Mittwoch, 7. März 2007

Opfer für den Klimaschutz: Politiker wollen, dass die Deutschen daheim Urlaub machen!

  • D: Mahnung zum Nachdenken über Reiseverhalten
  • Bevölkerung zu deutlichen Einschränkungen bereit

Deutsche Politiker verlangen von der Bevölkerung persönliche Opfer für den Klimaschutz. Sie appellierten an die Bürger der Bundesrepublik, auf Urlaub im Ausland sowie Flüge zu verzichten oder andernfalls eine C02-Abgabe als Ausgleich zu zahlen. Die Befürworter der Idee, unter ihnen Umweltminister Sigmar Gabriel, setzen auf Freiwilligkeit: Die Klimaschutz-Abgabe soll nicht zum Zwang werden. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee plant eine Ökoplakette für Autos, die den Energieverbrauch anzeigt.

Nach Vorstellungen Gabriels sollen die Einnahmen aus der freiwilligen Abgabe für Flugreisen in Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern fließen. "Flüge lassen sich nicht immer vermeiden. Aber jeder kann etwas dazu beitragen, sie klimafreundlicher zu gestalten", sagte der SPD-Politiker der "Berliner Zeitung". Gabriel sprach sich erneut dafür aus, Fluglinien in den Emissionshandel einzubinden.

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast empfahl in der ARD Urlaub in Deutschland. "Und wenn es nicht anders geht, bei Atmosfair einzahlen und den C02-Ausstoß ausgleichen." Auch Gabriel riet zu einer Kompensation über das Internetportal www.atmosfair.de. Dort kann sich jeder die Klimabilanz eines Fluges errechnen lassen und danach einen freiwilligen Betrag entrichten. Die deutschen Grünen plädieren für eine europaweite Steuer auf Flugbenzin. "Fliegen zum Taxipreis geht doch nur, weil die Fluglinien keine Steuer auf den Treibstoff zahlen, während die umweltfreundliche Bahn dies tut", sagte Künast.

Deutsche sollen zu Hause bleiben
"Sylt statt Seychellen: Wer etwas für den Klimaschutz tun will, sollte Flugreisen vermeiden und in Deutschland Urlaub machen", mahnte auch der Tourismusexperte des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Manfred Stock. Auch der Präsident des deutschen Umweltbundesamtes, Andreas Troge riet, im Interesse des Klimaschutzes über Reisegewohnheiten nachzudenken. "Wer mit dem Flugzeug nach Südostasien reist, sollte wissen, dass dabei mehr als sechs Tonnen Kohlendioxid pro Kopf entstehen." Eine Zugfahrt von Berlin an die Ostsee und zurück verursache 35 Kilogramm Kohlendioxid (CO2).

Die bayerische CSU will per Gesetz die Deutschen dazu zwingen, klimafreundliche Autos zu fahren. Ab 2020 sollten nur noch Wagen mit umweltschonendem Antrieb zugelassen werden, sagte Generalsekretär Markus Söder dem Hamburger Magazin "Der Spiegel". Von diesem Zeitpunkt an müssten herkömmliche Verbrennungsmotoren durch Wasserstoff- und Hybridtechnik abgelöst werden. Die Autoindustrie lege beim Thema Umweltschutz nicht genügend Erfindergeist an den Tag.

Auch Verkehrsminister Tiefensee (SPD) klagte über das Verhalten der Produzenten. Er sagte der "Welt am Sonntag", die Kunden wollten umweltbewusst und mobil sein. "Ich kann noch nicht erkennen, dass die Autohersteller diesen Mentalitätswechsel in seiner vollen Bedeutung erkannt haben." Neuwagenkäufer müssten besser als bisher erkennen können, wie hoch der CO2-Austoß eines Fahrzeuges sei. Er werde bald ein Konzept dazu vorlegen.

Bevölkerung zu Einschränkungen bereit
Angesichts des Klimawandels ist eine Mehrheit der Deutschen bereit, auch unpopuläre Maßnahmen wie ein Tempolimit zu akzeptieren. Bei einer Umfrage der "Leipziger Volkszeitung" erklärten 58 Prozent, sie würden eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 130 Stundenkilometer begrüßen. 91 Prozent fordern die Autoindustrie auf, Fahrzeuge mit geringeren Abgaswerten zu produzieren.

Drei Viertel sind dem Vorausbericht zufolge dafür, mit Steuermitteln die Fahrpreise in öffentlichen Verkehrsmitteln zu senken, um noch mehr Bürger zu bewegen, das eigene Auto stehen zu lassen. Von einem hohen Benzinpreis von fünf Euro pro Liter zur Steuerung umweltbewussteren Verhaltens halten die Deutschen dagegen nichts: Nur sechs Prozent wären dafür. Fast 90 Prozent der Bürger wollen aber mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und zu Hause Strom sparen. Zwei von drei Befragten (68 Prozent) würden lieber einmal Strickjacke oder Pullover anziehen und dafür weniger heizen, darunter mehr West- (69 Prozent) als Ostdeutsche (63 Prozent).

(apa/red)

7.3.2007 10:12