Mittwoch, 7. Februar 2007

NEWS-Herausgeber Alfred Worm ist tot:
Aufdecker im Alter von 61 Jahren gestorben

  • News-Geschäftsführer Voigt: "Im Bett eingeschlafen"
  • Erst kürzlich zum "Journalist des Jahres" gekürt
    Porträt: Aufdecker mit großem Herz. Plus: Reaktionen

Der Journalist Alfred Worm, der Inbegriff des Aufdeckungsjournalismus in Österreich, ist tot. Ein Herzinfarkt setzte dem bewegten Leben des 61-Jährigen NEWS-Herausgebers in der Nacht auf Montag ein Ende. Nach dem Bekanntwerden seines Ablebens gab es eine Flut an Betroffenheitsbekundungen aus Politik, Kultur und Medienbranche. Laut NEWS-Geschäftsführer Oliver Voigt ist Worm in seinem Bett zuhause "eingeschlafen". Voigt nannte Worms Tod "fürchterlich", man werde die kommende "News"-Ausgabe dieser Journalistenlegende widmen.

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) nannte den Verstorbenen "die Personifikation der journalistischen Integrität" und einen "streitbaren Anwalt für eine saubere Gesellschaft". Für Vizekanzler Wilhelm Molterer (V) war Worm "ein Symbol für aufrechten und kritischen Journalismus". Insgesamt gingen bei der APA über 30 Trauerbekundungen und Würdigungen ein.

Worm litt seit längerem an einem kranken Herz, weshalb der leidenschaftliche Pfeifenraucher auch seit längerem auf Tabak und Alkohol verzichtete. In einem Interview mit dem Branchenmagazin "Der Österreichische Journalist" sagte er anlässlich seines 60. Geburtstags im Jahr 2005: "Journalist ist man bis an sein Lebensende. Es ist der faszinierendste, kurzweiligste, aufregendste und anstrengendste Beruf, den es gibt. Ich bin voll Dankbarkeit, dass ich Journalist geworden bin, aber bedauerlicherweise haben viele Journalisten nicht das Glück, ein reguläres Lebensende zu erreichen." Das Lebensende eines Herzkranken sei absehbar, fügte er damals hinzu.

Aufdecker von AKH- und anderen Skandalen
Der Verstorbene galt als einer "der wichtigsten Journalisten der Nachkriegszeit", so drückte es der Österreichische Journalistenclub aus. Er deckte den AKH-Skandal und viele andere auf und galt manchen als "Wühlmaus der Nation", wie es das "profil" vor einigen Jahren formulierte. Der NEWS-Herausgeber war ein journalistischer Quereinsteiger: Als Ingenieur arbeitete er zehn Jahre als Bauleiter in der Privatwirtschaft, bevor er 1974 zum "profil" ging, für das er, abgesehen von einem politischen Intermezzo bei der Wiener ÖVP in den 80er Jahren, bis zu seinem Wechsel zu NEWS im Jahr 1994 recherchierte.

Trauer bei NEWS und "profil"
Seine Kollegen aus der NEWS-Redaktion trauern um einen "liebenswürdigen und hilfsbereiten Kollegen", der "in seiner Arbeit unbestechlich" war. Erschüttert zeigte man sich auch beim "profil", wo der gebürtige Niederösterreicher 20 Jahre lang tätig war. "Worm blieb auch in seiner Zeit bei 'News' immer einer von uns, ein Teil unserer Identität", so Chefredakteur Christian Rainer. Worms langjähriger Weggefährte, der NEWS- und "Österreich"-Gründer Wolfgang Fellner, würdigte seinen persönlichen Freund als einen "der bedeutendsten Journalisten Österreichs". Seinen schlechten Gesundheitszustand habe er dem Freund bereits am vergangenen Donnerstag angesehen, als Worm bei einer Gala für seine Berichterstattung im Fall Natascha Kampusch und beim BAWAG-Skandal zum "Journalisten des Jahres 2006" gekürt wurde.

