Donnerstag, 1. März 2007

Das letzte WM-Rennen des Felix Gottwald: Medaillenhamster will an Edelmetall nagen

  • Olympiasieger peilt im Einzelbewerb 15. Medaille an
  • Potenzial für erfolgreiche Nachfolger ist vorhanden

Nach vier Olympischen Spielen und sechs Weltmeisterschaften, bei denen seine Kombinationsgabe mit insgesamt 14 Stück Edelmetall belohnt wurde, ist für Felix Gottwald am Samstag in Sapporo Schluss. Der 31-jährige Salzburger absolviert im Einzelbewerb der Nordischen WM seine letzte Konkurrenz bei einem Großereignis, ehe er seine Karriere am 18. März am Holmenkollen bei Oslo endgültig abschließen wird.

Ob Karriere-Finale oder nicht, Österreichs zweiterfolgreichster Olympia-Teilnehmer (2-1-3) nach Toni Sailer beschäftigt sich nicht mit Statistik oder Sentimentalitäten. Gottwald weiß, was er will und wozu er im Stande ist. "Ich habe noch was vor", erklärte der Ex-Weltcupsieger. Die zwei Enttäuschungen im Sprint (5.) und mit dem Team (4.) hat er weggesteckt. "Man muss mit vermeintlichen Niederlagen umgehen können", meinte Gottwald. "Ich bin optimal vorbereitet, die Chance auf eine Medaille ist nach wie vor intakt."

Die WM in Sapporo habe bisher gezeigt, dass der Gewinn von Edelmetall nicht selbstverständlich sei, sagte der HSZ-Angehörige vom SK Saalfelden, dem ein Einzel-WM-Titel in der Sammlung fehlt. Doch sollte es nicht klappen, würde das an der Zufriedenheit des Felix Gottwald nichts ändern. Er ist mit Leib und Seele Kombinierer und weiß, was er dem Sport zu verdanken hat. "Es war ein irrsinnig schöner Lebensabschnitt, aber das ist nicht alles. Es ist Zeit, etwas anderes zu tun", meinte der Wahl-Ramsauer, der mit Partnerin Alexandra im WM-Ort von 1999 einen Hausbau plant.

Sport als perfekte Lebensschule
In Ramsau hatte er ein seine Laufbahn prägendes Erlebnis gehabt. "Der vermeintliche Tiefpunkt war der Start für Highlights", erinnert sich Gottwald an seinen Zusammenbruch nach dem Lauf des WM-Teambewerbs 1999 (7.). "Da bin ich im Sauerstoffzelt aufgewacht." Doch bald danach gelang der erste Weltcupsieg (Kuopio am 2.12.2000), zahlreiche Medaillen folgten.

Dass die nicht selbstverständlich seien, habe der bisherige Verlauf in Sapporo gezeigt. Turin war für den Zeller mit zweimal Gold und einmal Silber der absolute Höhepunkt. Den zu toppen, war in der letzten Saison unmöglich, wie Gottwald selbst zugab.

Nach Ansicht des Hobby-Golfers ist der Sport die perfekte Lebensschule. "Das kann man 1:1 umsetzen auf den späteren Beruf." In welche Richtung es bei ihm selbst gehen wird, weiß Gottwald aber noch nicht. Zunächst engagiert er sich bis Juli als Botschafter der Salzburger Olympia-Kandidatur ("Das ist mir ein Herzensanliegen"), danach will er sich "Zeit zum Durchschnaufen" nehmen. "Irgendwann kommt der Punkt, wo ich mir eine neue Herausforderung suchen werde. Ich will auch in einem anderen Bereich etwas bewegen."

Potenzial für Nachfolger ist vorhanden
Die Aussage auf die Frage, was ihm nach dem Karriereende fehlen wird, gibt Einblick die Persönlichkeit Gottwalds. "Das Rampenlicht werde ich am allerwenigsten vermissen. Vielleicht schon eher das harte Training, das Kribbeln am Start, das Schinden im Wettkampf."

Um die Nordische Kombination in Österreich brauche einem künftig nicht bang zu sein. "Die Leistungen der zweiten Gruppe stimmen mich optimistisch, das Potenzial ist da", sagt die scheidende Nummer eins. Christoph Bieler, Mario Stecher, Michael Gruber und David Kreiner bleiben, um dem Nachwuchs den Weg zu zeigen.

(apa/red)

1.3.2007 12:27