Obmannfrage in FPÖ Burgenland endete mit
Paukenschlag: Rauter zog Kandidatur zurück
- Tschürtz bleibt nach hitziger Debatte doch Parteichef
- 65 Delegierte sprachen Tschürtz das Vertrauen aus

Nicht mit einer Kampfabstimmung, sondern mit einem Paukenschlag endete der Sonderparteitag der FPÖ Burgenland in Eisenstadt. Nach vierstündiger, teils emotionsgeladener Debatte zwischen Anhängern und Kritikern von Parteichef Johann Tschürtz erklärte Ex-Parteichef Wolfgang Rauter, der gegen Tschürtz antreten wollte, in letzter Minute seinen Verzicht auf die Kandidatur und stellte damit Bundesparteiobmann Heinz Christian Strache und die Landespartei vor vollendete Tatsachen.
Zunächst deutete noch alles auf eine Kampfabstimmung hin, als gegen 18.00 Uhr Anhänger von Rauter und von Tschürtz sich optisch - mit Transparent beziehungsweise T-Shirt - in Position brachten. Nach dem Eintreffen der Kandidaten - sowohl Rauter als auch Tschürtz wurden eifrig beklatscht - nahm der Parteitag nach 19.00 Uhr seinen Lauf.
Parteichef Johann Tschürtz ergriff zuerst das Wort: Er habe 2005 im Burgenland die Partei "in ihrer schwierigsten Phase übernommen" und - anders als die steirische FPÖ eine Woche zuvor - den Einzug in den Landtag geschafft. "Einen Fehler gemacht" habe er, als er Manfred Kölly, der das SPÖ-FPÖ Geheimpapier unterzeichnete, nicht sofort aus der Partei ausgeschlossen habe.
"Wir brauchen Stabilität, denn vor uns stehen Gemeinderatswahlen", so Tschürtz, der sich ausdrücklich bei Ortsgruppen, "die sich nicht mit dieser Schlammschlacht beschäftigt haben", bedankte. Nach dem Parteitag müsse man die Kräfte bündeln, sein Ziel sei es, im Burgenland mit der FPÖ zehn Prozent zu erreichen.
FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz Christian Strache brach eine Lanze für den burgenländischen Obmann: "Also, Führungsschwäche hat er keine", Tschürtz sei ein ehrlicher und geradliniger Politiker. Man könne ihm vielleicht zum Vorwurf machen, dass er in manchen Bereichen zu gutmütig sei und "nicht sofort durchgegriffen" habe, meinte Strache, der das Geheimpapier scharf kritisierte. Jemand, der "so etwas auspackelt und unterschreibt", habe "mit freiheitlicher Gesinnungsgemeinschaft nichts zu tun".
Von den Delegierten forderte Strache eine Entscheidung: "Mit heutigem Tag hat Klarheit geschaffen zu werden." Wer nach dem Sonderparteitag das Ergebnis nicht akzeptiere und der Partei weiter schaden wolle, dem müsse man sagen "wir müssen uns von dir trennen."
Nach zahlreichen Wortmeldungen von Delegierten, von denen sowohl Tschürtz als auch Rauter einiges an Kritik zun hören bekamen, ergriff als letzter Redner Ex-Parteiobmann Rauter das Wort, erinnerte an eigene Erfolge und las der gegenwärtigen Parteiführung die Leviten. Nachdem er mit einem Appell "Ich will und ich werden die FPÖ einen, wenn ihr mir dabei helft" geendet hatte, kam plötzlich alles anders: Rauter erklärte, dass das die Rede gewesen wäre, die er habe halten wollen. Er trete aber nicht an und ersuche die Delegierten, Obmann Tschürtz zu unterstützen.
Diesem sprachen nach einer Schrecksekunde und dem Auszug Rauters samt Anhang 65 von 68 anwesenden Delegierten - zu Beginn des Parteitages waren es 94 gewesen - das Vertrauen aus, da eine Wahl ohne Gegenkandidat nicht möglich sei.
Nach diesem abrupten Ende beteuerte Parteiobmann Tschürtz, sich mit ganzer Kraft für die FPÖ Burgenland einzusetzen. Kurz danach kursierten im Foyer bereits erste Gerüchte über ein Treffen von Tschürtz-Kritikern.
(apa/red)
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