Uralte Affenwerkzeuge gefunden: Tiere knackten vor 4.300 Jahren Nüsse mit Steinen
- Neue Erkenntnisse über Steinzeit der Menschenaffen
- Wie ähnlich sind sich Affen und Menschen wirklich?

·Afrika: Uralte Affen- werkzeuge gefunden!
Tiere knackten vor 4.300 Jahren Nüsse mit Steinen
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Sensationsfund in Westafrika: Forscher haben 4.300 Jahre alte Steinwerkzeuge von Schimpansen ausgegraben. Damit drängen sie buchstäblich in die Steinzeit der Menschenaffen vor. Sie gehen davon aus, dass der erste Werkzeuggebrauch schon von den gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Affen stammen dürfte.
Das Forscherteam um Julio Mercader von der kanadischen University of Calgary und Christophe Boesch vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie fanden die Nussknacker-Steine in Noulo an der westafrikanischen Elfenbeinküste. Dort befindet sich die bisher einzige bekannte prähistorische Ausgrabungsstätte einer "Schimpansenwerkstatt". Wobei der Begriff "prähistorisch" nur vom Menschen abgeleitet sein kann. Die Entwicklungslinie zwischen Menschenaffen und Mensch trennte sich laut derzeitigen Erkenntnissen vor rund sieben Millionen Jahren.
Steine sind 4.300 Jahre alt
"Die ausgegrabenen Steine zeigten für den Gebrauch als Werkzeug zum Zerschlagen von Nüssen typische Abnutzungserscheinungen. Ein Vergleich mit alten von Menschenhand gefertigten Steinwerkzeugen und denen, die von heute lebenden Schimpansen verwendet werden, bestätigte die Vermutung. Die Forscher fanden auf den Steinen außerdem verschiedene Arten von Stärkekörnern, die teilweise als Überreste einheimischer Nüsse identifiziert werden konnten. Die Werkzeuge sind 4.300 Jahre alt, was nach menschlichem Maßstab der Epoche des "Later Stone Age" (späte Steinzeit, Anm.) entspricht", hieß es jetzt in einer Presseaussendung der Max-Planck-Gesellschaft aus Anlass der Veröffentlichung der wissenschaftlichen Arbeit (PNAS, Februar 2007). Vor Erscheinen dieser Studie hatte man Schimpansen im 19. Jahrhundert erstmals beim Benutzen von Steinwerkzeugen beobachtet. Dank dieses neuen archäologischen Fundes weiß man jetzt, dass Schimpansen bereits seit mehreren tausend Jahren Steinwerkzeuge verwenden.
Mensch und Schimpansen teilen kulturelle Merkmale
Die Autoren vermuten, dass diese Art des Werkzeuggebrauchs ihren Ursprung beim gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpanse hat, anstatt unabhängig voneinander sowohl bei den Homininen als auch den Schimpansen oder durch eine Imitation des Menschen durch die Schimpansen entstanden zu sein. Diese Studie bestätigt jedenfalls, dass die Vorfahren von Schimpansen und Menschen mehrere tausend Jahre lang verschiedene kulturelle Merkmale teilten, die man bisher ausschließlich dem Menschen zugestanden hatte. Dazu gehören der Transport von Rohmaterialien von einem Ort zum anderen, die Auswahl und Beschaffung von Rohmaterialien und deren gezielte Verwendung für eine bestimmte Arbeit, die gewohnheitsmäßige Wiederbesiedlung von Orten, wo sich dann Reststoffe und Schutt anhäufen, und die Verwendung an Ort und Stelle vorhandener Ressourcen. Das Nussknackverhalten wird bei Schimpansen auf sozialer Ebene weitergegeben. Die neuen Entdeckungen zeigen, dass es tatsächlich über mehrere Schimpansengenerationen hinweg weitergegeben worden ist. Die Vorgeschichte der Schimpansen hat also tiefe Wurzeln. (apa/red)
