Dienstag, 13. März 2007

Großer Empfang für Ökumenischen Patriarchen: Bartholomaios I. in Österreich

  • Herzliches Treffen mit Fischer in der Hofburg
  • Heute Auszeichnung mit Kardinal-König Preis

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. ist zu Beginn seines fünftägigen Österreich-Besuchs mit Bundespräsident Heinz Fischer zu einer einstündigen Unterredung zusammengetroffen, in deren Verlauf er seiner Freude über die Freiheit der rund 400.000 orthodoxen Gläubigen in Österreich Ausdruck verlieh und zugleich für das lebhafte Interesse dankte, das der Situation des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel von offizieller österreichischer Seite entgegengebracht werde. Bei der als überaus herzlich geschilderten Zusammenkunft in der Wiener Hofburg kamen auch die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und der Türkei zur Sprache.

Das Oberhaupt der Weltorthodoxie und das österreichische Staatsoberhaupt sprachen insbesondere über die vorjährige Türkei-Reise von Papst Benedikt XVI. und dessen bevorstehende Österreich-Visite im September, wie Präsidentensprecher Bruno Aigner anschließend mitteilte. Bartholomaios I., der heute im Stephansdom mit dem Kardinal-König-Preis ausgezeichnet wird, drückte seine "tiefe Zuneigung und Verehrung" für den vor genau drei Jahren verstorbenen Wiener Alterzbischof aus und unterstrich seine besondere Verbundenheit mit Österreich und Wien.

Anschließend traf der Ökumenische Patriarch, der vom Wiener griechisch-orthodoxen Metropoliten Michael Staikos begleitet wurde, mit Bundeskanzler Alfred Gusenbauer zu einem Gespräch zusammen

"Nicht die arme Verwandte Europas"
In einem ORF-Radiointerview unterstrich Bartholomaios I. wesentlichen Beitrag der Orthodoxie zur Einigung Europas: "Die Orthodoxie ist nicht die arme Verwandte Europas, sondern aus historischen Gründen heraus hat sie Europa gegenüber viele Rechte und Pflichten". Europa brauche für seine Einheit neben politischen und wirtschaftlichen Faktoren vor allem auch geistliche Werte, sagte er.

Es gelte, diese Werte den zunehmenden Säkularisierungstendenzen entgegenzuhalten, betonte der Patriarch. Innerhalb der EU gibt es derzeit vier orthodox geprägte Staaten: Griechenland, Zypern, Bulgarien und Rumänien, aber auch in manchen Teilen Polens, Lettlands, Estlands und Finnlands ist die Orthodoxie stark präsent, ebenso in den großen Metropolen des Westens.

1. offizieller Besuch 2004
Bartholomaios I. hatte Österreich bereits 2004 einen offiziellen Besuch abgestattet und war damals mit dem gerade gewählten Bundespräsidenten Fischer zusammengetroffen, der das friedensfördernde Wirken des Ökumenischen Patriarchats auf internationaler Ebene würdigte. Die vielseitigen Initiativen des Oberhaupts der orthodoxen Christenheit für einen Dialog mit Islam und Judentum seien "wertvolle Beiträge zur Bekämpfung der Wurzeln des Terrors", hatte Fischer unterstrichen. Kardinal Christoph Schönborn und die Bischofskonferenz werden ein gemeinsames Essen zu Ehren des Patriarchen geben.

In der Begründung der Preisverleihung wurde Bartholomaios I. als "Persönlichkeit von europäischem Format" gewürdigt, "die in beeindruckender Weise wichtige Impulse zur christlichen Ökumene und zum Religionsfrieden im zusammenwachsenden Europa, sowie beispielhafte ökologische Initiativen zur Bewahrung der Schöpfung gesetzt hat". Mit der Auszeichnung ehre die Stiftung auch das unermüdliche Wirken des Ökumenischen Patriarchats, "dessen Stellenwert und Einsatz für Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden innerhalb der gesamten Christenheit wie im Verhältnis zu den anderen Weltreligionen" gerade erst durch den Türkei-Besuch von Papst Benedikt XVI. nachdrücklich unterstrichen worden seien.

Metropolit Staikos: Ankaras Haltung seit Papstbesuch verhärtet
Seit dem Papstbesuch habe sich die Haltung der türkischen Regierung verhärtet, erklärte der Wiener Metropolit und Exarch des Ökumenischen Patriarchats für Mitteleuropa, Erzbischof Michael Staikos, der griechischen Nachrichtenagentur ANA in Wien. Der türkische Staat erkennt das Patriarchat bisher nur als religiöse Institution der auf seinem Territorium lebenden griechischen Minderheit an.

Im Jänner hatte Bartholomaios vor der Parlamentarischen Versammlung des Europarats in Straßburg auf die unbefriedigende Situation der nicht-muslimischen Minderheiten in der Türkei hingewiesen und einen Rechtsstatus für die orthodoxe Kirche verlangt. Als laizistisch organisierter demokratischer Staat müsse die Türkei die Menschenrechte und Religionsfreiheit aller Bürger wirksam garantieren. Der Patriarch forderte die Anerkennung des Ökumenischen Patriarchats im Phanar durch den Staat und die Wiedereröffnung der seit über dreieinhalb Jahrzehnten behördlich geschlossenen theologischen Akademie auf der Prinzeninsel Halki (Heybeli), der einzigen Ausbildungsstätte für den orthodoxen Priesternachwuchs. Die EU verlangt seit Jahren von Ankara die Wiedereröffnung dieser Hochschule.

(apa/red)

13.3.2007 10:33