Emotionelle Fernreise-Debatte: Pröll rudert zurück, Lauda befürchtet Ostblock-Methoden
- Umweltminister: Freiwilliger Verzicht statt Reiseverbot
Auch Molterer fordert eine europaweite Kerosinsteuer - UMFRAGE: Würden Sie auf große Reisen pfeifen?

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Würden Sie für das Klima
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Glawischnig: Reform der Verkehrspolitik notwendig
Umweltminister Josef Pröll hat klargestellt, dass es ihm nicht um ein Verbot von Fernreisen gehe. Sein Appell gehe in Richtung Bewusstseinsbildung, dass sich jeder dem Klimaschutz zuliebe überlegen sollte, ob eine Fernreise notwendig sei. Der Flugunternehmer Niki Lauda hatte zuvor gemeint, es könne nicht sein, dass man die Reisefreiheit "wie im tiefsten Ostblock" einschränke und die Menschen nur dem Herrscher dienen.
Die Forderung der Grünen Vize-Chefin Glawischnig, auf jedes Flugticket einen Klimaschutzbeitrag von 50 Euro einzuheben, lehnte Pröll ab. Er hält die Einführung einer Kerosinsteuer für sinnvoller.
Diese sollte zunächst europaweit und dann weltweit eingeführt werden. Zudem will der Umweltminister einen Emissionshandel für den Flugverkehr einführen.
Lauda betonte, dass er nicht gegen eine Besteuerung von Kerosin sei, nur müsste diese weltweit eingeführt werden. Außerdem sollte das Geld zweckgebunden wieder der Luftfahrt, etwa für die Entwicklung neuer Triebwerke oder einer besseren Koordination des Flugverkehrs, zur Verfügung gestellt werden.
Nach Ansicht Prölls könnte man darüber reden die Einnahmen aus einer Kerosinsteuer für Forschung und Entwicklung zu verwenden.
Molterer für Kerosinsteuer
Auch Kanzler Gusenbauer und Vizekanzler Molterer sprechen sich für eine europaweite Kerosin-Steuer aus, die direkt nach Brüssel fließen sollte. Die EU-Kommission wäre stärker, wenn sie einen höheren Anteil an eigenen Einnahmen hätte, so Molterer im Ö1-Radiointerview. Österreich müsste als Nettozahler außerdem weniger nach Brüssel liefern.
Eine Kerosinsteuer wird voraussichtlich zu höheren Flugticketpreisen führen und somit indirekt zum Umweltschutz beitragen. Molterer selbst führte den Umweltschutzgedanken erst nach dem finanziellen Gründen ins Feld, geht aus dem ORF-Interview hervor.
Strategisch gesehen sei es aber für die Klimaschutz-Zielsetzung durchaus sinnvoll. Eine neue Steuer würde damit eine andere Akzeptanz bei den Bürgern erlangen.
Westenthaler: Pröll-Vorstoß "massiv gefährlich"
BZÖ-Obmann Peter Westenthaler hat den Appell von Umweltminister Pröll als "massiv gefährlich" bezeichnet. Mit solchen Vorschlägen schade der "Witzminister" vor allem dem Tourismus. Der Gegenappell des BZÖ: Minister sollten in Zukunft Dienstreisen selbst berappen. Auch die Gratis-Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel sei vorstellbar.
"Ein derartiger Öko-Populismus ist unerträglich", machte sich Westenthaler Luft - um später fortzusetzen: "Das wird keine Regierung entscheiden, wo die Österreicher ihren hart erarbeiteten Urlaub verbringen." Prölls Vorschlag sei der "größte Schwachsinn aller Zeiten".
Vor allem schade man aber mit solchen Aussagen dem Tourismus, "die Chinesen und Japaner werden nicht mit dem Fahrrad kommen". Ebenso ablehnend zeigte sich Westenthaler über die Idee einer europäischen Kerosin-Steuer. So ein Modell könne überhaupt nur international funktionieren, um nicht den Wettbewerb zu verzerren.
(apa/red)
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