Sonntag, 18. März 2007

IOC hat alle Kandidaten für Olympia 2014 geprüft: Kommission lobt auch Salzburg

  • Delegation von Burgstaller, Schaden verabschiedet

Die 13 Mitglieder der Evaluierungskommission des Internationalen Olympischen Comites (IOC) haben am Wochenende die Prüfung der drei Kandidaten für die Austragung der Olympischen Winterspiele 2014 abgeschlossen. Die Gruppe unter dem Vorsitz des Japaners Chiharu Igaya reiste nach Prüfung des österreichischen Bewerbers aus Salzburg ab, nachdem sie zuvor Sotschi in Russland und Pyeongchang in Südkorea begutachtet hatte.

Die Angehörigen der Kommission wurden am Flughafen vor dem Abflug nach Frankfurt u.a. von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (S), Bürgermeister Heinz Schaden (S) und den beiden Geschäftsführern der Salzburg Winterspiele 2014 GmbH, Gernot Leitner und Rudolf Höller, verabschiedet. Der Abflug musste von 13:55 Uhr auf Grund einer Kaltfront mit starkem Wind in Frankfurt um eine halbe Stunde verschoben werden. Die Evaluierungskommission nahm es gelassen - sie wurde inzwischen im VIP-Raum versorgt.

Bericht soll im Juni vorliegen
Die Kommission hat von den Besuchen in den drei Städten unterschiedliche Eindrücke und Erfahrungen aufgenommen, die nun eingeordnet werden. Ihr Bericht, der voraussichtlich am 4. Juni vorliegen wird, sollte den IOC-Mitgliedern die Entscheidungsfindung bei der Kür des Veranstalters am 4. Juli in Guatemala erleichtern. Der Bericht bescheinigt aber regelmäßig allen Bewerbern die Befähigung zur Ausrichtung sehr guter Spiele. Dies hat Igaya bereits bei seinen Presseterminen bei den drei Bewerbern in ähnlichen Worten betont, IOC-Präsident Jacques Rogge wird es wiederholen.

Viele Kriterien
Damit haben politische und geopolitische Argumente neben der technischen Qualität einer Bewerbung ein mindestens ebenso starkes Gewicht. Unter den vom IOC vorgegebenen Kriterien spielen die allgemeine Sicherheitslage, die Umweltbedingungen, das so genannte Vermächtnis der Spiele sowie bei Winterspielen die dramatischen Veränderungen des Klimas eine zunehmend wichtige Rolle. Jacques Rogge hatte vor einigen Wochen Aufsehen mit seiner Aussage erregt, dass "die Schneesicherheit ein ganz entscheidendes Kriterium" für die Vergabe von Winterspielen sei.

Pro und Contra
Wie kompliziert diese Abwägungen im Einzelnen sind, wird am Beispiel von Sotschi deutlich. In den südlichen Bergen des Kaukasus gibt es jede Menge Schnee. Spiele dort wären ein großes Vermächtnis, weil der internationale Wintersport einen Standort auf Dauer gewinnen würde. Gleichzeitig gibt es größte Einwände wegen ganz gravierender Eingriffe in die Umwelt. Zudem ist die allgemeine Sicherheitslage an der Grenze zum nahen Georgien und in der Nähe von Tschetschenien eher kritisch einzuschätzen.

Lob für alle Bewerber
Chiharu Igaya zeigte sich wie schon in Südkorea und Russland zum Abschluss der Visite in Salzburg "beeindruckt", hob die "große Wintersporttradition" hervor und lobte die breite Unterstützung durch die österreichische Bundesregierung. In Pyeongchang hatte Igaya als "Stärken" die "riesige Begeisterung" der Bevölkerung, die "Rückendeckung" durch die Regierung und die Bedeutung für den Wintersport in Asien hervorgehoben. In Sotschi von einem "einzigartigen Bewerber", einer "großen Tradition" Russlands im Wintersport und einer "starken politischen Unterstützung" gesprochen.

Eine Rangfolge in dem Prüfbericht wird allenfalls in Adjektiven deutlich werden. Zu unterscheiden ist nach IOC-Diktion dann, wenn ein Projekt als "realistisch" oder "ehrgeizig" oder "herausfordernd" oder "besonders herausfordernd" bezeichnet wird. So wie etwa Sotschi, dessen Kandidatur ein einziges Versprechen ist: Die Regierung von Präsident Wladimir Putin garantiert 9,2 Milliarden Euro, um aus dem Nichts innerhalb von sieben Jahren ein internationales Wintersport-Zentrum zu schaffen.

Gute Chancen für Salzburg
Realismus zeichnet jedenfalls Salzburgs Bewerbung aus, auch wenn bei der IOC-Visite im geplanten nordischen Zentrum in Altenmarkt/Pongau der Schnee fehlte. Doch Salzburg ist für die Winterspiele 2014 in mehrfacher Hinsicht die sicherste Option. Etwa betreffend die Infrastruktur. Die meisten der elf Wettkampfstätten sind schon vorhanden, dadurch wären die Spiele im Vergleich zur Konkurrenz billig und umweltschonend. Doch in der IOC-Vollversammlung gewinnt nur selten der Kandidat mit den besten technischen Noten.

(apa/red)

18.3.2007 15:30