Mittwoch, 28. Februar 2007

Finanz-Crash in Shanghai: Nachwehen der Talfahrt lasten weiter weltweit auf Börsen

  • Wiener Leitindex verlor über 5,5 Prozent in 2 Tagen
  • Schlimmster Einbruch an der Wall Street seit 9/11!

Die Nachwehen des Crashs an der Shanghaier Aktienbörse haben die Kurse an den europäischen Finanzmärkten am Mittwoch erneut auf Talfahrt geschickt. Die europäischen Aktien-Indizes büßten binnen zwei Tagen fast ihr gesamtes Plus seit Jahresbeginn ein. Der ATX ging am Mittwoch neuerlich mit fast einem Prozent Minus aus dem Handel, der DAX verlor 1,5 Prozent - und das, obwohl die Börsen in China fast die Hälfte ihrer Vortagsverluste wieder aufholen konnten und auch die US-Börsen wieder leicht nach oben zeigen.

Peking sorgte am Mittwoch für Schadensbegrenzung, indem es Gerüchte entkräftete, nach denen eine Steuer auf Kapitaleinnahmen aus Aktiengeschäften geplant sei. Die Börsen in China, die mit dem schwersten Kurssturz seit zehn Jahren die Krise ausgelöst hatten, legten am Mittwoch wieder deutlich zu. Die Indizes in Schanghai und Shenzhen schlossen knapp vier Prozent höher. Damit machten Chinas Aktienmärkte knapp die Hälfte der Rekordverluste von fast neun Prozent vom Vortag wieder wett.

Auch an der New Yorker Wall Street zeichnete sich im frühen Handel eine spürbare Erholung ab. Aussagen des US-Notenbankchefs Ben Bernanke zur Wirtschafts- und Börsenentwicklung wirkten sich nach dem Börsencrash vom Vortag beruhigend auf die amerikanischen Finanzmärkte aus. Bernanke erklärte vor dem Kongressausschuss nach der Talfahrt an den internationalen Börsen, dass die Finanzmärkte "gut und normal" zu arbeiten scheinen. Für den Kurssturz sah er "keinen Einzelauslöser". Außerdem hält er es für möglich, dass die US-Wirtschaft gegen Jahresmitte wieder stärker werden könnte.

Der Dow-Jones-Index stieg - trotz schwächer als erwarteter US-Konjunkturdaten zu Ende 2006 und anhaltender Krisenstimmung am Immobilienmarkt - in den ersten zwei Handelsstunden um 106,07 Punkte oder 0,87 Prozent auf 12 322,31 Punkte. Das bekannteste amerikanische Börsenbarometer war am Dienstag um 416,02 Zähler oder 3,29 Prozent eingebrochen. Das war größte Punktverlust seit den Terrorattacken vom 11. September 2001 gewesen.

Warnung vor Überreaktion
Börsianer sprachen von einer längst überfälligen Korrektur und warnten vor einer Überreaktion. Wiens Börse-Vorstandsdirektor Heinrich Schaller sieht keinen Grund zur Panik angesichts der am Dienstag und Mittwoch dieser Woche auch am heimischen Aktienmarkt stark eingebrochenen Kurse. Panik sei "unangebracht", die Kursabschläge in Wien würden ihn "überhaupt nicht beunruhigen", meinte Schaller am Mittwoch in der Mittags-ZiB.

Schaller bezeichnete es als "verständlich", dass alle Börsen weltweit darunter leiden, wenn es - wie am Dienstag - starke Kursabschläge an der Börse Shanghai gibt. Dies wird allgemein als eine Hauptursache für die anschließenden Aktienkursrückgänge weltweit gesehen. China sei eine der größten Volkswirtschaften der Welt, in der bereits sehr viele internationale Investoren drinnen seien, so Schaller.

Auch müsse man bedenken, dass die Börsen weltweit in den vergangenen Monaten stark zugelegt hätten, relativierte Schaller die jüngsten Rückschläge. Der Rückgang in Wien beunruhige ihn überhaupt nicht. Im Vorjahr zum Beispiel habe der ATX im Mai und Juni 20 bis 25 Prozent verloren, sich aber dann im Laufe des Jahres wieder "völlig erholt". "Ich glaube, dass sich das in den nächsten Wochen und Monaten wieder auflösen wird."

ATX um 5,5 Prozent gefallen
Der ATX fiel in den beiden vergangenen Handelstagen um insgesamt über 5,5 Prozent. Hatte er am Dienstag um 4,92 Prozent nachgegeben, waren es am Mittwoch bei 4.335,48 Punkten minus 0,85 Prozent. Auch der deutsche Aktienmarkt gab am Mittwoch nach den deutlichen Kursverlusten des Vortags weiter nach. Im Schlepptau sich erholender US-Börsen konnten sich die wichtigsten Indizes in Frankfurt aber von ihren Tagestiefs entfernen. Der DAX verlor bis Handelsende 1,53 Prozent auf 6.715,44 Zähler - im frühen Handel war er bis auf 6.640,99 Punkte gefallen. Am Dienstag hatte der DAX 2,96 Prozent verloren.

In Tokio gab der 225 Werte umfassende Nikkei-Index ebenfalls neuerlich 2,85 Prozent auf 17.604 Punkte nach. Der Hongkonger Hang-Seng-Index sank um 2,5 Prozent auf 19.652 Zähler nach. Auch die meisten anderen asiatischen Aktienmärkte - bis auf Taiwan - verzeichneten herbe Verluste. So verloren Südkorea und Malaysia rund 2,5 und der philippinische Markt sogar acht Prozent. In Australien sank der S&P/ASX 200-Index 2,7 Prozent auf 5.833 Punkte.

Die heftigen Kursverluste hätten keine lang anhaltende Abwärtsphase der Aktienmärkte eingeläutet, sagten Händler. "Das gestern waren Gewinnmitnahmen, kein grundlegender Stimmungsumschwung", sagte Stephen Green, Volkswirt bei Standard Chartered Bank. "Das Geschehen hat nach Meinung einiger darauf hingedeutet, dass die chinesischen und weltweiten Aktienmärkte nun grundlegend voneinander abhängig sind, doch das heutige Geschehen widerspricht dieser Theorie."

(APA/red)

28.2.2007 19:15