Freitag, 2. März 2007

Pharma-Ehe mit Schering als Job-Killer: Bayer will weltweit 6.100 Stellen abbauen

  • Auch in Österreich sind 26 Stellen betroffen
  • Ziel jährlich 700 Mio. Euro Einsparungen ab 2009

Das Streichkonzert des deutschen Pharma- und Chemiekonzerns Bayer im Zuge der Schering-Integration wirkt sich auch in Österreich aus. Zehn Prozent der 260 Mitarbeiter seien betroffen, sagte eine Sprecherin von Bayer Österreich auf Anfrage der APA. Zuvor hatte Bayer angekündigt, weltweit würden 6.100 Stellen gestrichen.

Österreich trifft es vergleichsweise gering, weil es hier keine Produktion gibt. Die 26 JObs, die bis Ende 2007 abgebaut werden sollen, sind laut Unternehmenssprecherin hauptsächlich in der Verwaltung angesiedelt. Es werde aber versucht, die Mitarbeiter, wenn möglich, in andere Bereiche umzuschichten, heißt es.

Die Bayer Austria GmbH ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des Bayer-Konzerns. Aufgabe der Bayer Austria ist der Vertrieb und die technische Beratung von und für Produkte des Bayer-Konzerns und anderer Gesellschaften auf dem österreichischen Markt und teilweise auch in Osteuropa. Dazu gehören etwa chemisch-pharmazeutische Produkte, Pflanzenschutzmittel, Kunststoffe und Chemikalien.

Bayer hatte sich im vergangenen Jahr nach einem Bieterkampf mit dem deutschen Pharma- und Chemiekonzern Merck für 17 Mrd. Euro die Mehrheit an Schering gesichert, der einst in Deutschland die erste Anti-Baby-Pille anbot. Ursprünglich wollte Bayer 6.000 Stellen der weltweit etwa 60.000 Stellen in den Gesundheitssparten abbauen. Die geplanten Einsparungen von jährlich 700 Mio. Euro ab 2009 würden erreicht, bekräftigte der Konzern.

Doppelt vorhandene Funktionen wie im Verwaltungsbereich, im IT-Bereich und in der Produktion können demnach zusammengelegt werden. Der Arbeitsplatzabbau und das Zusammenführen von Infrastrukturen sollen je etwa zur Hälfte zum Erreichen des Sparziels beitragen.

"Wir haben bereits zu Beginn der Integration gesagt, dass zur Erreichung der Synergieziele ein Abbau von Stellen unumgänglich sein wird", erklärte Bayer-Chef Werner Wenning. Der globale Stellenabbau werde "fair und ausgewogen" sein. Die Stellen in Deutschland würden "sozialverträglich" gestrichen. Mitte 2008 will Bayer auf betriebsbedingte Kündigungen in Berlin verzichten. Berlin bleibe Sitz der neuen Bayer Schering Pharma AG.

Insgesamt will Bayer in Europa 3.150 Stellen streichen, in den USA sind 1.000 Stellen betroffen. Dazu kommt der Abbau von 750 Arbeitsplätzen in der Region Asien, Pazifik und Japan sowie von 1.200 Positionen Lateinamerika und Kanada.

Die bisherige US-Zentrale der Bayer-Division Pharma in West Haven soll dem Plan zufolge geschlossen werden, die Aktivitäten werden in der ehemaligen Schering-Zentrale in Wayne, New Jersey, zusammengeführt. Darüber hinaus wird die französische Pharma-Organisation von Bayer in Paris an den Schering-Standort nach Lille verlegt. In Spanien wird eine neue Zentrale für alle Bayer-Aktivitäten in Barcelona aufgebaut. In Österreich beschäftigte Bayer Schering zuletzt zum Zeitpunkt der Fusion knapp 300 Mitarbeiter.

Vom geplanten Stellenabbau in Deutschland sind in der Unternehmenszentrale in Berlin noch rund 950 Positionen betroffen. Bereits im vergangenen Jahr war ein Abbau von 250 Stellen bei der deutschen Vertriebsgesellschaft in Berlin festgelegt worden. Am Standort Wuppertal sollen 160 Mitarbeiter weniger beschäftigt werden, in Jena bei der Tochter Jenapharm 140 Mitarbeiter.

Aus Protest gegen die Pläne wollen Beschäftigte am Schering-Stammsitz Berlin am Freitag im Anschluss an eine Betriebsversammlung demonstrieren. Der Betriebsrat kritisierte, das Ausmaß des Stellenabbaus liege "mehr als deutlich" über der Schmerzgrenze.
(APA/red)

2.3.2007 11:53