"Ermittlungen werden behindert": Serbien begeht vierten Jahrestag des Djindjic-Mordes
- Serbischer Premier in Innenstadt erschossen
Der Mord am serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic jährt sich am zum vierten Mal. Am 12. März 2003 wurde der reformorientierte Politiker vor dem Regierungsgebäude in Belgrad erschossen. Seine Mörder sind indes immer noch nicht zur Rechenschaft gezogen worden. Ein Prozess gegen 13 Personen, die am Anschlag beteiligt gewesen sein sollen, ist in Belgrad noch im Gange.
Ruzica Djindjic, die Witwe des ermordeten Premiers, erwartet, dass das Gericht "entsprechende Strafen" aussprechen werde. "Mein Mann wurde nicht als irgendeine Person, sondern als Premier ermordet. Unser Gesetz sieht für so eine Straftat schwerste Strafen vor. Es ist auch sehr wichtig, dass die Anklage bestätigt wird", sagte die Witwe Djindjics der Boulevardzeitung "Blic". "Wir waren Zeugen zahlreicher Behinderungen durch die Verteidigung der Angeklagten. Jemand hat Interesse daran, das alles (den Prozess, Anm.) in die Länge zu ziehen. Ich bin überzeugt, dass das Gericht die Hindernisse überwinden und ein gerechtes Urteil fällen wird", fügte sie hinzu. Es stelle sich allerdings auch die Frage, ob man angesichts der Länge des Prozesses überhaupt mit dem Urteil zufrieden werde sein können.
Die tödlichen Schüsse auf Djindjic wurden laut Anklage vom damaligen stellvertretenden Befehlshaber der inzwischen aufgelösten Sonder-Polizeieinheit "Rote Barette", Zvezdan Jovanovic "Zveki", abgefeuert. Als Hauptorganisator des Mordkomplotts wurde der einstige Befehlshaber der "Roten Barette", Milorad Ulemek "Legija", angeklagt.
Fünf Angeklagte, Angehörige einer Mafia-Gruppe im Belgrader Stadtviertel Zemun, sind weiterhin flüchtig. Während des seit Dezember 2003 laufenden Marathonprozesses wurden zwei Kronzeugen ermordet. Der zweite, ein einstiger Polizist im Dienste der Zemun-Mafia, wurde nach Justizerkenntnissen im vergangenen Juni von flüchtigen Mafia-Angehörigen brutal getötet.
Bereits kurz vor seinem Abschluss stehend, musste der Djindjic-Prozess im vergangenen September neu aufgerollt werden, nachdem der Senatsvorsitzende überraschenderweise sein Amt niedergelegt hatte.
Über einen möglichen politischen Hintergrund des Anschlags ist nichts bekannt. Man geht davon aus, dass hinter den Vollstreckern die so genannte "Anti-Haag-Lobby" steckt. Dabei handelt es sich um Unterstützer des ehemaligen Regimes von Slobodan Milosevic, die sich einer Zusammenarbeit Serbiens mit dem UNO-Kriegsverbrechertribunal widersetzen. Der frühere jugoslawische Präsident Milosevic war auf Anordnung von Djindjic im Jahr 2001 dem Haager Tribunal überstellt worden. Die Ermordung des Premiers erfolge nur wenige Tage vor einer geplanten umfangreichen Polizeiaktion gegen die Organisierte Kriminalität.
(APA/red)
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