Mittwoch, 7. März 2007

Keine Gegenliebe für das "geteilte" Web:
Heimische ISPs raten von WLAN-Sharing ab

  • Bislang rund 4.000 Österreicher bei Fon angemeldet
  • Rechtliche und technische Schwierigkeiten prophezeit

Mit dem Geschäftsmodell des spanischen Unternehmens Fon, das weltweit ein Netz von Hotspots aufziehen will, haben sich naturgemäß auch die heimischen Internet Service Provider (ISPs) beschäftigt. Fon selbst gibt zwar an, enge Kooperationen anzustreben und "bereits viele Partner gefunden zu haben". In Österreich darf das Unternehmen allerdings mit wenig Gegenliebe rechnen.

Wer sein eigenes drahtloses Breitband-Internet (WLAN) für andere zugänglich macht, surft bei allen anderen Community-Mitgliedern weltweit gratis mit. Das Konzept des Ende 2005 gegründeten spanischen Unternehmens Fon hat in Österreich bereits rund 4.000 Personen überzeugt, weltweit sind es schon mehr als 300.000. Nun mehren sich aber Stimmen, die auf potenzielle rechtliche Probleme und technische Schwierigkeiten hinweisen.

Spielverderber UPC und Telekom
"Wir haben ziemliche Bedenken. Ich würde jedenfalls meinen Anschluss nicht mit wildfremden Leuten teilen. Denn alles, was dann passiert, wird dem Nutzer angelastet", erklärte Roland Türke, Präsident der Internet Service Providers Austria (ISPA) und technischer Leiter innerhalb der UPC Austria Gruppe. Grundsätzlich müsse man sich die jeweiligen Geschäftsbedingungen ansehen, bei den meisten Internet Service Providern sei diese Vorgangsweise aber verboten.

Auch die Telekom Austria betonte, dass der Kunde "für sämtliche Aktivitäten haftet, die er oder andere User über seinen Internet-Anschluss tätigen". Abgesehen von den etwaigen Mehrkosten, die fremde Benutzer verursachen könnten, gelte es zu bedenken, "dass die Gewährung des freien Zugriffs auf den Rechner des Kunden erhebliche Sicherheitsprobleme in sich birgt. Aus diesen wichtigen Gründen bietet Telekom Austria ein derartiges Produktmodell nicht an."

Keine Bedenken seitens Fon
Fon-Manager Florian Forster betonte, dass ihm "keine Aussage eines österreichischen Internet Service Providers bekannt ist, dass Fon nicht unterstützt wird". Der Fon-Dienst stelle auf Grund der Registrierungspflicht außerdem "keinen öffentlichen WLAN-Hotspot dar". Sollte ein Internetanbieter darum bitten, die Vermarktung von Fon gegenüber seinen Kunden einzustellen, werde man den Kunden "einen Vorschlag machen, wie sie schnell und problemlos zu einem anderen Provider wechseln können, welcher Fon gestattet", heißt es im Weblog des Firmengründers. Im Fall des Verdachts einer kriminellen Handlung gebe es für die Nutzer keine Probleme, weil Fon entsprechende Logfiles habe und man an einer Zusammenarbeit mit den Behörden interessiert sei.

Anzeigepflicht laut RTR
Laut Auskunft der Rundfunk- und Telekomregulierungsbehörde (RTR) besteht für Fon-Mitglieder, die ihren Breitbandinternet-Zugang mit anderen über WLAN teilen, außerdem eine Anzeigepflicht gemäß § 15 TKG 2003. "Sollte ein anzeigpflichtiger Dienst vorliegen, stellt die Unterlassung der Anzeige eine Verwaltungsübertretung dar, die mit einer Geldstrafe bedroht ist", so die RTR. Reaktion von Fon: "Die Behörden würden sich sicher freuen, wenn zehntausende Anmeldungen eintrudeln. Was machen die dann damit? Prinzipiell gibt es dazu von unserer Seite keine Empfehlung an die Kunden", erklärte Forster. (apa/red)

7.3.2007 12:30