Dienstag, 13. März 2007

Highttech-Jugendschutz: In Graz "schreit" Kassa bei Alkoholkauf nach Alterskontrolle!

  • Akustisches Signal soll jetzt Kassierer unterstützen
  • Ab Sommer flächendeckender Einsatz in Österreich

In einer Grazer Spar-Filiale schreien die Kassen lautstark nach einer Alterskontrolle, wenn ein alkoholisches Getränk über den Scanner läuft. Die akustische Warnung soll laut Spar-Steiermark-Geschäftsführer Erwin Schmuck helfen, den Verkauf von Alkohol an Jugendliche noch besser zu kontrollieren.

Eine flächendeckende Adaptierung der Software ist bis Jahresmitte geplant. Nicht die Lösung des Übels, aber als wertvollen Ansatz bezeichnete Marguerite Dunitz-Scheer von der Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde Graz die neue Einrichtung.

"Wenn ein alkoholisches Getränk über den Scanner gezogen wird, schreit die Kassa auf und auf dem Display der Kassierer erscheint eine Warnung", erklärte Geschäftsführer Schmuck in einer Pressekonferenz im Eurospar in der Grazer Plüddemanngasse. Alkohol-Kontrollen würden bei Spar schon lange und genau durchgeführt - bei 600 bis 700 Kunden pro Tag sei eben die Frage gewesen, wie man sie verbessern und Kassiererinnen unterstützen könnte.

Kassensoftware umprogrammiert
Dazu wurde nun die Kassensoftware umprogrammiert und alkoholische Getränke so gekennzeichnet, dass sie die Kassa als Sonderware erkennt. Ein Testlauf mit der akustischen Neuheit läuft in der Plüddemanngasse bereits seit einer Woche. Nun soll noch nachgebessert werden - dass nämlich auch die Kunden die Warnung am Display sehen. So will man Verständnis dafür gewinnen, warum die Kassa kurz steht und "damit die Kassiererinnen nicht schräg angeredet werden, wenn sie nach dem Ausweis fragen", so Schmuck. Kann der Jugendliche keinen Lichtbildausweis vorweisen, bleibt der Alkohol im Geschäft. "Das kann auch ein Nachweis für Händler sein: Wir haben an so-und-so-viele Kunden nicht verkauft", meinte der Geschäftsführer.

Jugendliche und Alkohol-Vergiftung
Kinder- und Jugendliche mit Alkohol-Toxikationen seien Dauerklientel an der Grazer Univ.-Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, berichtete Marguerite Dunitz-Scheer. Etwa 160 bis 200 Aufnahmen in die Intensivstation hätte man pro Jahr, das seien drei bis vier pro Woche. Die Kinder würden zwischen 22.00 und 4.00 Uhr früh eingeliefert mit zwei bis vier Promille: "In den meisten Fällen ist es ein Wunder, dass sie überhaupt gefunden wurden - bewusstlos unter einem Tisch oder vor einem Lokal liegend", so Dunitz-Scheer.

Die Aktion von Spar sei nicht die Lösung des Übels, aber ein wichtiger Schritt zur Veränderung des Bewusstseins: "Vor 15 Jahren war es auch noch uncool, nicht vor der Schule zu rauchen - nun ist es völlig uncool, wenn man raucht", meinte Dunitz-Scheer. Hinsichtlich Alkoholmissbrauch habe man sich schon vor einiger Zeit bemüht, mit Ausschankbetrieben in Kontakt zu treten: "Aber das hat uns Unverständnis bis Feinde eingebracht", so Dunitz-Scheer. (apa)

13.3.2007 16:09