12.3.2007 14:46

Rehagel spricht Österreichern vor EURO
2008 Mut zu: "Ihr habt nichts zu verlieren"

  • Europameister-Coach zu Startschuss-Gala in Wien
  • Causa Pogatetz: Rehagel gibt Hickersberger recht

Im Rahmen der Startschuss-Gala des Vereins "2008 - Österreich am Ball" in der Wiener Hofburg war auch Otto Rehhagel als Gast geladen. Der deutsche Erfolgstrainer führte die griechische Fußball-Nationalmannschaft sensationell zum Europameistertitel 2004 und strebt derzeit mit den Hellenen die Qualifikation für die EURO 2008 in Österreich und der Schweiz an. Wenige Monate vor Beginn des Großereignis sprach der 68-Jährige im Hotel Sacher unter anderem über seine Erfahrungen als Coach und die EM-Chancen des ÖFB-Teams.

Der Frage, ob Österreich 2008 in eine ähnliche Rolle schlüpfen könnte wie Griechenland 2004, wich Rehhagel aus. "Für Österreich gilt es in erster Linie, für eine perfekte Organisation zu sorgen", sagte der frühere Bremen-Meistermacher. "Das österreichische Nationalteam ist derzeit nicht Weltklasse, aber man stellt hohe Ansprüche."

Der Unterschied in der Erwartungshaltung ist laut Rehhagel auch verantwortlich dafür, dass man die Ausgangspositionen nicht miteinander vergleichen könne. "Wir waren unendlich glücklich, dass wir uns überhaupt qualifiziert haben. In der Öffentlichkeit hat man keine großen Erwartungen gehabt."

"Alles zu gewinnen, nichts zu verlieren"
Trotz der Außenseiterrolle traut Rehhagel dem österreichischen Nationalteam bei der EURO einiges zu. "Wenn das erste Spiel losgeht, kannst du alles, was vorher war, vergessen. Die Spieler können und müssen über sich hinauswachsen", betonte die Trainer-Legende. "Ihr habt im Grunde alles zu gewinnen und nichts zu verlieren."

"Der liebe Gott schickt nicht immer einen Pezzey"
Österreich müsse sich damit abfinden, nicht permanent mit Ausnahme-Kickern gesegnet zu sein. "Der liebe Gott schickt die Menschen zur Erde, und er hat halt noch keinen zweiten Ocwirk geschickt. Manchmal hat man Glück und man hat fünf, sechs sehr starke Spieler wie Österreich in der 78er-Mannschaft. Aber der liebe Gott schickt nicht immer einen Pezzey", sagte Rehhagel, dem die meisten aktuellen ÖFB-Teamkicker unbekannt sind. "Aber ich muss mich ja um meine Spieler kümmern."

Hohe Meinung von Ivanschitz
Ein Begriff ist dem Deutschen Kapitän Andreas Ivanschitz, von dessen Qualitäten er sich schon persönlich überzeugte. "Ich habe ihn bei Panathinaikos einige Male gesehen, da hat er mir sehr gut gefallen. Er ist technisch perfekt." Allerdings würde Rehhagel den Burgenländer lieber in der Spielmacher-Rolle als links (bei Panathinaikos) oder rechts (zuletzt im Nationalteam) im Mittelfeld sehen. "Ich habe eher das Gefühl, dass er mehr ins Spielgeschehen eingebunden werden sollte."

Parallelen zwischen Ivanschitz und dem aktuellen Teamchef-Assistenten Andreas Herzog, den Rehhagel bei Werder und bei den Bayern als Spieler betreute, wollte der dreifache deutsche Meistertrainer (zweimal mit Werder, einmal mit Kaiserslautern) nicht ziehen. "Man kann Spieler nicht miteinander vergleichen." Herzogs Rolle als Teamchef-Assistent begrüßte der Coach als Möglichkeit, um Erfahrung für den Trainerjob zu sammeln: "Er ist ein intelligenter Junge, aber man muss das auch lernen und sollte sich nicht gleich irgendwo reinstürzen."

Causa Pogatetz: Rehagel stimmt Hickersberger zu
Mit Ratschlägen für ÖFB-Teamchef Josef Hickersberger, der in den 70er-Jahren in Offenbach unter Trainer Otto Rehhagel gespielt hat, hielt sich der 68-Jährige zurück. "Er muss genau das machen, was er will, er hat die Richtlinienkompetenz." Das Vorgehen von "Hicke" nach der "Causa Pogatetz" hält Rehhagel für gerechtfertigt. "Wenn ein fauler Apfel im Sack voller schöner Äpfel stört, muss man den entfernen."

Griechenland mit guten Quali-Chancen
Die Chancen auf ein Trainer-Duell Hickersberger - Rehhagel im Rahmen der EURO stehen nicht schlecht. Die Griechen liegen in der Qualifikations-Gruppe C mit drei Siegen aus drei Partien auf Rang zwei hinter der punktegleichen Türkei, die am 24. März in Athen gastiert. Der griechische Teamchef warnte aber davor, dass sich seine Schützlinge schon bei der EM wähnen. "Wir sind gut gestartet, aber der Ball ist erst im Tor, wenn er mit vollem Umfang die Linie überschritten hat."

System ist alles
Sein Erfolg mit den Griechen ist laut Rehhagel eine Systemfrage. "Wenn man gegen einen übermächtigen Boxer wie Cassius Clay kämpft, kann man auch nicht in den Ring gehen und kämpfen wie er. Man muss sich eine Strategie ausdenken. Wir haben die Leute 2004 mit einer eigenen Strategie überrascht", meinte der Deutsche. "Wir sind aber auch Europameister geworden, weil wir gute Spieler hatten", erklärte Rehhagel, der nach eigenen Angaben noch 90 Prozent seiner EURO-2004-Helden im aktuellen Kader hat. "Alte und junge Spieler gibt's nicht, nur gute und schlechte."

(apa/red)

12.3.2007 14:46
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