Dienstag, 13. März 2007

Papst warnt vor Gesetzen gegen Leben und Ehe: Auch vor Gegen-Ehe-Gesetzen gewarnt

  • Benedikt XVI. veröffentlichte Eucharistie-Dokument
  • Bedeutung des Priesterlebens im Zölibat betont

Papst Benedikt XVI. hat das Festhalten der römisch-katholischen Kirche am Zölibat bekräftigt. Die Ehelosigkeit von Priestern sei "ein großer Segen für die Kirche und für die Gesellschaft", schrieb er in dem vom Vatikan veröffentlichten Apostolischen Schreiben "Sacramentum Caritatis" (Sakrament der Liebe).

Das Kirchenoberhaupt verteidigt darin auch den Ausschluss geschiedener und wiederverheirateter Katholiken von den Sakramenten. Benedikt erteilt der Forderung nach "Tischgemeinschaft" - einem "gemeinsamen Abendmahl" mit den Protestanten - eine klare Absage und spricht sich für die Verwendung der lateinischen Sprache in der Liturgie aus.

Zölibat bestätigt
Das 140 Seiten umfassende Dokument fasst die Empfehlungen der Bischofssynode vom Herbst 2005 zusammen. "In Einheit mit der großen Tradition des Zweiten Vatikanischen Konzils und meiner Vorgänger bestätige ich die Schönheit und die Bedeutung des Priesterlebens, das im Zölibat gelebt wird", so der Papst. Die Priester mahnt er zudem, dass sie sich nicht selbst und ihre eigenen Meinungen, sondern Jesus Christus in den Vordergrund stellen müssten. Geschiedene und wiederverheiratete Gläubige seien vom Sakramentenempfang ausgeschlossen, weil "ihre Lebenssituation objektiv der Einheit in Liebe zwischen Christus und der Kirche widerspricht, wie sie in der Eucharistie widerspiegelt wird", so das Dokument. Nach katholischer Lehre ist die Ehe zwischen zwei Getauften unauflöslich. Daher leben aus katholischer Sicht Gläubige, deren Ehe zivil geschieden wurde und die dann standesamtlich wieder geheiratet haben, im Zustand des Ehebruchs.

Feier in lateinische Sprache
Besonders mit Blickrichtung auf "die immer häufigeren internationalen Begegnungen" empfiehlt der Papst die Verwendung der lateinischen Sprache in der Liturgie: "Es ist gut, wenn außer den Lesungen, der Predigt und den Fürbitten der Gläubigen die Feier in lateinischer Sprache gehalten wird." Ebenso sollen die bekanntesten Gebete in Latein gesprochen und eventuell einige Teile in gregorianischem Choral ausgeführt werden. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) hatte dem Latein im Gottesdienst praktisch ein Ende bereitet. Der Papst hob den positiven Einfluss der Liturgiereform des Konzils hervor, bedauerte aber "bestimmte Missbräuche". 1969 hatte Papst Paul VI. mit der Apostolischen Konstitution "Missale Romanum" die nachkonziliare Messordnung für verbindlich erklärt. Derzeit sind die alten tridentinischen Messen (im Ritus von 1962) nur unter strengen Auflagen und mit bischöflicher Genehmigung erlaubt.

Zwei Ziele
Der Papst dürfte nach Ansicht von Beobachtern im Liturgiebereich zwei Ziele verfolgen, ein innerkirchliches und ein ökumenisches. In seinem noch als Kardinal verfassten Buch "Der Geist der Liturgie" ging Joseph Ratzinger ausführlich auf die liturgischen Reformen nach dem Zweiten Vatikanum und besonders auf den 1970 eingeführten neuen Messritus (Novus Ordo) ein. Er stellte die Bedeutung der Liturgie als vor allem auf Gott ausgerichtet und die ganze Kirche verbindend heraus, die weder eine Gemeinschaftsfeier, noch etwas "Selbstgemachtes" sei. Dementsprechend sprach er sich klar gegen liturgische Missbräuche, wie etwa von Priestern "selbstgedichtete" Messtexte und unangemessene Mitgestaltungsformen durch Laien aus

"Reform der Reform"
Die von ihm propagierte "Reform der Reform" (gemeint ist die Liturgiereform von 1970) sollte bedeuten: eine Wiederentdeckung der Würde und Feierlichkeit der Liturgie, eine klarere Ausrichtung auf Gott. Die Annäherung mit der orthodoxen Kirche ist dem Papst seit jeher ein besonderes Anliegen. Ende November vergangenen Jahres, beim Besuch von Papst Benedikt in der Türkei, hatte der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I., das Oberhaupt der Weltorthodoxie, die Bedeutung der Liturgie hervorgehoben und damit implizit auch Kritik an der nachkonziliaren Praxis der Westkirche geübt.
(apa/red)

13.3.2007 14:30