Freitag, 2. März 2007

Winterlehrgang für 4-beinige Schutzengel: Rettungshunde üben das 'reiten' am Skidoo

  • Tiere suchen in Steiermark zur Übung Verschüttete
  • Auch die 'Zweibeiner' haben noch einiges zu lernen

Es "wuselt" dieser Tage auf der Seetaler Alpe - überall Hunde mit Frauchen und Herrchen, letztere in roten Uniformen: Die Österreichische Rettungshundebrigade (ÖRHB) absolviert hier ihren Winterlehrgang im Bereich der Winterleitenhütte. Aus der Steiermark sind 72 Mitglieder mit ihren Vierbeinern dabei, wenn es heißt: Verschüttete suchen, Spurengehen üben oder zusammen auf einem Skidoo über die schneebedeckte Landschaft zu brettern.

Insgesamt sieben Stationen haben die ehrenamtlichen Hundeführer und ihre Vierbeiner zu absolvieren. Bei der ersten Station zeigen noch sehr junge Hunde, was sie können - wie der achteinhalb Monate alte Bordercollie Tim und "sein Zweibeiner" Wolfgang Huber. Triebarbeit soll geleistet werden: Ein so genannter "Helfer" - in dem Fall eine Kollegin - versteckt sich am Rande des Waldes, während Tim bei Fuß steht und wartet. Dann startet er auf Kommando los, hat den Helfer rasch gefunden und gibt Laut.

Hunde werden bestochen
Im Prinzip hat er aber nicht nach der blonden Frau gesucht, sondern nach dem, was sie in der Hand hält: Sein Lieblingsspielzeug. "Wir bestechen die Hunde mit dem, was sie lieben", erklärt Thomas Mlakar, Bundespressereferent der ÖRHB. Der Vierbeiner werde mit Trieb aufgebaut, der Großteil mit Spielzeugen ausgebildet - "nur, wenn der Vierbeiner nicht spielen will, dann mit Futter", so ÖRHB-Präsident Helmuth Gruber. Der Hund müsse Freude und Lust dabei verspüren.

Unterordnungsübungen, Schneekunde und das Gehen mit Tourenski bzw. Schneeschuhen stehen weiters auf dem Programm. Bei der Station - "Gewandtheit und Transport mit Schneefahrzeugen" muss der Hund lernen, auf akustische und visuelle Signale seines Besitzers zu hören: Ruft und zeigt Herrchen nach rechts, muss auch der "Wauzi" in diese Richtung laufen - was er bei der Übung gerne macht, denn zur Belohnung wartet ein Leckerchen.

Auch am Skidoo mitfahren ist für die Hunde kein Problem - nur einem jungen Vierbeiner ist die holprige Sache nicht ganz geheuer und er springt während seiner Jungfernfahrt ab, steigt aber einen Hügel weiter brav wieder auf und will zum Schluss gar nicht mehr vom Fahrzeug. Und ein Rottweiler verleiht seiner Entrüstung laut winselnd Ausdruck, dass sein Frauchen eine Runde ohne ihn dreht.

Helfer lassen sich freiwillig von Lawine verschütten
Bei den Stationen Lawinensuche 1 und 2 lassen sich Helfer freiwillig von Schneemassen verschütten und warten in einer Schneehöhle darauf, von ihren Tieren gerettet zu werden. "Dem Hund muss man zuerst langsam das Vertrauen geben und ihm beibringen, dass nichts passiert, wenn er in so eine Höhle geht", erklärt Gruber.

Trainiert werde auch hier mit Spielzeug, so Bundesausbildungsreferent Hermann Truschnig. Bei etwa 90 Prozent nimmt ein Helfer ein solches mit in die Höhle, bei etwa zehn Prozent nicht - der Vierbeiner gräbt die Person aus in der Hoffnung, auch sein geliebtes Spielzeug zu bekommen. "Die Hunde sind so von ihrem Spielzeug motiviert, dass sie es von der gesuchten Person fordern - auch, wenn diese in Wirklichkeit leider schon tot ist", meint Gruber.

Zweibeiner üben Suche mit Gerät
Nur etwas für die Zweibeiner ist die Station "Piepssuche und Sondieren". Die Arbeit mit dem Suchgerät muss ebenso geübt werden wie das Erkennen des Unterschieds, mit einer dünnen Stange auf einen von Schneemassen begrabenen Menschen zu stoßen oder nur ins "weiße Nichts". Am Wochenende werden die Teilnehmer übrigens hoch in der Luft hängen, wenn zwei Heeres-Hubschrauber einschweben und die Vier- und Zweibeiner zur Übung am Seil baumeln lassen.

(apa/red)

2.3.2007 14:36