Unrühmliches Ende: 1860 München und Schachner gehen ab sofort getrennte Wege!
- Österreichischer Coach wirft vorzeitig das Handtuch
- Amateure-Trainer Kurz tritt Nachfolge sofort an
Eine Telefonkonferenz hat das Ende der Trainer-Ära Walter Schachner beim deutschen Fußball-Zweitligisten 1860 München besiegelt. Sportdirektor Stefan Reuter, Schachner und sein Berater Frank Schreier zogen die Konsequenzen aus dem anhaltenden Negativtrend des bayrischen Traditionsklubs und beendeten das Vertragsverhältnis mit sofortiger Wirkung und in beiderseitigem Einvernehmen.
Zum Nachfolger des 50-jährigen Steirers, der sein Amt am 24. Jänner 2006, zwei Wochen nach seiner Beurlaubung beim GAK, angetreten hatte, wurde der bisherige 1860-Amateure-Trainer Marco Kurz erkoren. Schachners Vertrag hatte ursprünglich eine Laufzeit bis zum Sommer 2008 und wurde erst am vergangenen Wochenende, ebenfalls in beiderseitigem Einvernehmen, um ein Jahr verkürzt. Nun erfolgte also die vorzeitige Auflösung dieses neu befristeten Vertrages.
Laut Schreier waren sich beide Parteien einig, dass die zuletzt schwer enttäuschende Mannschaft einen neuen Impuls benötigt. "Walter wird jetzt zunächst einmal Urlaub machen und ist danach für jede interessante Aufgabe offen", verlautbarte der Manager von Schachner.
Die Trennung hatte sich spätestens nach der blamablen 0:3-Heimniederlage der "Löwen" im prestigeträchtigen Derby gegen Aufsteiger FC Augsburg abgezeichnet. In bisher acht Partien der Rückrunde verbuchten Schachner und seine Truppe magere zwei Siege. Die mit Aufstiegsambitionen in die Saison gestarteten "Sechziger" finden sich abgeschlagen auf dem neunten Tabellenplatz und damit im Niemandsland der 2. Bundesliga.
"Ich muss mich echt schämen für die Leistung meiner Mannschaft", hatte der in München von Beginn an glücklose Schachner nach der Derby-Pleite erklärt und zugegeben: "So kann das nicht weiter gehen." Gemeinsam mit dem ehemaligen GAK-Meistermacher beendet auch Tormanntrainer Peter Zajicek seine Arbeit in München. Der langjährige Weggefährte von Schachner wechselt mit sofortiger Wirkung zum SK Rapid Wien, wo er ursprünglich erst ab der kommenden Saison hätte arbeiten sollen. Günther Gorenzel-Simonitsch bleibt Assistenztrainer bei 1860.
Der ehemalige Goalgetter Schachner, dessen Trainerkarriere bisher die Stationen Zeltweg (Jänner 1999 - Mai 2000), FC Kärnten (Mai 2000 - Mai 2002), Austria (Juni 2002 - Oktober 2002) und GAK (Oktober 2002 - Jänner 2006) aufweist, nahm als achter Trainer in der laufenden Saison der 2. deutschen Bundesliga vorzeitig den Hut.
"Ein Jahr München wie fünf Jahre Österreich"
Schachner nahm in der Premiere-Sendung "Talk und Tore" zu seinem vorzeitigen Abschied Stellung. Warum der Erfolg dem Steirer bei den "Löwen" nicht vergönnt war, dafür hatte Schachner noch keine echte Erklärung: "Ich bin noch nicht draufgekommen. Vielleicht bin ich mit meinem Trainerteam und dem strukturierten Training nicht bei der Mannschaft angekommen."
Eine weitere mögliche Erklärung des 50-Jährigen lautete: "Vielleicht wird man als kleiner Österreicher in Deutschland nicht so akzeptiert." Dennoch sei München, wo er ab 24. Jänner 2006 für 1860 gearbeitet hatte, eine "sehr, sehr große und positive Erfahrung" gewesen. "Ein Jahr München ist wie fünf Jahre Österreich. Der mediale Aufwand ist extrem, bei jedem Training sind fünf Tageszeitungen und zwei TV-Stationen vertreten. Und wenn es dann nicht läuft, geht das auf die Psyche. Paul Breitner hat einmal zu mir gesagt: 'Wenn du es in München schaffst, dann schaffst du es überall.'"
Nun wird sich Schachner erst einmal zurücklehnen, Berater Frank Schreier wird die eingehenden Angebote prüfen und weiterleiten. "Ich mache drei Monate Urlaub, den brauche ich", betonte der ehemalige GAK-, FC-Kärnten- und Austria-Trainer, für den eine Rückkehr nach Österreich "immer ein Thema" ist. "Denn ich bin ein echter Patriot."
Im Vergleich mit der zweiten deutschen Liga stehe die österreichische T-Mobile-Bundesliga keinesfalls schlecht da. "Am Freitag gegen Augsburg waren 70.000 Zuschauer im Stadion. Da glaubst du, das ist Champions League. Aber wenn man sich die Qualität und die Fehlpässe ansieht, dann ist eine Partie Pasching - Tirol sicher nicht schlechter. Der mediale Rummel kaschiert sehr viel. Ich will die zweite deutsche Liga nicht schlecht machen, aber es wird wenig Fußball gespielt und viel auf Kampf gesetzt."
(apa/red)
Syrien-Krise18:14
Obama ein Feigling?Wegschauen oder eingreifen? US-Präsident schweigt zum Massaker von Houla
Nachbeben in Italien20:01
Mehrere TodesopferErneut große Schäden und Tote nach schweren Erdstößen in Norditalien
