Anna Netrebko: Eine Stadt im Bann der Diva

Das Interview vor der Manon-Premiere am 3. März in der Staatsoper. 10. 3.: live im ORF! Anna Netrebko in der Wiener Inszenierung der Salontragödie Jules Massenets.
Netrebko im NEWS-Talk: Und am 18. März im Konzerthaus: Die Diva gibt Auskunft. Letzte Karten sichern!
Klavierhauptproben zählen zum Ernüchternden in der Verzauberungswelt der Oper. Dünnes Geklimper mit anhaltenden Unterbrechungen durch den Regisseur; opernaffine Töne
nur von den Klein- bis Mitteldarstellern, während die Protagonisten zwecks Schonung des kostbaren Materials um eine Oktave tiefer brummen. Klavierhauptproben sind aber andererseits auch Versuchsstationen für Präsenz, Aura und Strahlkraft. Massenets Manon zum Beispiel, Premiere am 3. März in der Wiener Staatsoper, ORF-Live-Übertragung am 10. 3 um 19.55: Im noch schlampigen Chorgewimmel der Bahnhofsszene wartet jemand auf den Auftritt. Schwarzes Kostüm über Knie, schwarze Kappe, weiße Bluse: die Landpomeranze Manon Lescaut auf der Durchreise ins Kloster, wo sie allerdings nicht ankommen wird, da sie den Weg vieler Protagonistinnen der französischen Salonbelletristik geht nämlich erst in die Sittenlosigkeit und dann in Richtung Elend und Tod.
Die junge Dame aber, die im minimalistischen Ambiente, schräg rechts hinter dem Pappkameraden mit der Schaffnermütze, ihren Auftritt erwartet, ist jemand, daran gibt es keinen Zweifel. Die Szene hat plötzlich ein Zentrum. Ein Schicksal nimmt Konturen an, ohne dass ein Ton gesungen worden wäre. Eine halbe Stunde zuvor, beim Bühnentürl in der Kärntner Straße, konnte Anna Netrebko den Herrn, der sich gern ein Autogramm auf das Titelblatt seiner Fernsehzeitschrift geholt hätte, unerkannt hinter sich lassen. Als er aufmerksam wurde, war sie schon hinter der Barriere zwischen Welt und Gegenwelt in Sicherheit. Auch das eignet vielen großen Künstlern: dass sie erst auf der Bühne zu leuchten beginnen, als wären sie dort in ihrem Element.
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