Entführung vor neun Jahren: Am 2. März 1998 wurde Natascha Kampusch gekidnappt
- Flucht nach achteinhalb Jahren in Gefangenschaft
- Enormes mediales Interesse auf der ganzen Welt

Die Entführung von Natascha Kampusch, die vor rund sechs Monaten aus der Gefangenschaft im niederösterreichischen Strasshof flüchten konnte, jährt sich zum neunten Mal. Wolfgang Priklopil kidnappte das damals zehn Jahre alte Mädchen am 2. März 1998 auf dem Weg zu ihrer Volksschule in Wien-Donaustadt.
"Den Tag meiner Entführung werde ich - so wie den Tag meiner Flucht - mein Leben lang nicht vergessen", erklärt Natascha Kampusch. Den 2. März wolle sie aber in diesem Jahr "möglichst so wie jeden anderen Tag" verbringen, berichtete die 19-Jährige in einer Aussendung. Der Wunsch nach einer "Normalisierung meines Lebens" steht derzeit im Vordergrund, hieß es darin.
"Wenn ich etwas mache, was für andere 19-jährige ganz selbstverständlich ist, muss das nicht gleich in der Zeitung stehen", meinte Natascha Kampusch. Anlässlich des Jahrestags ihrer Entführung, aus der sie sich im August 2006 befreien konnte, wolle sie sich für die breite Unterstützung seit ihrer Flucht bedanken. "Ich bin unendlich dankbar für die Hilfe und Anteilnahme (...)", meinte die 19-Jährige. Sie bedauere, dass sie viele Briefe bisher nicht beantworten habe können. "Obwohl ich mich sehr darum bemühe, ist es nahezu unmöglich, mich bei jedem Einzeln persönlich zu bedanken", erklärte sie.
Über acht Jahre in Gefangenschaft
Knapp achteinhalb Jahre verbrachte Natascha Kampusch in der Gefangenschaft ihres Entführers, der sich unmittelbar nach ihrer Flucht das Leben nahm. Priklopil sperrte die damals Zehnjährige in ein verstecktes Verlies unter der Garage seines Hauses. Im Laufe der Zeit durfte sie sich auch mit ihm gemeinsam im Haus aufhalten und ihn bei kleinen Ausflügen begleiten. Am 23. August 2006 gelang der jungen Frau in einem unbeobachteten Moment die Flucht. Diese Vorfälle lösten ein in Österreich kaum je zuvor da gewesenes mediales Interesse aus, das Schicksal von Natascha Kampusch interessierte und bewegte die ganze Welt.
Verschwunden am Schulweg
Am 2. März 1998, einem Montag, verschwand in Wien ein zehnjähriges Mädchen spurlos. Natascha Kampusch hatte sich in der Früh auf den Weg zur Volksschule gemacht und ist dort nie angekommen. Trotz intensiver Suche in ganz Österreich und in Ungarn und fand sich von der kleinen Brillenträgerin keine Spur.
Vergebliche Arbeit der Kriminalisten
Eine Zwölfjährige wollte beobachtet haben, dass das Mädchen auf dem Weg zur Schule vom Rennbahnweg in der Donaustadt zur Brioschigasse in einen weißen Kleinbus gezerrt wurde. Dafür gibt es sonst offenbar keine Zeugen, obwohl die Strecke zu diesem Zeitpunkt sehr belebt war. Die Polizei überprüfte erfolglos mehr als 700 Kleinbusse in ganz Österreich. Taucher durchsuchten Schotterteiche, Kriminalisten gingen tausenden Hinweisen nach, von Hubschraubern aus wurde mit Wärmebildkameras nach dem vermutlich meist gesuchten Kind Österreichs geforscht.
Ermittlungen auch in Ungarn
Da Natascha ihren Reisepass bei sich hatte und mit ihrem Vater öfters zu Besuch bei Bekannten in Ungarn gewesen war, wurden die Ermittlungen auch in dieses Land ausgedehnt. Öffentlichkeit und Exekutive standen damals noch unter dem Eindruck des knapp zwei Jahren zuvor aufgeflogenen Dutroux-Skandals in Belgien. Befürchtet wurde deshalb, dass die Zehnjährige von einem Kinderschänder entführt worden sein könnte. Nachdem der Fall Thema der Fernseh-Sendung "Aktenzeichen XY - Ungelöst" war, ging ein Hinweis ein, wonach sich das Kind in Ungarn befinde. Die Überprüfung ergab aber, dass es sich nicht um Natascha handelte.
Politiker verurteilt
Der Fall Natascha hat 2001 sogar einem oststeirische Politiker eine Verurteilung eingebracht. Martin Wabl - kurzzeitig Präsidentschaftskandidat - hatte nach Eigenrecherchen seine Version der Tat kundgetan, in der er die Mutter Nataschas mit deren Verschwinden in Zusammenhang brachte. Die Frau klagte auf Widerruf und Unterlassung, Wabl wurde in erster Instanz verurteilt.
Tat blieb im Gedächtnis der Öffentlichkeit
Obwohl eine "heiße Spur" seit langem fehlte, ist der Fall nie ganz aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit verschwunden. Erst im März 2006 brachte Martin Wabl einen Antrag an die Wiener Staatsanwaltschaft ein, in dem erneut die Grabung bei einem Teich in Niederösterreich gefordert wurde, wo er und der Detektiv Walter Pöchhacker die Leiche des Mädchens vermuteten. Im Jahr 2004 hatte das Bundeskriminalamt auf dem Amtshilfeweg sogar überprüfen lassen, ob es beim Verschwinden Nataschas einen Zusammenhang mit den Taten des Serienmörders Michel Fourniret gibt, der gestanden hat, in Belgien und Frankreich neun Frauen- bzw. Mädchenmorde begangen zu haben.
(apa/red)
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