Montag, 12. März 2007

Kritik an Temelin aus Tschechien: Minister will die Chefin der Atombehörde abberufen

  • Bursik: "Es ist Zeit, dass Frau Drabova nervös wird"
  • Nur die gesamte Regierung kann Rücktritt erwirken

Der tschechische Umweltminister und Grünen-Chef Martin Bursik will die Chefin der Atombehörde (SUJB), Dana Drabova, wegen ihrer Äußerungen zu dem südböhmischen Atomkraftwerk Temelin abberufen lassen. Bursik hält Drabova vor, die jüngsten Zwischenfälle in Temelin bagatellisiert zu haben. In den vergangenen zwei Wochen war zwei Mal radioaktives Wasser im Kraftwerk ausgetreten. "Es ist zumindest an der Zeit, dass Frau Drabova beginnt, nervös zu sein", sagte Bursik dem Tschechischen Fernsehen.

Drabova hatte gesagt, Temelin gefährde niemanden, und es gebe wegen der Zwischenfälle keinen Grund zur Beunruhigung gebe. Außerdem stellte sie die von den österreichischen Atomgegnern genannte Zahl von 101 Zwischenfällen in Temelin in Frage. Die tatsächliche Zahl von Zwischenfällen, die die SUJB irgendwie beanstanden würde, könne sie "an den Fingern einer Hand abzählen", so Drabova.

Umweltminister Bursik hat allerdings keine Kompetenz zur Abberufung der Behördenchefin. Dies kann nur die gesamte Regierung tun, der neben den Grünen auch die der Atomkraft freundlicher eingestellte Demokratische Bürgerpartei (ODS) und die Christdemokraten (KDU-CSL) angehören.

Der Industrie- und Handelsminister Martin Riman will mit Drabova und auch dem Chef des Tschechischen Energiekonzerns (CEZ) über die Probleme in Temelin reden. Riman teilt die Meinung von Drabova über die Zwischenfälle. In Hinblick auf die Kernkraft-Sicherheit hätten diese überhaupt keine Bedeutung gehabt, sagte Riman kürzlich. Allerdings sei das Kraftwerk ein sehr sensibles Thema, weswegen man die Situation lösen müsse.

(apa/red)

12.3.2007 20:12