Donnerstag, 1. März 2007

Nach Geiselnahme in Bawag-Filiale: Opfer leiden teilweise unter Schlafstörungen

  • "Mulmiges Gefühl" beim Betreten des Bankgebäudes
  • Bawag kritisiert riskantes Verhalten einiger Medien

Die Nachwirkungen der Geiselnahme in einer Wiener Bank dürften den Opfern zu schaffen machen. Zwei Tage nachdem unter anderem sechs BAWAG-Mitarbeiter für fünf Stunden in die Gewalt des 39-jährigen Günter B. geraten waren, leiden manche an Schlafstörungen. Einige der Betroffenen beschreiben ihre derzeitige Gefühlslage als "nicht gut", so das Geldinstitut in einer Aussendung.

Bei ihrer ersten Rückkehr in die Filiale auf der Mariahilfer Straße 22 zu einer Besprechung am Donnerstagvormittag seien sie "schon nervös" gewesen und hätten ein "mulmiges Gefühl" gehabt. Alle haben die Stunden der Geiselnahme als "äußert gefährlich empfunden und in manchen Minuten um ihr Leben gefürchtet", hieß es. Der Täter habe Stimmungsschwankungen gehabt und sei unberechenbar gewesen. Die Mitarbeiten hätten sich in dieser "äußerst gefährlichen Situation bewundernswert verhalten" und letztlich zu einem unblutigen Ende der Geiselnahme beigetragen, so BAWAG-Generaldirektor Ewald Nowotny.

"Fassungslos und verärgert" zeigten sich die Geiseln über den Anruf eines "Österreich"-Journalisten während der Geiselnahme in der Bank: "Der Geiselnehmer hat sich davon provoziert gefühlt und dementsprechend aggressiv darauf reagiert. Das war eine sehr gefährliche Situation für uns. Da haben wir wirklich um unser Leben gefürchtet", so die Opfer in der Aussendung.

Scharf verurteilt wurde auch von der Bank das Verhalten einiger Medien, das "zu einer Eskalation einer für die Mitarbeiter äußerst gefährlichen Situation geführt" habe - allen voran der Anruf aber auch die Live-Übertragung der Geiselnahme des Wiener Stadtsenders "Puls TV", sagte der Banksprecher Thomas Heimhofer. Als völlig unverständlich bezeichnete das Geldinstitut auch aufdringliche Versuche, Interviews mit den Betroffenen zu ergattern. Die Bank appellierte an Journalisten, keinen Kontakt mehr zu den Geiseln aufzunehmen.

Die betroffenen Mitarbeiter bleiben weiterhin vom Dienst freigestellt. In der BAWAG-Filiale hat eine Ersatzmannschaft vorübergehend die Arbeit übernommen. (apa/red)

1.3.2007 16:45