Klassenbücher verglichen: Mädchen fehlen im Unterricht deutlich häufiger als Burschen
- Rund ein Viertel der Fehlstunden bleibt unentschuldigt
- Studie: Migranten und Repetenten schwänzen öfter
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Mädchen fehlen im Unterricht signifikant häufiger und länger als Burschen. Das zeigt eine vom Bildungsministerium in Auftrag gegebene Studie zum Thema "Schulschwänzen - Verweigern - Abbrechen". Außerdem versäumen Migranten häufiger Schulstunden als Jugendliche ohne Migrationshintergrund und Repetenten häufiger als Nicht-Sitzenbleiber. Im Durchschnitt fehlt ein Schüler pro Semester eine Woche. Rund ein Viertel der Fehlstunden (26 Prozent) sind unentschuldigt.
Für die Studie wurden Dokumente wie Klassenbücher oder Schülerstammblätter von rund 4.200 Schülern der siebenten bis zehnten Schulstufe aus allen Bundesländern ausgewertet. Insgesamt fehlten 89 Prozent aller Schüler im Halbjahr vor der Erhebung mindestens ein Mal, nur elf Prozent verzeichneten keine Fehlstunden. Den höchsten Anteil an Schülern mit Fehlstunden verzeichneten die Polytechnischen sowie die Berufsbildenden Mittleren Schulen (je 94 Prozent), den niedrigsten die Hauptschulen (85 Prozent). In den Berufsbildenden Höheren Schulen liegt der Anteil bei 91 Prozent, in den AHS bei 93 Prozent.
70 Prozent der Schüler verpassen pro Semester eine Stunde bis zwei Wochen, 14 Prozent zwei bis vier Wochen und fünf Prozent mehr als vier Wochen (elf Prozent fehlten nie). Am häufigsten versäumten die Schüler der neunten Schulstufen den Unterricht, gefolgt von Schülern der zehnten, der achten und der siebenten.
14 Prozent der Burschen, aber nur acht Prozent der Mädchen verzeichneten keine einzige Fehlstunde im letzten Halbjahr. Zwischen einer Stunde und zwei Wochen fehlten 71 Prozent der Mädchen und 69 Prozent der Burschen, zwei bis vier Wochen 16 Prozent der Mädchen und zwölf Prozent der Burschen. Mehr als vier Wochen abwesend waren je fünf Prozent der männlichen und weiblichen Jugendlichen.
Eines spricht aber für die Mädchen: 77 Prozent aller ihrer Fehlstunden waren entschuldigt, bei den Burschen waren es nur 70 Prozent.
Ministerium setzt auf Qualitätsverbesserung
Zur Prävention von Schulschwänzen setzt man im Unterrichtsministerium auf ein Maßnahmenpaket zur Qualitätsverbesserung. So würden bereits ab Herbst die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl, die Ausweitung der Tagesbetreuung sowie Initiativen zur Integration zu greifen beginnen. Generell müsse man das Thema ernst nehmen, da Schulschwänzen ein Vorzeichen für späteres Drop-Out sei, hieß es gegenüber der APA. Die Schule allein könne das Problem aber nicht lösen - auch Eltern und Gleichaltrige müssten einbezogen werden.
So gebe es etwa an zahlreichen Schulen großes Interesse an Peer-Mediation. Lehrer werden dabei dazu ausgebildet, Schülern Wissen über Streitschlichtung zu vermitteln und diese zu Mediatoren zu machen. Zudem werde an einer Generalstrategie zur Gewaltprävention in Kindergärten und Schulen gearbeitet.
Die Studie selbst sei für das gesamte Schulwesen außerdem nicht repräsentativ. So wären einerseits nur Schulen der siebenten bis zehnten Schulstufe ausgewählt worden, wo am häufigsten geschwänzt wird. Andererseits sei der Fokus zum Teil auf solchen Bildungseinrichtungen gelegen, in denen das Problem besonders verbreitet sei. (apa/red)
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