Ältere müssen das Schlafen wieder lernen: Schlafrituale wie Yoga & Co könnnen helfen
- Nacht für jeden Zweiten über 65 eher nicht erholsam
- "Bett soll man nur mit Schlafen und Sex verbinden"

·Richtiges Schlafen ganz leicht erlernt
Grundregel: Vor 3.00 Uhr & länger als vier Stunden
·Pausenschlummer vertreibt Bürokummer
USA: Mittagsschläfchen senkt Herzinfarktrisiko
Jeder Zweite Pensionist in Österreich leidet an Schlafstörungen, meint Schlaftrainerin Marianne Anderer. Denn nicht nur der Körper sei altersbedingten Veränderungen unterworfen, sondern auch die Nachtruhe. Schäfchen zählen könnte tatsächlich helfen, denn dabei denkt man nicht an Probleme.
Der Schlaf werde leichter und störungsanfälliger - vor allem durch Gedanken. Sorgen und Probleme, die etwa durch Schicksalsschläge wie den Verlust des Partners ausgelöst wurden, lassen keine Ruhe. Pensionisten gelangen dadurch oft in einen Teufelskreis, so Anderer. Schon am Nachmittag denken viele daran, ob sie am Abend einschlafen werden können. Diese Gedanken würden eine erholsame Nacht von vorne herein verhindern, erklärte sie.
Ältere nehmen Müdigkeit weniger wahr
Zudem bekomme der Körper in der Pension weniger Signale, weil der Tagesablauf kaum strukturiert sei. Ältere Menschen nehmen Müdigkeit daher weniger deutlich wahr als Berufstätige, meinte die Trainerin. Um den Körper auf eine Ruhephase einzustimmen, könnten Senioren "Schlafrituale" entwickeln, rät Anderer - etwa mit regelmäßigen Spaziergängen am Abend, einem leichten Essen, Musik hören oder Lesen.
"Bett soll man nur mit Schlafen und Sex verbinden"
Allgemein gültige Rezepte für erholsame Nächte gebe es jedoch nicht, denn "Schlafstörungen sind individuell", erklärte die 52-jährige Kärntnerin im Gespräch mit der APA. Wer sich im Bett mit Schlaf störenden Gedanken quält, könne eine solche Denkerphase etwa in einen "Grübelsessel" verlegen. "Das Bett soll man nur mit Schlafen und Sexualität verbinden", sagte Anderer. Auch Tagebuch führen könne eine Lösung sein, um vor dem Schlafen frei von Grüblereien zu sein. Ein generelles Schlafzimmer-Verbot für Fernsehgeräte oder Bücher will die Trainerin nicht erteilen. "Es ist absolut individuell: Manche schlafen gut beim Lesen oder Fernsehen ein", erklärte sie.
Schlaftraining angeboten
In einem speziellen Schlaftraining an der Volkshochschule in Wien-Hietzing arbeitet Anderer mit Menschen ab 50 an deren Schlafstörungen. Viele haben seit 30 Jahren keine erholsamen Nächte mehr, so die Trainerin. "Dass man im Alter schlecht schläft, wird als selbstverständlich hingenommen", meinte sie. Beim Schlaftraining gehe es vorranging darum, falsche Vorstellungen zu bekämpfen und an dem Problem mit gezielten Entspannungsübungen zu arbeiten. Anderers Methode nennt sich 'Progressive Muskelrelaxation': Dabei werden Muskel abwechselnd an- und entspannt. Sich darauf zu konzentrieren, wirke entspannend für Körper und Geist, erklärte sie. Daneben habe sich als Schlaftraining etwa auch Yoga oder autogenes Training etabliert. Zusätzlich sollten Schlaf-Patienten in jedem Fall ärztlichen Rat einholen, rät die Trainerin. Schlafstörungen könnten genauso gut organische Ursachen haben. (apa/red)
