Geringer Frauenanteil: In der europäischen Politik noch immer nur schwach vertreten
- Nur 21,1 Prozent der Parlamentarier weiblich
- Österreich mit 40 Prozent Ministerinnen Vorreiter

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Europa ist noch weit von einer ausgeglichenen Vertretung der Geschlechter in den politischen Entscheidungsgremien entfernt. Dies ergeben statistische Daten, die vom Europarat veröffentlicht wurden. "Europa ist immer noch eine Mannschaft, in der knapp die Hälfte der Spieler auf der Reservebank bleibt", betonte Europarats-Generalsekretär Terry Davis anlässlich des Internationalen Frauentages. Das Ergebnis der Studie bezeichnete Davis als "enttäuschend".
In den 36 berücksichtigten Ländern sind durchschnittlich 21,1 Prozent der Parlamentarier weiblich. Nur Schweden erreicht das vom Europarat gesteckte Ziel von 40 Prozent Frauenanteil mit 46 weiblichen Abgeordneten im Stockholmer Reichstag. In der Hälfte der untersuchten Länder beträgt der Frauenanteil an den Volksvertretern dagegen weniger als 20 Prozent. An letzter Stelle liegt die Türkei mit 4,4 Prozent, noch vor der Ukraine mit 4,9 Prozent. Italien bringt es auf 6,8 Prozent Parlamentarierinnen.
Österreich liegt mit 33 Prozent Frauen im Parlament im Spitzenfeld, wird allerdings von Norwegen (37 Prozent), Dänemark (36,9 Prozent), Spanien (36 Prozent), Belgien (34,7 Prozent), den Niederlanden (34,7 Prozent) sowie Island (33,3 Prozent) überholt. Deutschland liegt mit 32,8 Prozent knapp hinter Österreich. Frankreich erreicht einen bescheidenen Frauenanteil von 12,2 Prozent und liegt damit hinter Bosnien-Herzegowina (14,3 Prozent) und Zypern (16 Prozent).
Nur sechs weibliche Staatsoberhäupter
Insgesamt gab es 2005 laut Studie in Europa nur sechs weibliche Staatsoberhäupter in den 36 berücksichtigen Staaten, drei von ihnen waren Königinnen. In Finnland und Irland gab es eine direkt gewählte Präsidentin, in Lettland dagegen wurde sie vom Parlament bestimmt. Die 2005 gewählte deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ist derzeit die einzige Regierungschefin in der EU.
In den Regionalparlamenten erreichte der Frauenanteil 21,4 Prozent. In den österreichischen Landtagen lag er bei 29 Prozent gegenüber 31,7 Prozent in Deutschland.
Vorreiterrolle für Österreich
Der Anteil der Ministerinnen und Staatssekretärinnen liegt im Durchschnitt bei 19,9 Prozent, in Österreich dagegen derzeit wie auch in Spanien bei 40 Prozent bzw. sogar darüber. Besser macht es nur noch Schweden mit 52,4 Prozent. Was die Chefs von Regionalregierungen anlangt, so führt Dänemark mit 92,3 Prozent Frauen. In Österreich gab es 2005 zwei Landeshauptfrauen, was einem Anteil von 22,2 Prozent entspricht. Mit dem Abtreten von Waltraud Klasnic in der Steiermark ist dieser Anteil aber zurückgegangen. Gabriele Burgstaller in Salzburg ist derzeit die einzige Landeshauptfrau.
2005 waren in Österreich nur zwei Prozent der Bürgermeister Frauen (Durchschnitt der Europarats-Studie: zehn Prozent). Den größten Anteil erreichte hier Lettland mit 36,4 Prozent. In den Gemeinderäten in Österreich betrug der Frauenanteil 24,7 Prozent. Das Ministerkomitee des Europarats hatte es 2003 zum Ziel gesetzt, in allen politischen Entscheidungsgremien der Mitglieder zumindest einen Anteil von 40 Prozent Frauen zu erreichen.
(apa/red)
