Hoffnungsträger und Angstmacher: Nicolas Sarkozy bestätigt seine Favoritenstellung
- Viele Franzosen finden Ex-Innenminister beunruhigend

"Gemeinsam wird alles möglich" verhießen seine Wahlplakate. Dabei war Nicolas Sarkozy Zeit seines Lebens ein ehrgeiziger Einzelkämpfer. Für seine eigenen Ziele gab er seinen "Ziehvater" Jacques Chirac schon einmal auf, nun will er trotz seiner fast fünf Jahre in der Regierung den "Bruch" mit der Chirac-Ära verkörpern. Im Rennen um Frankreichs Präsidentschaft waren Sarkozys Gegner vor allem gegen ihn - und nur in geringerem Maße für seine sozialistische Rivalin Segolene Royal.
Dem in Paris geborenen Sohn eines ungarischen Adeligen und einer jüdischen Griechin ist dies nicht in die Wiege gelegt worden. Ein Sarkozy werde in Frankreich niemals Präsident, prophezeite ihm sein Vater. Doch kannte der seinen Sohn kaum: Nicolas war gerade mal vier Jahre alt, als sein Vater die Familie verließ und sich weigerte, Unterhalt zu zahlen.
Bereits als junger Mann fällt Sarkozy durch sein großes Rednertalent auf. Chirac lässt den späteren Anwalt auf Veranstaltungen seiner Gaullistenpartei RPR auftreten. 1983 verdrängt Sarkozy seinen doppelt so alten Förderer Charles Pasqua im Rennen um das Bürgermeisteramt des Pariser Nobel-Vororts Neuilly - da ist er gerade mal 28 Jahre alt. Zehn Jahre später wird er Haushaltsminister, dann Regierungssprecher unter Edouard Balladur.
Doch auf den steilen Aufstieg folgt ein tiefer Fall. 1995 unterstützt Sarkozy die Präsidentschaftskandidatur Balladurs. Zum Ärger des späteren Wahlsiegers Chirac - Sarkozy fällt in Ungnade und fliegt aus der Regierung. 1996 heiratet er seine zweite Frau Cecilia, mit der er einen Sohn hat. 1999 kassiert er eine verheerende Niederlage bei den Europawahlen und taucht drei Jahre lang ab.
Erst nach dem bürgerlichen Machtwechsel 2002 kommt Sarkozy wieder in die Regierung. Als Innenminister und Vizechef des Kabinetts soll er vor allem die weit verbreitete Angst vor Kriminalität bekämpfen. Gestützt auf große Popularität, sieht er seinen Lebenstraum nahe rücken: "Nicht nur beim Rasieren" denke er an die Präsidentschaftswahlen 2007, sagt er schon vor vier Jahren im Fernsehen. Ende 2004 übernimmt er die Führung von Chiracs UMP, die für ihn das Sprungbrett zum Elysee-Palast sein soll. 2005 ist er bei den Vorstadt-Krawallen pausenlos im Einsatz und predigt Härte.
Von der UMP lässt sich Sarkozy im Jänner 2007 in einer perfekt inszenierten "Krönungsmesse" zum Kandidaten für das höchste Staatsamt küren. Im März gibt Chirac seinen Verzicht auf eine weitere Kandidatur bekannt. Eindringlich ruft er dazu auf, sich nicht mit Extremisten einzulassen. Dies wird als Botschaft an Sarkozy verstanden, der offen mit Thesen der rechtsextremen Front National (FN) flirtet. So fordert der einstige Immigrantensohn ein "Ministerium für Einwanderung und nationale Identität". Immer wieder setzt er provokant Themen, etwa mit der Einschätzung, Pädophilie oder die Neigung zum Selbstmord lägen bereits in den Genen.
Für seine Gegner ist Sarkozy ein brutaler, gefährlicher Demagoge. Für seine Bewunderer verkörpert er dagegen den Wunsch der Franzosen nach klaren Worten und Veränderung. FN-Führer Jean-Marie Le Pen findet, mit Sarkozy könne man reden. Dennoch rief er nicht zu Sarkozys Wahl auf, sondern zum Wahlboykott.
Ob Sarkozys Streben nach "Gemeinsamkeit" auf anderer Ebene erfolgreicher ist, darüber wird in Paris viel spekuliert. Hartnäckig halten sich Gerüchte, seine Frau Cecilia habe ihn nach einer dramatischen Ehekrise 2005 erneut verlassen. Am Tag des ersten Wahlganges ließen sich beide demonstrativ miteinander fotografieren.
(apa/red)
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