Mittwoch, 7. März 2007

Touristiker - Winter besser als erwartet:
ITB-Berlin - Größter Reiseindustrie-Kongress

  • Wintersaisonbilanz trotz Schneemangels postiv
  • Trends, Innovationen und Zukunft der Hotelbranche

Zum Auftakt der weltgrößten Tourismusmesse ITB in Berlin gaben sich die österreichischen Touristiker optimistisch. Die Wintersaison 2006/07 laufe trotz Schneemangels deutlich besser als erwartet, berichteten Wirtschafts- und Tourismusminister Martin Bartenstein (V) und der Obmann der Tourismussparte in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Hans Schenner, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz auf der ITB.

Die Tourismusumsätze seien von November bis Jänner - also in der ersten Hälfte der Wintersaison, die bis April dauert - um 1,5 Prozent auf 4,56 Mrd. Euro gestiegen, bei den Nächtigungen gebe es eine Stagnation, berichtete Bartenstein. Abgesehen davon, dass man für den Winter angesichts des Schneemangels und der warmen Temperaturen bald einen neuen Namen brauche, laufe die Wintersaison deutlich besser als erwartet. Zuwächse gebe es vor allem im Qualitätstourismus, sprich bei den Vier- und Fünfsternhotels. Für die gesamte Wintersaison erwartet Bartenstein bei den Umsätzen "zumindest eine schwarze Null", vielleicht aber sogar eine leichte Steigerung: "Wir sollten nicht so unzufrieden sein".

Winter ade
Der heimische Wintertourismus entwickle sich trotz Schneemangels stabil, berichtete auch Österreichs oberster Touristiker Schenner, der für die gesamte Wintersaison ein zweiprozentiges Umsatzplus bei leicht rückläufigen Nächtigungen erwartet. Profitiert hätten heuer - auf Grund der Ausfälle der kleineren, niedrig gelegenen Skigebiete - vor allem die Top-Skiregionen, die mit einem Umsatzplus von 6 bis 7 Prozent und einem Nächtigungszuwachs von 3 bis 4 Prozent rechnen könnten. Skifahren in den höhergelegenen Skigebieten werde sicherlich bis in die Osterferien hinein möglich sei und damit die Saison verlängern, glaubt Schenner. Die Top-Skigebiete hätten genug Schnee, wichtig wäre Schneefall in großen Städten wie Wien, Berlin oder Hamburg, damit die Gäste Lust aufs Skifahren bekämen, meint Schenner.

Der nächste Winter kommt bestimmt
Problematisch könnte allerdings die kommende Wintersaison 2007/08 werden, wenn die Skiurlauber "zu Hause sitzen und warten ob es schneit": "Der nächste Winter wird ein Spätbucherwinter werden", fürchtet Schenner. Wie viele Tourismusbetriebe das auf Grund des Schneemangels geschnürte Förderpaket in Anspruch nehmen werden, sei noch nicht absehbar. Wie berichtet bekommen existenzbedrohte Hotelbetriebe und Seilbahnen bei der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) und bei der Förder- und Finanzierungsbank austria wirtschaftsservice (aws) verbesserte Konditionen bei Krediten und Förderungen für Restrukturierungsmaßnahmen. Schenner sprach sich dafür aus, dass kleinere unrentable Skigebiete als Investition in die regionale Infrastruktur von den Gemeinden subventioniert werden: "Die Donauinsel wird ja auch von der Stadt Wien mitfinanziert", so der Tourismusobmann.

Gesamtjahr 2007
Fürs Gesamtjahr 2007 geht Bartenstein auf Basis der Berechnungen des Wirtschaftsforschungsistituts Wifo von einem zweiprozentigen Umsatzplus aus. Das Jahr 2006 sei für den Tourismus "sehr gut gelaufen" man habe erstmals mehr als 30 Mio. Ankünfte - zwei Drittel davon aus dem Ausland - verzeichnet. Auch bei den Umsätzen habe man mit einem Plus von 3,9 Prozent auf mehr als 30 Mrd. Euro eine "Schallmauer" durchbrochen. Bei den Nächtigungen, die um 0,1 Prozent auf 119,3 Mio. gestiegen seien, arbeite man noch an der 120-Millionen-Grenze. Der Anteil des Tourismus am österreichischen Bruttoinlandsprodukt (BIP) liege bei 8,7 Prozent, die Freizeitwirtschaft miteinberechnet sogar bei 16,4 Prozent.

Rundes Leder
Wesentliche Impulse erwartet sich die heimische Tourismuswirtschaft von der Fußball-Weltmeisterschaft. Die Geschäftsführerin der Österreich Werbung (ÖW), Petra Stolba, rechnet mit 1 Mio. zusätzlichen Nächtigungen und mit 321 Mio. Wertschöpfung durch die EURO 2008. "Die Fußball-Weltmeisterschaft ist die drittgrößte Sportveranstaltung der Welt und die größte Sportveranstaltung, die es in Österreich je gegeben hat", sagte Bartenstein. Der Bund habe aus Rücklagen ein Sonderbudget für die ÖW zur EURO 2008 in Höhe von 6 Mio. Euro geschnürt, nun seien die Länder am Zug: "Der Bund hat seine Schuldigkeit getan", so der Wirtschaftsminister. Die Bereitschaft der Länder, weitere 6 Mio. Euro für das ursprünglich geplante 12 Mio. Euro-Paket zur Verfügung zu stellen, halte sich bisher aber in Grenzen. Mit der EURO 2008 könne das Tourismusland Österreich am besten transportiert werden, zudem werde es positive Zusatzeffekte auf die Gastronomie geben, meinte Schenner. (apa/red)

Quelle: Pressetext

7.3.2007 13:04