettgemacht werden können.
Verkaufsgerüchte seien "geschäftsschädigend"
Als "geschäftsschädigend" bezeichnete der Lenzing-Boss die Verkaufsgerüchte im Markt, die sich seit Monaten um Lenzing ranken. So war die indische Birla-Gruppe als potenzieller Interessent ebenso im Gespräch wie die Raiffeisenlandesbank OÖ, die Oberbank und KTM-Chef Stefan Pierer mit der UIAG. "An uns ist noch niemand herangetreten - als Management wissen wir nichts von einem Verkauf", betonte Fahnemann. Eigentümer von Lenzing ist zu 87 Prozent die der Bank Austria nahe stehende B&C-Holding. Der Lenzing-Streubesitz ist mit 13 Prozent sehr niedrig.
Anlass zu den Spekulationen um einen Eigentümerwechsel hatte der Wechsel im B&C-Stiftungsvorstand von Gerhard Randa zu Erich Hampel bzw. durch die Linie des neuen italienischen Eigentümerkonzerns UniCredit gegeben. "Wir haben keine Gespräche geführt und ich wüßte aus heutiger Sicht nicht, was ein strategischer Käufer der Lenzing-Gruppe bringen könnte", so Fahnemann. Auch die B&C Holding dementiert Verhandlungen dieser Art. "Unseren Kurs könnten wir aber auch unter einer neuen Eigentümerstruktur fortführen", sagte der Lenzing-Chef. Den Standort Österreich sehe er bei einem Verkauf aber langfristig gefährdet.
Heuer investiert die Lenzing AG wieder mehr als 100 Mio. Euro in die Ausweitung ihrer Kapazitäten (2005: 105,3 Mio. Euro) und reagiert so auf Lieferengpässe. Ein Großteil davon - 70 bis 80 Mio. Euro - bleibt in Österreich, wo Lenzing weiter in Richtung Spezialitäten gehen will. Am oberösterreichischen Standort Lenzing, an dem knapp 2.800 Mitarbeiter beschäftigt sind, wird heuer um 50 Mio. Euro eine komplett neue Spinnstraße errichtet, die bis Anfang 2008 fertig sein soll. Das neue Werk in China (Nanjing) mit einer Kapazität von 60.000 Jahrestonnen, in das in Summe 65 Mio. Euro geflossen sind, werde bereits in den kommenden zwei Wochen in Betrieb gehen.
Für Lieferengpässe haben in der Vergangenheit aber nicht nur fehlende Werkskapazitäten geführt. Lenzing mangelt es auch an qualifizierten Facharbeitern. "Vom Fachkräftemangel sind wir hier in Oberösterreich neben Wien und der Steiermark am meisten betroffen - es wird uns nichts anderes übrig bleiben als eine Art Greencard einzuführen", sagte Finanzvorstand Peter Untersperger bei der Pressekonferenz. Es fehle an Schweißern, Elektrikern und Chemiearbeitern.
"Wir müssen teilweise Aufträge ablehnen, weil wir nicht genügend Personal rekrutieren können", schilderte Vorstandsmitglied Christian Reisinger. Und das obwohl Lenzing derzeit etwa 150 Lehrlinge selbst ausbildet - häufig sogar in Doppelberufen wie Chemiefacharbeiter und Elektriker oder Schlosser und Elektroniker. Das Unternehmen will eigentlich noch mehr Lehrlinge ausbilden, findet aber nicht genügend qualifizierte Bewerber dafür.
(APA/red)
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