Dienstag, 13. März 2007

Neue Ära bei Ferrari: Auch ohne Schumi und
Brawn sind die "roten Renner" WM-Favoriten

  • Generaldirektor Jean Todt: "Wir werden stark sein"
  • Schumi-Nachfolger Räikkönen: "Ändere mich nicht"

Die Erfolgsgemeinschaft vergangener Jahre ist Geschichte. Dennoch geht Ferrari auch im Jahr eins nach Rekordweltmeister Michael Schumacher und Technikdirektor Ross Brawn als Favorit ins WM-Rennen. Der Aufstieg von Formel-1-Teamchef Jean Todt zum Generaldirektor des Automobil-Herstellers hatte weitere Änderungen im Management der Scuderia zur Folge. Auf dem Fahrersektor soll der Finne Kimi Räikkönen in die großen Fußstapfen Schumachers treten.

"Wir werden eine neue Ära einläuten und wir werden stark sein", versprach Todt, der im Hintergrund nach wie vor die Fäden zieht. Als Sportdirektor kümmert sich der 42-jährige Italiener Stefano Domenicali um das Tagesgeschäft. Das Erbe des gewieften Taktikers Brawn, der vielfach als das "Superhirn" hinter den fünf Ferrari-Weltmeistertiteln Schumachers bezeichnet wurde, teilt sich der neue Technikchef Mario Almondo mit dem Rennstrategen Luca Baldisseri. Dem zum Mutterkonzern FIAT aufgerückten Motorchef Paolo Martinelli folgt der Franzose Gilles Simon nach.

Führungsriege motiviert
Die Motivation in der neuen Chefetage des Traditionsteams ist groß. "Mit dem Rücktritt von Michael (Schumacher) und all den anderen haben wir ein Kapitel geschlossen - ein sehr erfolgreiches. Aber jeder von uns will seinen Wert für das Team beweisen", versicherte Domenicali, der gemeinsam mit Almondo praktisch die Doppelspitze in der operativen Führung bildet. Der Posten des Teamchefs ist nominell vakant, die Aufgaben sind auf mehrere Schultern und Ebenen verteilt.

Teamchef-Posten: Gerüchte um Schumi und Berger
Zuletzt waren immer wieder Gerüchte laut geworden, Schumacher werde früher oder später das Amt übernehmen. Auch der in Italien geschätzte Österreicher Gerhard Berger war von italienischen Gazetten schon als möglicher Ferrari-Teamchef ins Gespräch gebracht worden. Der zehnmalige Grand-Prix-Sieger kümmert sich aber weiterhin um sein Team Scuderia Toro Rosso, das er gemeinsam mit Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz besitzt.

Schumacher begnügt sich vorerst mit einer Berater-Funktion, zum ersten Saison-Grand-Prix am Wochenende in Melbourne reiste der siebenfache Weltmeister daher nicht. Als eine seiner Hauptaufgaben soll er Nachfolger Räikkönen mit den technischen Details des Ferrari vertraut machen - ein Luxus, den nicht viele Piloten genießen. "Wir nützen seine Erfahrung, um das Auto noch besser zu machen", bestätigte Almondo. "Wir haben eine große Verantwortung."

Räikkönen: "Ich werde mich nicht ändern"
So gerne ihn viele Ferrari-Tifosi als Schumacher-Nachfolger WM-Titel einfahren sehen würden, als Persönlichkeit unterscheidet sich "Ice Man" Räikkönen deutlich vom akribischen Arbeiter Schumacher. Nicht erst einmal war dem Finnen vorgeworfen worden, sein außergewöhnliches Talent zu vergeuden. "Ich werde mich auch bei Ferrari nicht ändern. Bis jetzt bin ich so ganz gut gefahren", meinte der 27-Jährige.

"Ferrari muss Kimi wohl einen Panzer bauen"
Seinen Speed kann Räikkönen niemand absprechen, die Ingenieure waren aber schon bei seinem Ex-Team McLaren-Mercedes nicht immer glücklich mit dem Finnen, seiner Art und seiner Fahrweise. "Keiner fährt das Auto härter, beansprucht es so viel über die Randsteine. Ferrari muss Kimi wohl einen Panzer bauen, wenn sie mit ihm Weltmeister werden wollen", meinte das ehemalige McLaren-Motorgenie Mario Illien.

Kampf um die Nummer 1
Vorerst muss sich Räikkönen ohnehin erst einmal dem internen Konkurrenzkampf stellen. Weder Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo noch Todt haben sich vor Saisonstart auf einen Einser-Piloten festgelegt. Bei den abschließenden Wintertests fuhr Felipe Massa seinem neuen Stallrivalen zum Teil klar davon. Und der Brasilianer geht 2007 mit der Startnummer 5 ins Rennen - jener, mit der sich Schumacher im Vorjahr aus der Königsklasse verabschiedet hatte.

(apa/red)

13.3.2007 11:06
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