Freitag, 16. März 2007

Straßenschlachten mit der Polizei: Nach Krawallnacht in Budapest Ruhe eingekehrt

  • Festnahmen & mehrere Verletzte. PLUS: Bilder!
  • Regierung und Opposition mit Schuldzuweisungen

Nach der Krawallnacht in Budapest herrscht in der ungarischen Hauptstadt Ruhe. Im Zuge der Anti-Regierungs-Proteste wurden 36 Personen festgenommen. Sie hatten beim Nationalfeiertag im Gedenken an die Revolution von 1848 an Ausschreitungen und Angriffen auf die Polizei teilgenommen.

Der Sprecher des oppositionellen rechtskonservativen FIDESZ-Ungarischer Bürgerverbands, Peter Szijjarto, fordert eine Untersuchung, ob nicht "polizeiliche Fehler zu der bedauernswerten Situation" geführt hätten, nachdem es erneut zu Randalen und dem Einsatz von Wasserwerfern und Tränengas kam. Auch müsse untersucht werden, inwieweit die Verhaftung von György Budahazy für die Krawalle eine Rolle gespielt habe.

Budahazy wurde seit Monaten wegen Beteiligung an Ausschreitungen bei Anti-Regierungsprotesten im Herbst 2006 polizeilich gesucht. Er soll unter anderem das Denkmal der sowjetischen Soldaten in Budapest schwer beschädigt haben.

György Szilvasy, Kanzleiminister der sozial-liberalen Regierung, wies diese Darstellung zurück, die Verhaftung Budahazys sei eine Provokation der Polizei gewesen. Die gewaltbereiten Demonstranten, die "sehr gut auf die Randale vorbereitet waren", hätten auch ohne die Verhaftung einen Grund für ihre Krawalle am Nationalfeiertag gefunden.

Am Morgen nach den Ausschreitungen waren die Hauptverkehrswege in der Budapester Innenstadt gesäubert, vermeldete die Nachrichtenagentur MTI am Freitag. Demonstranten hatten Barrikaden aus Baugerüsten, Telefonzellen und Straßenschildern errichtet. Sie hatten Müllcontainer in Brand gesteckt und Steine aus Gehwegen gebrochen. 180 Kubikmeter Abfall seien durch den Budapester Straßendienst entsorgt worden. Der Schaden wurde zunächst mit zwischen 15 und 18 Millionen Forint (bis zu 71.937 Euro) bemessen. Die Spuren der Krawallnacht in den Nebenstraßen sollen den Angaben zufolge im Lauf des Freitag beseitigt werden.

Die Anti-Regierungs-Proteste in Ungarn hatten im vergangenen September begonnen, nachdem eine interne Rede von Premier Ferenc Gyurcsany an die Öffentlichkeit gelangt war, in der er vor sozialistischen Parteikollegen zugegeben hatte, das Volk vor der Parlamentswahl nicht wahrheitsgemäß über die Lage im Land informiert und somit "belogen" zu haben.

(apa/red)

16.3.2007 10:32