Mittwoch, 28. Februar 2007

Bundesliga steht zu Lizenzvergabe an GAK: Kritik an lauwarmer Verfahrensweise wächst

  • Liga-Vorstand kündigt schärfere Überprüfungen an
  • GAK-Pleite: Pangl will mehr Transparenz der Klubs
    Spielergewerkschaft für unabhängige Kontrollinstanz

Die Bundesliga muss sich nach dem bevorstehenden Zwangsausgleich des GAK ein weiteres Mal mit Kritik am Lizenzierungsverfahren auseinander setzen. Vorstand Georg Pangl, der das Verfahren erst vor kurzem verteidigt hatte, bemühte sich ein weiteres Mal, Licht ins Dunkel zu bringen. Der Burgenländer kündigte "schärfere Überprüfungen" an und forderte von den Klubs mehr Transparenz ein.

"Als dem GAK im Vorjahr die Lizenz in erster Instanz verweigert wurde, ging ein großer Aufschrei durch das Land - da war von Weicheiern & Co die Rede", erinnerte sich Pangl, "In zweiter Instanz (Protestkomitee, Anm.) schienen die Unterlagen nach eingehender Überprüfung schlüssig."

Klar wäre gewesen, dass die Grazer Finanzen durch Altlasten belastet wären, die entsprechenden Vorgaben des Verfahrens seien jedoch entsprechend erfüllt worden. Bei einer Lizenzverweigerung wäre der GAK vor das Ständige Neutrale Schiedsgericht gezogen, hätte die Spielgenehmigung auf diesem Weg aller Voraussicht nach erteilt bekommen.

Ausstieg von IMG machte Eskalation perfekt
Entscheidender Impuls für die GAK-Pleite ist aus heutiger Sicht der Ausstieg der Vermarktungsagentur IMG. Laut Pangl ("Eine positive Lizenz ist keine Garantie, dass das Jahr ohne Probleme absolviert wird.") ein Szenario, das sich so nicht abgezeichnet hätte. Auch die Haftungserklärung der steirischen Landesregierung hätte für die Liquidität des Meisters 2004 gesprochen.

Der Kritikpunkt, dass Lizenzen nur auf Grund eines momentanen Zeitpunkts vergeben werden, sei aus der Luft gegriffen. Das Verfahren beinhalte u.a. monatliche Liquiditätsprüfungen, die von Wirtschaftstreuhändern durchgeführt werden. "Da sind Experten am Werk und keine Hausmeister", so Pangl sarkastisch.

Schärfere Maßnahmen für Lizenzvergabe angekündigt
Im Fall des GAK könnte von Seiten der Bundesliga zum jetzigen Zeitpunkt keine Prognose abgegeben werden. "Präsident Sticher ist ein Kämpfer, der ein großes Problem mit Altlasten hat. Ich erwarte, dass der Klub die Unterlagen bis 15. März einreicht. Unsere Experten werden danach sehen, wie die Fakten sind und dementsprechend handeln", meinte Pangl, der schärfere Maßnahmen für die Lizenzvergabe ankündigte.

Durch einen Grundsatzbeschluss der Klub-Präsidenten wäre bereits Ende Jänner eine Verschärfung des Lizenzierungsverfahrens beschlossen worden, welche eine gesteigerte Transparenz sichern soll. Dies wäre eine Chance für die Liga, "sich neu zu orientieren"

Aktionen Marke "Gläserner Verein" - Wacker Tirol, Mattersburg, Ried sowie die Wiener Klubs Austria und Rapid legten ihre Budgets offen - wären zwar lobenswert, können von der Liga aber nicht verpflichtend eingefordert werden.

Spielergewerkschaft für unabhängige Kontrollinstanz
Die Fußballer-Gewerkschaft VdF hat nach dem Zwangskonkurs des GAK eine unabhängige Kontrollinstanz eingefordert. "Die Bundesliga kontrolliert sich quasi selbst und ist nicht in der Lage, ein Lizenzierungsverfahren zu schaffen, das die Wurzel des Übels erfasst", kritisierte Geschäftsführer Rudolf Novotny, der zu einem "radikalen Umdenken" aufrief.

Die Klubs wären laut Novotny zu sehr in die Eigenverantwortung entlassen worden, Prüfungen der Bilanzen durch eigene Wirtschaftsprüfer hätten die Probleme nur noch verstärkt. Der Bundesliga-Aufsichtsrat soll sich deshalb aus unabhängigen Personen zusammensetzen, die keine Doppelfunktionen ausüben. Die betroffenen Vereine würden derzeit kaum kontrolliert werden, was dazu beiträgt, "sich in finanzielle Abenteuer zu stürzen".

Die VdF bemängelte auch, dass die Spieler von der Bundesliga nur unzureichend in den Prozess des Lizenzierungsverfahrens eingebunden werden. Kritik übte die Gewerkschaft auch am ÖFB, an dem "im Zuge der EURO-Vision die wahren Probleme des Fußball-Alltags vorüber gehen".

(apa/red)

28.2.2007 16:50