Betroffenheit auch in der Politik
Tief betroffen vom Ableben seines "Freundes" zeigte sich der ehemalige Wiener ÖVP-Chef Erhard Busek, der Worm 1983 als einen seiner "bunten Vogel" in die Wiener ÖVP geholt hatte. Worm sei eine "herausragende Figur des österreichischen Journalismus" aber auch "generell in der Öffentlichkeit" mit niemandem vergleichbar gewesen. Der Grüne Bundessprecher Alexander Van der Bellen bezeichnete den Verstorbenen als "mutigen und kritischen Journalisten, der viele Missstände in der Republik aufdeckte und anprangerte". Anerkennung gab es auch von FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache, der betonte, dass Worm die österreichische Medienlandschaft ganz wesentlich geprägt habe. Gerade als Aufdeckungsjournalist habe er sich um die politische Sauberkeit in diesem Land große Verdienste erworben.

BZÖ-Obmann Peter Westenthaler würdigte Worm als engagierten und couragierten Journalisten, der den Journalismus in Österreich "geprägt und wesentlich mitgestaltet" habe. Westenthaler gestand manche inhaltliche Distanz ein, trotzdem sei ihm für sein journalistisches Werk und Engagement Respekt zu zollen. "Wien trauert um einen kritischen Geist", beschied auch Wiens Bürgermeister Michael Häupl (S). Die Journalistengewerkschaft würdigte vor allem seinen "Stil des investigativen Journalismus", der über Jahrzehnte Österreichs Medienszene beeinflusst habe. "Humor und Schärfe, Bildung und Menschlichkeit prägten seine Arbeit."

"Unbestechliche Persönlichkeit"
Staatsopern-Direktor Ioan Holender schätzte Worm nicht nur als "wichtigen Journalisten und unbestechliche Persönlichkeit", sondern auch "als großen Liebhaber der Oper". Nach seinem ersten Herzinfarkt sei Worm mit großer Disziplin auf seinem Zimmerfahrrad gefahren, "und dabei hat er immer Oper gehört und Partituren gelesen. Er hat fast mehr gewusst als der Prawy...", so Holender gegenüber der APA. In seinem nächsten Leben möchte Worm, wenn nicht Journalist, gerne "Cellist bei den Wiener Philharmonikern" werden, wie er einmal zugab. Sein Lebenstraum, ein einziges Mal die Wiener Philharmoniker dirigieren zu dürfen, blieb unerfüllt.

Stellungnahme der Verlagsgruppe NEWS
Der NEWS-Herausgeber Alfred Worm (61) ist in der Nacht auf Montag plötzlich und unerwartet verstorben.

Die NEWS-Redaktion und die ganze Verlagsgruppe NEWS verliert ihren besten Journalisten. Erst vergangenen Donnerstag hat Alfred Worm von der Zeitschrift der "Österreichische Journalist" die Auszeichnung "Journalist des Jahres" erhalten. Kanzler Alfred Gusenbauer hielt die Laudatio.

Alfred Worm hat im Laufe seiner journalistischen Karriere zahlreiche Skandale aufgedeckt, als erstes den AKH-Skandal. Mit seinem Wirken als Profil-Redakteur, Buchautor und NEWS-Herausgeber hat er wesentlich zu einem besseren politischen Klima in Österreich beigetragen.

Er war in seiner Arbeit unbestechlich, gleichzeitig aber ein liebenswürdiger und hilfsbereiter Kollege der sich auch den privaten Sorgen und Nöten der Mitarbeiter angenommen hat.

Alfred wir werden dich immer vermissen.


Stellungnahme der "profil"-Redaktion
Der langjährige "profil"-Redakeur Alfred Worm ist in der Nacht auf Montag unerwartet verstorben. Worm war von 1974 mit einer kurzen Unterbrechung bis 1994 "profil"-Redakteur, zuletzt stellvertretender Chefredakteur. In dieser Zeit beeinflusste er nachhaltig die Geschichte des Landes mit Artikelserien wie jener über den AKH-Skandal.

Die "profil"-Redaktion ist tief betroffen über den Tod eines ihrer bedeutendsten Journalisten. "profil"-Herausgeber Christian Rainer: "Worm blieb auch in seiner Zeit bei 'News' immer einer von uns, ein Teil unserer Identität. Wir sind sehr traurig. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie."


(apa/red)

7.2.2007 14:34