Umfragen geben Gegnern Startvorsprung: Österreicher eher gegen Gesamtschul-Modell
- ÖVP will Volksbefragung nur bei SPÖ-Hintertür-Taktik
- PLUS MITVOTEN: Welches Schulsystem wollen Sie?
·Volksbefragung über neue Schulstruktur?
VP-Amon will Österreicher
entscheiden lassen
·Umfrage: Für welches
Schulsystem sind Sie?
MITVOTEN: Differenzierte
oder gemeinsame Schule
·1.500 neue Lehrer- Stellen versprochen
Schmied braucht Posten trotz Schülerrückgang
·Schülerrückgang
frisst Lehrer-Zuwachs
Durch kleinere Klassen auch nicht mehr Lehrer
Bei einer Volksbefragung zum Thema Gesamtschule, wie sie die ÖVP gefordert hat, dürften die Gegner dieses Schulmodells einen Startvorsprung haben. Zwar ergeben die Meinungsumfragen der vergangenen Jahre kein einheitliches Bild. In den meisten Studien sprachen sich die Befragten aber gegen eine gemeinsame Schule bzw. für die Beibehaltung der Trennung in AHS-Unterstufe und Hauptschule aus - die Zustimmung bzw. Ablehnung hing dabei aber offenbar stark von der Fragestellung bzw. vom Zeitpunkt der Umfrage ab.
Zahlreiche Umfragen zum Thema Schulreform wurden etwa kurz nach der Publikation der letzten PISA-Studie im Dezember 2004 durchgeführt. Im Februar 2005 etwa sprachen sich in einer vom Magazin NEWS in Auftrag gegebenen Gallup-Umfrage 36 Prozent für eine "gemeinsame Schule" aus, 59 Prozent wollten die Trennung in AHS-Unterstufe und Hauptschule aufrecht erhalten. Praktisch zeitgleich erschien eine Studie der Arbeiterkammer (AK), in der sich umgekehrt 54 Prozent für eine "gemeinsame Grundschule der Sechs- bis 14-Jährigen mit individueller Förderung" aussprachen und 37 Prozent dagegen.
Reizwort "Gesamtschule" lässt Gegner erstarken
Bei Verwendung des Reizworts "Gesamtschule" fallen die Ergebnisse eindeutiger aus. Im Mai 2006 etwa erhob Fessel-GfK 73 Prozent Zustimmung für die Beibehaltung des differenzierten Schulwesens, 24 Prozent wollten umgekehrt eine Gesamtschule. Ein ähnliches Bild zeigte sich im vergangenen Oktober bei zwei Erhebungen von OGM bzw. Gallup. OGM erhob im Auftrag des ORF-"Report" eine Zustimmung zur Gesamtschule von nur 23 Prozent (67 Prozent für weitere Trennung in AHS-Unterstufe und Hauptschule), Gallup für die Tageszeitung "Österreich" eine Zustimmung von 37 Prozent (58 Prozent dagegen).
Ziemlich genau dürfte die Lage eine Umfrage der AK Niederösterreich vom September 2005 treffen. Dort fühlten sich die Hälfte der Eltern über das Schulsystem schlecht informiert: 50 Prozent wussten nicht, was sich hinter Begriffen wie Gesamtschule oder Ganztagsschule verbirgt.
Gesamtschule würde frühe Selektion abschaffen
Derzeit besuchen die Kinder im Regelfall in den ersten vier Jahren eine gemeinsame Schule (Volksschule). Anschließend erfolgt eine Aufteilung in die (je vierjährige) AHS-Unterstufe oder Hauptschule (daneben existieren für die ersten acht Schulstufen die Sonderschulen). Diese Selektion würde im Falle der Einführung einer Gesamtschule, die sich international in den vergangenen Jahrzehnten durchgesetzt hat, entfallen.
Keinen Einfluss würde eine Gesamtschule auf das Schulsystem nach diesen acht Jahren haben. Dieses sieht derzeit folgendermaßen aus: AHS-Oberstufe oder berufsbildende höhere Schulen (z.B. Höhere technische Lehranstalten, Handelsakademien) führen innerhalb von vier bzw. fünf Jahren direkt zur Matura, berufsbildende mittlere Schulen (Fachschulen) werden innerhalb von einem bis vier Jahren mit einer eigenen Abschlussprüfung beendet. Zahlreiche Schüler wechseln nach der Hauptschule aber in die einjährige Polytechnische Schule und anschließend ins duale System der Lehrlingsausbildung. Diese dauert - je nach Lehrberuf - zwei bis vier Jahre und ist verpflichtend mit dem Besuch der Berufsschule verbunden. Ähnlich wie berufsbildende höhere Schulen (BHS) organisiert sind außerdem die Bildungsanstalten für Kindergarten- bzw. Sozialpädagogik.
Molterer gegen Volksbefragung zu Gesamtschule
Vizekanzler Molterer lehnt die von ÖVP- Bildungssprecher Amon vorgeschlagene Volksbefragung zur Gesamtschule - zumindest momentan - ab. Die ÖVP stehe für die "Wahlfreiheit" im Bildungsbereich, dafür sei ein "vielfältiges" Bildungssystem nötig. Diese Vielfalt sei derzeit im Regierungsprogramm abgesichert und diese Linie sei "für die ÖVP nicht disponibel", sagte Molterer.
Eine Volksbefragung wäre für Molterer allerdings dann eine Option, wenn die SPÖ versuchen sollte "durch die Hintertür" die Gesamtschule einzuführen. "Dann werden wir diese Diskussion führen müssen", sagte Molterer angesprochen auf den Amon-Vorschlag.
BZÖ: ÖVP "wieder umgefallen"
Für das BZÖ ist die ÖVP in Sachen Volksbefragung über die Einführung der Gesamtschule "wieder umgefallen". Dies sei "verwunderlich und ein deutliches Zeichen für die Unglaubwürdigkeit der Volkspartei", so BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz. Er wirft der ÖVP "großspurige Ankündigungspolitik ohne ernsten Hintergrund" vor.
Direkte demokratische Mitbestimmung sei immer gut, "daher wäre eine solche Befragung ein legitimes und angemessenes Mittel, die Meinung der Eltern und Familien auszuloten", so Grosz, der bekräftigte, dass das BZÖ einen entsprechenden Antrag auf Durchführung einer Volksbefragung im Parlament einbringen werde.
(apa/red)
Deutsche Sklavin befreit14:01
Frau schildert ihr Leid19-Jährige nach acht Jahren gerettet - Mutter soll von Martyrium gewusst haben
Nachbeben in Italien20:01
Mehrere TodesopferErneut große Schäden und Tote nach schweren Erdstößen in Norditalien
