Donnerstag, 1. März 2007

Abgabenlast klar über OECD-Durchschnitt: Österreichern bleibt weniger vom Gehalt!

  • Belastungen in letzten Jahren deutlich angestiegen
  • Arbeitnehmer mit 52 von 100 €, OECD-Mittel: 62,5 €!

Die Belastungen der Arbeitseinkommen durch Steuern und Sozialbeiträge sind in Österreich in den vergangenen Jahren teils deutlich gestiegen. Vor allem für Singles und kinderlose Ehepaare liegen die Abzüge deutlich über dem OECD-Schnitt. Betrachtet man die gesamte Steuer- und Abgabenlast auf die Arbeitskosten, dann liegt die Abgabenquote in Österreich etwa 20 Prozent über dem OECD-Mittel.

So blieben 2006 bei einem zum Durchschnittslohn beschäftigten Single von 100 Euro, die dieser seinem Arbeitgeber kostet, nach Abzug von Steuer und Sozialbeiträgen (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) noch 51,9 Euro netto übrig, nach 52,7 Euro 2000. In der OECD sind nur in Belgien, Deutschland, Ungarn und Frankreich die Gesamtabzüge höher. Im OECD-Mittel blieben der gleichen Personengruppe bei 100 Euro Arbeitskosten 62,5 Euro netto in der Tasche, was einer Gesamtabgabenquote von 37,5 Prozent auf die Arbeitskosten entspricht.

Für Alleinstehende ohne Kinder liegen die Abzüge vom Bruttolohn um rund ein Viertel über dem OECD-Schnitt. Für Familien mit Kindern und Alleinerziehende ist der Abstand zum OECD-Mittel kleiner, dafür sind hier die Belastungen in den vergangenen Jahren weit stärker gestiegen. Für einen verheirateten Durchschnittsverdiener mit zwei Kindern (Partner arbeitet nicht) etwa stiegen die Abzüge vom Bruttolohn zwischen 2000 und 2006 um 3,5 Prozentpunkte auf 18,6 Prozent.

Für einen unverheirateten gut verdienenden Arbeitnehmer ohne Kinder stieg die Steuer- und Abgabenquote auf das Bruttoentgelt im gleichen Zeitraum dagegen nur um 1,4 Prozentpunkte auf 37,7 Prozent. Für Alleinerziehende mit zwei Kindern und nur zwei Drittel des Durchschnittsgehalts verdreifachte sich die Abgabenlast im gleichen Zeitraum von 1,8 auf 5,4 Prozent.

Molterer widerspricht OECD-Studie
Vizekanzler Wilhelm Molterer weist den Bericht der OECD zurück, wonach die Abgabenlast in Österreich trotz der Steuerreform gestiegen ist. Der Bericht entspreche nicht den Fakten, die Abgaben- und Steuerquote sei in den vergangenen Jahren gesunken, sagte Molterer. Man sei diesbezüglich auch schon in Gespräche mit der OECD getreten - die Organisation habe als Grundlage für ihre Berechnungen nämlich ein zu hohes Durchschnittseinkommen in Österreich angenommen, so der Finanzminister. (apa)

1.3.2007 15:31