Mittwoch, 7. Februar 2007

Auf zur großen Revanche

Nach Silber und Bronze im Super-G will das ÖSV-Team in der Königsdisziplin zurückschlagen. Mit Walchhofer und Götschl als Trümpfen.

Über Nacht war alles plötzlich ganz anders: strahlender Himmel über dem WM-Berg, klirrende Kälte, fast Windstille. Und dennoch endete der „Super-Dienstag“ für die ganz großen Favoriten mehr oder weniger enttäuschend. Die beiden Super-G-Könige der letzten Jahre gingen bei der Medaillenvergabe leer aus. Hermann Maier fehlten nach einer wenig spektakulären Fahrt am Ende sieben Hundertstel, um wenigstens Bronze zu ergattern. Bode Miller stürzte total ab und landete gar nur unter „ferner liefen“.
Renate Götschl wiederum machte gute Miene zu ihrem dritten Platz hinter der rekonvaleszenten „Schwedenbombe“ Anja Pärson und der Amerikanerin Lindsey Kildow. „Magic Julia“ Mancuso, die sich eigentlich mit Österreichs „Speed-Queen“ um den WM-Titel duellieren wollte, kam über Platz sechs nicht hinaus.

Eine reine Prestigesache. Nur der ewig freundliche und gut gelaunte Fritz Strobl strahlte im Zielraum mit der schwedischen Wintersonne um die Wette. Erstmals in seiner langen und erfolgreichen Karriere holte sich der Abfahrts-Olympiasieger von 2002 eine WM-Medaille. Noch dazu eine Silberne im Super-G, für den der Kärntner erst nach langen Diskussionen überhaupt nominiert worden war. Jetzt bleibt ihm auch die Qualifikation für das Abfahrtsteam erspart. Und am Samstag könnte der Familienvater seine Karriere zu einem würdigen Abschluss bringen: Denn nur ganz wenige Rennläufer haben bis jetzt das „Double“ geschafft, nämlich Gold bei Olympia und bei Weltmeisterschaften in ein und derselben Disziplin.
Jedenfalls stehen die Zeichen im Lager der Österreicher vor dem Abfahrtswochenende ganz auf Revanche. Super-G hin, Kombination her, Slalom- oder Riesenslalom-Gold schön und gut: Die „Königsdisziplin“ ist noch immer das Herzstück jeder WM, der Abfahrtstitel vor allem für den Österreichischen Skiverband auch eine Prestigeangelegenheit. Vor zwei Jahren in Bormio war das stärkste Skiteam der Welt sowohl bei den Damen als auch bei den Herren ohne Abfahrtsweltmeister nachhause gefahren.

Walchi mit der Wut im Bauch. Neben Strobl und Jungstar Mario Scheiber ruhen die rot-weiß-roten Hoffnungen am Samstag vor allem auf Michael Walchhofer. Der zweifache Saisonsieger hatte im Dezember in Bormio nicht nur die 13 Rennen dauernde Durststrecke der ÖSV-Herren beendet, der 31-jährige Hotelier aus Zauchensee geht nach seiner „Ausbootung“ im Super-G auch mit einer gesunden Portion Wut im Bauch in die WM-Abfahrt. Die Strecke, das hat Walchhofer bereits in der internen Super-G-Qualifikation bewiesen, liegt dem Salzburger. Denn Pistenbauer Bernhard Russi hat eine äußerst anspruchsvolle WM-Abfahrt geschaffen. Russi: „Es ist eine ‚Flieger-Strecke‘. Mindestens zehn Prozent der Fahrt werden in der Luft absolviert. Die Schlüsselstelle ist für mich eindeutig der Stiefelhang, der steilste Teil der Piste mit sehr schnellen Rhythmuswechseln. Dort werden nur die Besten bestehen – und Walchhofer gehört eindeutig dazu.“

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7.2.2007 17:42