Mittwoch, 28. Februar 2007

Immer langsam mit der Elite-Universität:
Harari warnt vor überzogenen Erwartungen

  • Baubeginn in Maria Gugging frühestens im Herbst!
  • Die Suche nach Wissenschaftern hat oberste Priorität

"Es wird nicht schnell gehen" - Mit diesen Worten warnte der Leiter des sechsköpfigen Executive Committee des Institute of Science and Technology (ISTA), Haim Harari, vor überzogenen Erwartungen an das Projekt. Baubeginn für neue Gebäude in Maria Gugging (NÖ) werde frühestens im Herbst, erste Gebäude vermutlich erst im April 2008 fertig sein. Praktisch fix ist außerdem, dass das Projekt weiter den Namen Institute of Science and Technology Austria tragen wird - die Abkürzung will man aber auf IST-Austria ändern, da es bereits zu viele andere ISTA gibt.

Harari warb bei einem von der Industriellenvereinigung organisierten Abendessen für Geduld. Es werde mindestens fünf Jahre dauern, bis ein wissenschaftlicher Impact zu sehen ist, und mindestens zehn Jahre bis zur Weltspitze. "Erwarten Sie nicht, dass in der nächsten Woche ein Nobelpreis da ist und in der übernächsten 10.000 Jobs in Niederösterreich entstehen." Es gebe großen Druck, bald Resultate vorzuweisen, meinte Harari. Diesem müsse man aber widerstehen, ansonsten bestehe die Gefahr des Scheiterns. "Wenn wir gezwungen werden, schnell Leute einzustellen, kriegen wir nur Mittelmaß."

In 15 Jahren erhofft sich Harari 600 bis 1.000 Angestellte am ISTA, 40 Wissenschafter-Gruppen sollen forschen. Betrieben werden soll nur Grundlagenforschung, allerdings solle bei der Patentierung von Forschungsergebnissen "sehr aggressiv" vorgegangen werden.

Suche nach Forschern hat oberste Priorität
Wichtigste Punkte sind nun die Suche nach Forschungsfeldern und Wissenschaftern sowie der demnächst stehende Masterplan für die Gebäude. Da erst im Herbst die Patienten aus der Nervenheilanstalt ausziehen werden, wolle man nicht früher mit den Bauarbeiten beginnen, meinte Harari. Im derzeitigen Hauptgebäude würden künftig einerseits ein Gästehaus, eine Cafeteria sowie Seminarräume untergebracht. Die andere Hälfte werde für wissenschaftliche Einrichtungen in Forschungsfeldern adaptiert, die mit nur wenig Laboratorien auskommen. Als mögliche Beispiele nannte Harari Mathematik sowie theoretische Physik und Chemie.

Demnächst werde außerdem ein Wettbewerb für das erste Auditorium ausgeschrieben. Auch ein erstes Gebäude für wissenschaftliche Labors werde geplant - "wir können aber nicht bauen, bevor wir wissen, in welchen Feldern dort geforscht wird", so Harari. Generell gebe es in Gugging einen "exzellenten Campus", der Ort sei aber nach wie vor sehr abgeschnitten.

Uni Wien und TU als Zwischenlösung
Sollten erste Top-Wissenschafter wider Erwarten noch vor April 2008 und der Fertigstellung der Gebäude angeworben werden können, würden die Universität Wien bzw. die Technische Universität Wien bereit sein, vorübergehend Raum für diese zur Verfügung zu stellen. Bei den Wissenschaftern schweben Harari drei Gruppen vor: Ältere, bereits etablierte Forscher mit unbefristeten Verträgen, Nachwuchskräfte mit auf fünf bis acht Jahre befristeten Verträgen, die nach dieser Zeit eine Professur erreicht haben oder gehen müssen, sowie Doktoratstudenten.

Idealerweise sollten selbst die Ältesten höchstens 55 sein, da sie mindestens zehn Jahre am ISTA bleiben sollten. Beim ersten Präsidenten macht Harari aber eine Ausnahme: Dieser könne auch älter sein und das ISTA etwa fünf Jahre aufbauen. Er müsse aber aus einem Feld stammen, in dem am ISTA geforscht wird. Geben werde es ihn, "wenn wir ihn gefunden haben", warnte Harari vor Schnellschüssen.

Wissenschafter werden nach Themenfeldern gesucht
Die Suche nach den Wissenschaftern für das Institute of Science and Technology Austria soll anhand von zuvor definierten Themenfeldern erfolgen. Als mögliches Beispiel für die Strategie nannte Haim Harari Dienstag Abend vor Journalisten das menschliche Gehirn: Grundsätzlich sei die damit verbundene Wissenschaft die Biologie, gehe es aber um damit verbundene Krankheiten wie Alzheimer, komme man auch in die Medizin, bei der Erforschung des Einflusses von Drogen auf das Gehirn in die Chemie und bei der Arbeitsweise des Gehirns in die Physik.

Zunächst wolle man sagen, dass man in diesem und jenem Feld forschen wolle, dann hole man dafür die Wissenschafter. Ziel ist "viel Interaktion zwischen den einzelnen Disziplinen".

Bund und Land Niederösterreich finanzieren Elite-Uni
Die Finanzierung des Projekts ist in einem Vertrag zwischen Bund und Land Niederösterreich geregelt. Für die ersten zehn Jahre werden insgesamt Kosten von 571,5 Mio. veranschlagt: Auf den laufenden Betrieb des Spitzenforschungsinstituts entfallen davon 455 Mio. Euro - der Bund trägt 195 Mio., das Land Niederösterreich 30 Mio., dazu kommen Drittmittel von 135 Mio. Euro. Darüber hinaus verdoppelt der Bund eingeworbene Drittmittel bis zu einem Betrag von 95 Mio. Euro. Dazu kommen noch die von NÖ getragenen Errichtungskosten von 80 Mio. Euro für Gebäude und Infrastruktur, Grundstückskosten von 35 Mio. Euro und Kosten für eine Verkehrsanbindung von 1,5 Mio. Euro.

Mit der Regierung will Harari über die Umschichtung von Geld verhandeln. Nach den derzeitigen Plänen sollen pro Jahr 50 Mio. Euro fließen. Es sei aber unrealistisch, im ersten Jahr bereits so viel Geld auszugeben, da man mit den Interims-Managern Gerald Murauer und Laurenz Niel erst über zwei Angestellte verfüge. Daher solle es möglich sein, die heuer nicht verwendeten Mittel erst später auszugeben.

Bei der Finanzierung zählen könne man jedenfalls auf die Industrie, betonte IV-Präsident Veit Sorger. Er fühle sich persönlich verantwortlich, die zugesagten 30 Mio. Euro aufzutreiben, so Sorger. Diese kämen direkt von Unternehmen, nicht von der IV. Zum Teil sei auch schon Geld da. Viele Geber-Firmen würden nicht erwähnt werden wollen, was man natürlich respektiere, so Sorger. Keine Probleme mit der Nennung hätten die Voest Alpine, Geld werde auch von Böhler-Uddeholm und seiner eigenen Gruppe kommen.

Wissenschaftsminister Johannes Hahn (V) rechnet mit einem Start der wissenschaftlichen Arbeiten am geplanten Institute of Science and Technology (ISTA) noch Ende des heurigen bzw. Anfang des kommenden Jahres. Es gehe noch heuer um die Findung von Mitarbeitern, die dann um den Jahreswechsel ihre Arbeit aufnehmen könnten, so Hahn.Der Wissenschaftsminister ist damit etwas optimistischer als etwa der Leiter des Executive Committee des ISTA, Haim Harari.

(apa/red)

28.2.2007 12:35