Zwei Amtszeiten sind genug: Französischer Präsident Chirac tritt nicht mehr zur Wahl an
- Offenes Rennen um Nachfolge: Keine Empfehlung
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Der französische Präsident Jacques Chirac tritt nach zwölf Jahren an der Staatsspitze ab: Er werde nicht mehr für eine dritte Amtszeit kandidieren, sagte Chirac sechs Wochen vor den Präsidentschaftswahlen in einer feierlichen Fernsehansprache. "Am Ende des Mandats, dass Sie mir anvertraut haben, wird der Moment für mich gekommen sein, Ihnen auf andere Weise zu dienen", sagte Chirac. Es ist das erste Mal seit 33 Jahren, dass Chirac nicht bei der Wahl ums höchste Staatsamt kandidiert.
Der 74-Jährige stand seit 1995 an der Spitze des französischen Staates und ist noch bis Mitte Mai gewählt. Seinen Nachfolger bestimmen die Franzosen am 22. April und am 6. Mai. Er wolle sich später dazu äußern, wen er persönlich wählen wolle, gab Chirac in der TV-Ansprache keine Wahlempfehlung ab. Die Franzosen sollten sich auf jeden Fall aber "niemals mit dem Extremismus, dem Rassismus, dem Antisemitismus oder der Zurückweisung des Anderen einlassen", bezog der Amtsinhaber klar gegen den Rechtsextremen Jean-Marie Le Pen Stellung, der es bei der Präsidentschaftswahl 2002 überraschend in die Stichwahl gegen ihn geschafft hatte.
Rennen um Nachfolge völlig offen
Das Rennen um Chiracs Nachfolge ist noch völlig offen. Nie zuvor hatten nämlich drei Kandidaten realistische Chancen auf den Sieg. In Umfragen liegt der Kandidat von Chiracs Regierungspartei UMP, Innenminister Nicolas Sarkozy, knapp vor der Sozialistin Segolene Royal und dem Zentrumspolitiker Francois Bayrou (UDF). Wahrscheinlich fällt die Entscheidung erst am 6. Mai in der Stichwahl zwischen den beiden stärksten Bewerbern.
In der teilweise mit bewegter Stimme vorgetragenen zehnminütigen Ansprache betonte Chirac seine "Liebe" zu Frankreich und zeigte sich zugleich "stolz" auf seine eigene Bilanz. "Ich hätte den Konservatismus und Egoismus stärker zurück drängen wollen", räumte Chirac ein. Er habe mit seiner Regierung aber die wichtigsten republikanischen Werte wie die Laizität gestärkt und die Arbeitslosigkeit gesenkt.
"Wir müssen Europa schaffen"
Zugleich forderte Chirac die Franzosen auf, Europa zu ihrer Priorität zu machen. "Wir müssen Europa schaffen. Allein kann niemand gegen die aufkommenden Wirtschaftsmächte Front machen", betonte der Präsident, dessen politisches Ende das Nein seiner Landsleute beim Referendum über die EU-Verfassung vor zwei Jahren besiegelt hatte.
Er liebe Frankreich "leidenschaftlich", "dieses Land, das ich so sehr liebe, wie ich Sie liebe", sagte Chirac zum Abschluss der Ansprache. Nach seinem Ausscheiden aus dem Elysee-Palast werde er weiter "die Kämpfe führen, die unsere sind, die Kämpfe meines ganzen Lebens, für Justiz, für Fortschritt, für Frieden, für Frankreichs Größe." Vertraute sehen den scheidenden Präsidenten in einigen Monaten an der Spitze einer internationalen Organisation oder Umweltstiftung.
"Ich verliere meinen schlimmsten Feind", kommentierte Jean-Marie Le Pen den Rückzug des vier Jahre jüngeren Staatschefs. Sozialistenchef Francois Hollande sagte, Chirac habe nicht mehr genug Rückhalt gehabt, um sich erneut zur Wahl zu stellen.
Chirac wurde am 29. November 1932 in Paris geboren. Er absolvierte die Pariser Eliteschulen Sciences Politiques und ENA und leistete seinen Militärdienst in Algerien. In Frankreichs 1958 gegründeter Fünfter Republik hatte er eine 45 Jahre umspannende, beispiellose Karriere: Er gehörte zunächst als Spitzenbeamter, dann als Staatssekretär und Minister Regierungen unter allen anderen vor ihm amtierenden Präsidenten - Charles de Gaulle, Georges Pompidou, Valery Giscard d'Estaing und Francois Mitterrand - an. 1974 bis 1976 und 1986 bis 1988 war der Neo-Gaullist Premierminister und 1977 bis 1995 Bürgermeister von Paris. 1995 wurde er in der Stichwahl gegen den Sozialisten Lionel Jospin erstmals zum Staatschef gewählt, 2002 verteidigte er das Amt gegen den Rechtsextremen Jean-Marie Le Pen. (apa/red)
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