Die zweite Platte ist immer die schwerste: Kaiser Chiefs bestehen Bewährungsprobe
- "Yours Truly, Angry Mob": Meisterliches 2. Album
- Britische Aufsteiger können Erwartungen erfüllen
Das Musikbusiness ist wie das Fußballgeschäft: So wie beim Ballestern für einen Aufsteiger die zweite Saison oft die schwerste ist, haben viele Bands Mühe, nach einem guten Debüt einen würdigen Nachfolger zu produzieren. Die Kaiser Chiefs, benannt nach einer südafrikanischen Fußballmannschaft, haben diese Probleme allerdings nicht und können die Klasse ganz locker halten.
"Yours Truly, Angry Mob" (Universal) bietet zwar keine großartigen Überraschungen, überzeugt aber wie auch schon das Erstlingswerk "Employment" mit solidem Handwerk und großen Melodien. Somit beweist die Combo aus Leeds, dass ihre Stärken nicht nur auswärts auf den Live-Bühnen, sondern auch daheim im Studio liegen.
Die Erwartungen an das neue Album waren extrem hoch. Mit ihrem Debüt stiegen die Engländer sofort zu Shooting Stars auf, Songs wie "Oh My God" oder "I Predict A Riot" wurden in den Klubs rauf und runter gespielt. Auch auf "Yours Truly, Angry Mob" bleiben die Chiefs ihrem Erfolgsrezept treu: Unwiderstehliche Poprock-Melodien gepaart mit ironischen Texten und dem schon charakteristischen Zweigesang.
Die Band erfindet sich sicher nicht neu, für ein zweites Album wäre das aber auch etwas zu viel verlangt. Wie schon beim Erstlingswerk gibt es auch auf der neuen Platte Durchhänger, die aber angesichts des insgesamt hohen Niveaus nicht besonders ins Gewicht fallen. Auffallend sind wieder die großartigen Melodien, die die Kaiser Chiefs scheinbar mühelos massenweise aus dem Ärmel schütteln. Insgesamt betrachtet blieben die großen Experimente aus, was hier aber als Glücksfall gelten muss. Fans von "Employment" werden sich mit dem neuen Werk auf jeden Fall anfreunden können, aber auch "Neulinge" sollten mal reinhören. Fazit: Für die aktuelle Saison ein Anwärter auf einen Platz im Spitzenfeld.
Aufnahmen daheim in Leeds
"Wir wollten natürlich die beste möglichen Songs schreiben, aber an Verkaufszahlen haben wir dabei nicht gedacht", meinte Bassist Simon Rix im Interview mit der APA. Ausgearbeitet wurden die Lieder wieder in der Heimatstadt Leeds. "Es wäre einfach nicht passend für uns, zum Komponieren auf die Bahamas oder nach Kuba zu fahren."
"Das Beste von Kaiser Chiefs noch besser gemacht"
Drei Millionen Exemplare von "Employment" wurden weltweit an die Hörer gebracht, die Presse feierte die Kaiser Chiefs ebenso wie das Publikum bei den Shows. In Österreich lieferten die Engländer beim vergangenen Frequency-Festival einen sensationellen Auftritt ab und konnten das Publikum im Handumdrehen erobern. "Man muss den Erfolg vergessen, wenn man im Studio steht, und sich auf die Songs konzentrieren", meinte Rix. "Wir sind sehr abergläubisch und wollten am Arbeitsprozess nicht allzu viel verändern. Darum sind wir in den Proberaum gegangen, den wir schon immer benutzt haben. Ich denke, wir haben das Beste von Kaiser Chiefs noch besser gemacht."
Die Stücke auf "Yours Truly, Angry Mob" entstanden zum Teil auf Tournee. "Wir wollten 2005 mit dem Komponieren beginnen, aber an einen Rückzug war nicht zu denken, weil wir Angebote für Konzerte und Festivals bekamen", so der Bassist. "So wichtig wie das Komponieren sind Auftritte - nur wenn man auf der Bühne steht, bekommt man das richtige Gefühl für die Songs. Das heißt nicht unbedingt, dass man neue Stücke vor Publikum ausprobieren muss. Aber man denkt beim Komponieren unmittelbar daran, wie sich das Stück live anfühlen könnte."
Sound weiter definiert
Das neue Album sei "ein Schritt vorwärts, nicht Teil zwei vom Vorgänger", betonte Rix. "Jeder von uns hat sich entwickelt, Experimente waren willkommen. Zugleich haben wir jene Dinge bewahrt, die diese Band ausmachen - zum Beispiel die ironischen Texte und den Zweigesang. Wenn man fünf, sechs Alben am Markt hat, dann darf man auch größere Experimente wagen. Aber für uns war es wichtig, unseren Sound weiter zu definieren.
Was die Texte betrifft, ist die Aufmerksamkeit von Leeds auf die weite Welt übergegangen. "Auf dem Vorgänger ging es um unsere Heimat, also über Themen, die uns vertraut waren. Mittlerweile sind wir viel herumgekommen. Daher können wir jetzt eine globale Sichtweise einbringen."
Auch Kritik ist willkommen
Über den Hype um seine Band meinte Rix: "Ich bin froh, wenn wir nicht nur Lobeshymnen ernten. Wenn man nur gute Kritiken bekommt, dann hat man nichts mehr zu beweisen. Aber natürlich sind wir glücklich, wenn uns die Leute mögen. Schließlich machen wir Musik, die wir mögen. Und wenn die auch andere gut finden - großartig. Meist habe ich auf Fragen wie "was bedeutet der Plattentitel' eine einfache Antwort parat: Er klingt einfach gut. That's it."
HÖRPROBEN UND DOWNLOAD:
Kaiser Chiefs auf music.networld.at
(apa/red)

