Schuhe per Fingerzeig virtuell wechseln:
"Frauenschock" wird auf CeBIT präsentiert
- Zukunftsshopping mit Cyber-Spiegel und Infospace
- Schwerpunkt der Entwicklung bei intuitiver Steuerung

Eine neue Technik macht Schluss mit dem herkömmlichen Schuhkauf: Kunden können verschiedene Schuhmodelle nun vor einem virtuellen Spiegel anprobieren, ohne die Paare wechseln zu müssen. An einem Bildschirm navigieren sie per Fingerzeig durch die Produktpalette. Für Männer herrlich praktisch, für Frauen möglicherweise ein Schock, wenn sie nicht mehr stundenlange Shoppingtouren für Schuhwerk aufbringen können?
In Paris hat das lästige An- und Ausziehen von Schuhen zwar testweise bereits ein Ende, auf der CeBIT wird das virtuelle Schuhprobiersystem aber erstmals dem Rest der Welt präsentiert: Statt Dutzende Paare anzuprobieren, stellt sich der Kunde einfach vor einen virtuellen Spiegel. An seinem Fuß sieht er zunächst seinen Favoriten mit den roten Streifen, und wählt dann zum Vergleich die Alternative in goldfarbenem Leder.
Spiegelglatte Täuschung
Der virtuelle Spiegel wurde von Forschern des Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut HHI, in Berlin entwickelt. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Spiegel zeigt er kein reales Bild. Stattdessen nimmt eine Kamera Füße und Beine des Kunden auf und zeigt diese als Videoszene auf dem Bildschirm. In dieses Bild werden die verschiedenen Schuhmodelle eingespielt. "Dank am HHI entwickelter 3-D-Bildverarbeitungstechniken ist die Software so schnell, dass sie den Bewegungen des Kunden in Echtzeit folgen kann", sagt Jürgen Rurainsky, einer der Entwickler des virtuellen Spiegels.
Infospace für smarte Finger
Eine zweite vom HHI erdachte Präsentationsfläche, der Infospace, stellt in Bildern, Werbespots und kurzen Filmen Schuhe und Kleidung des Sportherstellers vor. Anders als bei einem Touchscreen kann der Kunde berührungslos durch das Menü navigieren: Dazu braucht er lediglich mit dem Zeigefinger aus etwa 80 Zentimeter Abstand auf den Bildschirm zu deuten. Möglich macht das ein "Fingertracking-System": Eine Stereokamera an der Zimmerdecke nimmt den Finger auf und berechnet seine Position im Raum sowie seine Zeigerichtung. Die Information wird an eine Software übertragen, die die Objekte auf dem Bildschirm bewegt und aktiviert. Will der Kunde ein Objekt anklicken, etwa eine Videoszene, hält er den Finger einfach kurz in die entsprechende Richtung.
Priorität für intuitive Steuerung
Die Herausforderung für die Forscher bestand darin, das System durch geschickte Programmierung so schnell zu machen, dass es sofort auf die Bewegungen reagiert. Immerhin muss es in Bruchteilen von Sekunden nicht nur den Finger richtig deuten, sondern die Gesten ohne Verzögerung in korrekte Steuerbefehle umsetzen. "Weiterhin war es wichtig, diese Technologie für die Anwender verständlich und einfach zu machen", sagt Paul Chojecki, der die Nutzerfreundlichkeit des Gestensteuerungs-Systems untersucht hat. "Unser Ziel für beide Präsentationsflächen war zu zeigen, dass man sich ohne zusätzliche Technik wie einem Datenhandschuh oder einer 3-D-Brille in der virtuellen Welt bewegen kann." Von der einwandfreien Funktionstüchtigkeit kann man sich vom 15. bis 21. März in Hannover auf der CeBIT überzeugen lassen. (red)
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