Österreichs Wirtschaft liegt in Männerhand: Laut AK nur wenige Frauen in Top-Jobs
- Frauenanteil in Geschäftsführung liegt bei fünf Prozent
- Eva Schiessl von der AK-Wien: "Da läuft etwas falsch"

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Österreichs Wirtschaft liegt voll in Männerhand
Nur jedes 20. Vorstandsmitglied in den Top 200 Kapitalgesellschaften in Österreich ist weiblich. Diese Fakten besagen, dass Männer in den Führungsetagen der Top-Unternehmen lieber unter sich bleiben. Der Frauenanteil in der Geschäftsführung liegt demnach bei 5 Prozent - das sind 28 Frauen von insgesamt 562 Geschäftsführern. In den Aufsichtsräten sind 163 Mandate mit Frauen besetzt, das entspricht einem Anteil von nur 10,4 Prozent.
Die AK hat im Februar die Top 200 Kapitalgesellschaften (AG und GmbH) aus der AK-Datenbank anhand des Firmenbuches untersucht. In diesen Unternehmen waren 634.000 Mitarbeiter beschäftigt und 562 Geschäftsführer und 1.568 Aufsichtsräte tätig. In 176 von 200 Unternehmen ist keine einzige Frau in der Geschäftsführung tätig.
Spezifische Branchen stark betroffen
Besonders gering ist der Frauenanteil vor allem in den Branchen Transport/Logistik, Energie, Bau, IT/Telekom und in der Sachgüterindustrie, besagt eine Untersuchung der AK der 200 größten österreichischen Kapitalgesellschaften. Nur im Dienstleistungsbereich und bei Banken und Versicherungen sei die Frauenquote in den Führungsetagen höher.
Regelungen wie in Norwegen denkbar
In den 200 untersuchten Unternehmen haben gerade einmal 15 zumindest eine Frau in den beiden Gremien. "Dieser faktische Ausschluss von Frauen ist ein Armutszeugnis für die Unternehmensleitungen", so Studienautorin Eva Schiessl von der Abteilung Betriebswirtschaft der AK Wien. "Da läuft etwas falsch und mit der Ausbildung kann das nichts zu tun haben." Mehr als die Hälfte der Wirtschafts- oder Jusabsolventen seien Frauen und an der Spitze der österreichischen Unternehmen hätten trotzdem praktisch nur die Männer das Sagen. Damit die Wirtschaft endlich die demografische Wirklichkeit widerspiegle fordert Schiessl, dass der Ankündigung im Regierungsprogramm "Förderung von Frauen in Führungspositionen" auch konkrete Maßnahmen folgen. Das können Bewusstseinbildungskampagnen und ein Festschreiben der Ziele im Corporate-Governance-Kodex sein. Letztlich seien auch gesellschaftsrechtliche Regelungen auf gesetzlicher Basis wie in Norwegen denkbar.
Norwegen: künftig 40 Prozent der Aufsichtsräte an Frauen
Laut einer Studie des European Professional Women's Network aus dem Jahr 2006 bewege sich Österreich mit diesen Zahlen im europäischen Durchschnitt (Board: 8,5 Prozent), liege aber weit hinter den skandinavischen Ländern (Board: 22,5 Prozent). In diesen Ländern stieg der Frauenanteil in den vergangenen beiden Jahren noch weiter, was auf die Vorbildwirkung der gesetzten Maßnahmen in Norwegen auch für nicht börsenotierte Unternehmen zurückzuführen sein dürfte, so die AK. In Norwegen müssen in börsenotierten Unternehmen künftig 40 Prozent der Sitze in Aufsichts- oder Verwaltungsräten mit Frauen besetzt sein. Schweden bereitet ein ähnliches Modell vor. (apa/red)
