Schlag gegen Menschenhandel: Schlepper brachten 2.500 Menschen nach Österreich
- 16 Verdächtige in Haft - Vereinigung seit 2005 aktiv
- Bis zu 4.000 Euro pro Person für Schleppung
Fahnder der Gruppe Menschenhandel des Landeskriminalamtes Niederösterreich ist ein großer Schlag gegen das organisierte Schlepperwesen gelungen. 23 Personen aus der Ukraine, Moldawien, Slowakei und Litauen stehen im Verdacht, seit November 2005 bis zu 2.500 Personen nach Österreich geschleppt zu haben, sagte der niederösterreichische Sicherheitsdirektor Franz Prucher am Mittwoch in St. Pölten.
Die illegalen Einwanderer wurden in ihren Heimatländern, Moldawien und Ukraine, geködert und via Lkw, Pkw, Bahn oder zu Fuß ins Bundesgebiet gebracht. 17 Kriminelle, darunter die beiden mutmaßlichen Haupttäter, sind bereits in Haft. Gegen sieben Verdächtige wurde ein Haftbefehl erlassen. Die Bande sei äußerst professionell organisiert gewesen, betonte Prucher.
Bis zu 4.000 Euro pro Person für Schleppung
Jedem Mitglied der Vereinigung seien andere Aufgaben zugekommen, erläuterte der Sicherheitsdirektor. Zunächst wurden den illegalen Einwanderern gefälschte Visa besorgt, dann ging es mit Kleinbussen in verschiedene EU-Staaten. Über die Slowakei, Ungarn oder Tschechien gelangten die Personen nach Österreich.
Nachdem der illegale Grenzübertritt erfolgt war, wurden die Personen in Wohnungen in Wien-Leopoldstadt und Wien-Landstraße untergebracht. Von dort wiederum seien die Einwanderer an Schlepper übergeben worden, die sie nach Italien befördert hätten. Für die Schleppung mussten die Moldawier und Ukrainer bis zu 4.000 Euro pro Person bezahlen, so Prucher.
Ins Rollen gekommen war der Fall, nachdem in Göttlesbrunn (Bezirk Bruck an der Leitha) am 28. Oktober 2006 vier Ukrainer als Schlepper festgenommen worden waren. Im Zuge der Ermittlungen wurde ein regelrechtes Netzwerk ausgehoben. Die 16 festgenommen Personen wurden großteils in die Justizanstalt Wien-Josefstadt eingeliefert.
Die Bande soll täglich geschleppt haben. Bis zu 50 Personen seien in "Spitzenzeiten" innerhalb von 48 Stunden befördert worden.
Bei den mutmaßlichen Haupttätern handelt es sich um die 34-jährige Moldawierin Tatiana G. und um den 30-jährigen Landsmann Vladimir Ion V. Die beiden wurden am 16. Jänner in Wien geschnappt. Detail am Rande: Die Kinder der verdächtigen Frau, neun und zwölf Jahre alt, sollen nach der Festnahme der Anführerin weitere Mitglieder der Bande mittels Anrufen "gewarnt" haben, erklärte Chefinspektor Christian Jäger.
(APA)
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