Freitag, 2. März 2007

FORMAT über Frank Stronachs Zwickmühle: Chrysler-Krise setzt nun Magna unter Druck

  • Kauft er Defizitbetrieb, vergrämt er Großkunden
  • Wenn nicht, drohen Konzern riesige Auftragsverluste

Bewegte Zeiten für Frank Stronach: Nachdem Tochter Belinda wegen ihrer Affäre mit dem verheirateten Eishockey-Profi Tie Domi im Vorjahr weltweit für private Schlagzeilen sorgte, gibt es für den Gründer des Kfz-Zulieferers Magna International nun geschäftliche Turbulenzen. Der jüngst angekündigte Plan des Automobilriesen DaimlerChrysler, sich von seiner schwer defizitären US-Tochter Chrysler ("Chrysler", "Jeep", "Dodge") zu trennen, sorgt auch in der Magna-Zentrale in Aurora, Kanada, für helle Aufregung.

"Wir haben einiges zu verlieren", sagt Magna-CEO Don Walker. Damit meint Stronachs Ex-Schwiegersohn die wirtschaftliche Abhängigkeit von Chrysler: Mit einem Volumen von rund zwei Milliarden Euro gehören die Amis zu den Hauptabnehmern von Magna.

Tatsächlich bringen die akuten Verkaufspläne - DaimlerChrysler hat die Investmentbank JP Morgan kürzlich mit der offiziellen Suche nach einem Käufer beauftragt - Stronach in eine prekäre Lage. Das Dilemma: Kauft er den maroden US-Betrieb, vergrämt er seine großen Auftraggeber, darunter BMW, General Motors (GM), Ford und Volkswagen, weil er plötzlich zum direkten Konkurrenten würde. Sollte ihm hingegen ein anderer Automobilproduzent zuvorkommen, wäre der Verlust von milliardenschweren Aufträgen vorprogrammiert.

Möglicherweise sind Magna-Jobs gefährdet
Ein Beispiel: Wenn die US-Wagenbauer GM oder Ford das Rennen machen, sind Magna-Jobs in Gefahr. "Die würden Aufträge abziehen und im eigenen Haus produzieren lassen", erklärt der deutsche Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer. Derzeit setzt Magna 39 Prozent des Gesamtumsatzes - rund 18,5 Milliarden Euro - mit Aufträgen von GM und Ford um.

Sollte hingegen Stronach zuschlagen, sieht die Situation auch nicht besser aus: "Ich weiß, wie Ferdinand Piëch funktioniert", sagt Dudenhöffer und schildert die Folgen eines Chrysler-Takeovers durch Magna: "Volkswagen würde alle Aufträge bei Magna streichen."

Stronach befindet sich in Zwickmühle
Fazit: Austrokanadier Stronach befindet sich in einer Zwickmühle und muss rasch handeln. Derzeit laufen Gespräche auf allen Ebenen: Verhandelt wird mit DaimlerChrysler-Oberboss Dieter Zetsche, Kanadas mächtigem Auto-Gewerkschafter Buzz Hargrove und finanzierenden Banken. Damit beauftragt sind drei Stronach-Berater, die auch im Magna Board of Directors sitzen: Klaus Mangold, Gerhard Randa und Franz Vranitzky. Während Ex-BA-CA-General Randa die Kapitalspritze organisieren soll, wird Exkanzler Vranitzky seine internationalen Kontakte auf Gewerkschaftsebene spielen lassen. Eine zentrale Rolle übernimmt dabei der in Magna-Kreisen ehrenvoll "the Consultant" genannte Mangold. Als ehemaliger Vorstandsdirektor von DaimlerChrysler verfügt er über einen direkten Draht in die Konzernzentrale in Stuttgart.

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2.3.2007 11:01