Finnland-Wahl: Vanhanen zeigt sich für Regierungs-Verhandlungen zuversichtlich
- Medien feiern Chef der Konservativen als Gewinner
- Grünen winkt möglicherweise Regierungsbeteiligung

·Eckdaten zu Finnland im Zuge der Wahlen
GRAFIK: Parteien, Sitze im Parlament, Wähler
·Mögliche Koalitionen, E-Voting und Energie
Amtierender Premier Vanhanen im Interview
Der amtierende finnische Ministerpräsident Matti Vanhanen hat sich zuversichtlich für die kommenden Regierungsverhandlungen geäußert. Vanhanen sagte nach ersten Gesprächen mit Vertretern anderer Parteien, diese seien positiv verlaufen. Mit dem Beginn der eigentlichen Regierungsgespräche rechne er in eineinhalb Wochen. Dabei erwarte er "ziemlich komplizierte, aber bewältigbare" Verhandlungen, die in etwa einem Monat abgeschlossen sein sollten.
Auf Spekulationen über den nach dem Wahlerfolg der Konservativen vielfach erwarteten Koalitionswechsel wollte sich Vanhanen nicht einlassen. Die einzige Regierungskonstellation, die er ausschloss, war eine Konzentrationsregierung an der seine Zentrumspartei, die Konservativen und die Sozialdemokraten gleichzeitig beteiligt wären. Dafür gebe es keine Notwendigkeit.
Bei den ersten Unterredungen mit dem Chef der Konservativen, Jyrki Katainen, dem Vorsitzenden der Sozialdemokraten Eero Heinäluoma sowie mit Stefan Wallin von der Schwedischen Volkspartei sei es in erster Linie um "Stimmungen" gegangen. Die Treffen hätten ein erstes Bild über den Fahrplan der Regierungsgespräche ergeben. Vanhanen will als nächstes mit der Chefin der Grünen, Tarja Cronberg, zusammentreffen, dann mit Vertretern weiteren, nicht näher genannten Parteien.
Chef der stärksten Partei übernimmt Regierungsbildung
Vanhanen betonte, es sei bereits vor den Wahlen ausgemacht worden, dass der Chef der stimmenstärksten Partei mit der Regierungsbildung beauftragt werde: "Wir haben die Goldmedaille, und das zählt, wenn es darum geht, eine Regierung zu bilden". Mit welchen Partnern er am liebsten regieren würde, wollte Vanhanen nicht sagen. Wichtig sei vor allem eine "handlungsfähige Regierung" mit einer Basis von "plus-minus 120 Mandaten". Es scheine so, als wollten alle in die Regierung kommen, so der amtierende Ministerpräsident.
Konservativen-Chef als Wahlsieger gefeiert
Der 35-jährige Konservativen-Chef Jyrki Katainen wurde in den finnischen Medien als der großer Wahlsieger gefeiert. Katainen selbst erhob Anspruch auf Regierungsbeteiligung. Seine konservative Sammlungspartei ("Kokoomus") konnte 22,1 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen und überholte damit die Sozialdemokraten, den bisherigen Koalitionspartner der Zentrumspartei. Die Sozialdemokraten fuhren mit dem Verlust von acht Sitzen im Parlament und einem Rückgang um drei Prozentpunkten auf 21,5 Prozent eines der schlechtesten Ergebnisse ihrer Geschichte ein. Die Zentrumspartei verlor zwar 1,6 Prozent und vier Mandate, konnte den ersten Platz aber knapp halten und verfügt künftig mit 51 (von 200) Mandaten nur um eines mehr als die Konservativen.
Zu den weiteren Gewinnern der Wahl zählten die Grünen, die sich um ein Mandat (+0,5 Prozent der Stimmen) verbessern konnten und künftig 15 Abgeordnete im Parlament stellen werden. Einen verhältnismäßig großen Zuwachs verzeichnete die EU-kritische Rechtspopulistenpartei "Wahre Finnen", von 1,6 auf 4,1 Prozent - künftig fünf statt wie bisher drei Mandate. Die Wahlbeteiligung blieb mit 68,7 Prozent hinter den Erwartungen zurück und ist die schwächste seit 1939.
Endergebnis der finnischen Parlamentswahlen:
| Prozent | Vermutliche Mandate | |
| Zentrumspartei | 23,1 | 51 |
| Konservative Sammlungspartei | 22,3 | 50 |
| Sozialdemokraten | 21,4 | 45 |
| Linksbündnis | 8,8 | 17 |
| Grüne | 8,5 | 15 |
| Schwedische Volkspartei | 4,5 | 9 |
| Christliche Demokraten | 4,9 | 7 |
| "Wahre Finnen" | 4,1 | 5 |
(apa/red)
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