Europa bekommt Klimawandel zu spüren:
Einige Küstenschutz-Maßnahmen eingestellt
- Umweltflüchtlinge nicht nur in Entwicklungsländern
- Landverlust bis zu 50 Meter schon jetzt auf Sylt

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Das Cliff House in Ostengland war einst eine begehrte Immobilie: Mit seinen zwölf Gästezimmern mit Blick auf die feinsandigen Strände und den romantischen Leuchtturm versprach es beständige Einnahmen durch naturliebende Touristen. Doch in Zeiten des Klimawandels ist Cliff House praktisch wertlos. Die Holzbarrieren, die vor der Küste einst die Klippe aus Lehm und Sand schützten, sind auseinander gebrochen. Die britische Regierung will sie angesichts des erwarteten Anstiegs der Meeresspiegel nicht ersetzen.
"Der nächste große Sturm könnte uns fortspülen", sagt Diana Wrightson, die zusammen mit ihrer Partnerin vor 26 Jahren das Cliff House kaufte. Schon 1990 begannen die Holzbarrieren zu verrotten und gaben die weichen Klippen den Wellen preis. Seitdem gingen rund 25 Häuser im Dorf Happisburgh verloren, in dem heute noch 850 Menschen leben. Eine Garage, mehrere Bungalows und eine Straße, die einst das Cliff House von der Nordsee trennten, sind verschwunden. Das Haus ist jetzt nur noch 4,50 Meter von der Klippe entfernt und nimmt aus Sicherheitsgründen keine Gäste mehr auf.
50 Meter Landverlust auf Sylt
In Deutschland sind schon heute die Bewohner der Insel Sylt vom Küstenabbruch bedroht: Zuletzt fraß im Jänner das Sturmtief "Franz" an der Insel. An der Hörnum Odde, der Südspitze von Sylt, betrug der Landverlust bis zu 50 Meter, sagt Helge Jansen, der Vorsitzende des Landschaftszweckverbandes Sylt. Bei Kampen brach das Meer wieder Stücke aus dem berühmten Kliff, dem alten Kern der Insel. Zwischen Westerland und Wenningstedt griff der Sturm die Vordünen an, der zum Schutz der Insel aufgespülte Strand wurde ins Meer zurück gerissen. Über 700.000 Kubikmeter Sand wurden weggespült.
Millionenteure Aufspülungen
Hilfe bringen Sylt nur die millionenteuren Aufspülungen im Sommer: Jahr für Jahr werden tausende Tonnen Sand zusammen mit Wasser vor den Strand gepumpt, nur um im stürmischen Winter wieder von der See weggerissen zu werden. Doch ohne diese scheinbar nutzlose Arbeit wäre die Substanz der Insel noch mehr in Gefahr. Allein bis 2009 will die Landesregierung von Schleswig-Holstein in Kiel zusätzlich 14 Millionen Euro für den Küstenschutz ausgeben. Falls der Meeresspiegel wirklich deutlich steigen sollte, wäre Sylt aber wohl kaum zu halten: Der Klimaberater der deutschen Bundesregierung, Hans Joachim Schellnhuber, erklärt, die Insel vor den Wassermassen zu retten, wäre "unter solchen Bedingungen zu teuer und unsinnig".
2.000 indonesische Inseln bald verschwunden
"Ungeachtet der Klimaprognosen für die Zukunft steigt die Zahl der Wohngegenden, die bereits unter den Auswirkungen von Erosionen, steigenden Meeresspiegeln, Stürmen und Hochwasser leiden, mit jedem Jahr an", sagt Paul Van Hofwegen vom Weltwasserrat in Marseille. Das indonesische Umweltministerium rechnet damit, dass rund 2.000 der 18.000 indonesischen Inseln in drei Jahrzehnten verschwunden sein könnten. Bangladesch rechnet angesichts von Hochwasser und Zyklonen mit fünf Millionen Obdachlosen im eigenen Land, während einige Inselstaaten im Südpazifik schon die vollständige Evakuierung mancher Eilande vorbereiten.
New York gefährdet
Doch auch in Kalifornien bereitet man sich auf den Verlust von ganzen Küstenabschnitten vor. New York sieht sich gefährdet, liegen doch vier der fünf Stadtteile auf Inseln. Der US-Bundesstaat Louisiana verlor in den vergangenen 100 Jahren mehr als 3.200 Kilometer Küste. In London ist der Bau von Flutbarrieren geplant, um zu verhindern, dass die Themse den Big Ben und das berühmte Parlamentsgebäude überschwemmt.
Niederlänger haben Erfahrung
Auf ihre jahrhundertelangen Erfahrungen im Umgang mit der Macht der Wellen können die Niederländer zählen, schließlich leben mehr als zwei Drittel der 16 Millionen Einwohner unter dem Meeresspiegel. Die Regierung kündigte im Dezember eine Erhöhung der Investitionen in den Küstenschutz um 14 Milliarden Euro in den kommenden 20 Jahren an. Bereits umgesetzt wurden Pläne für den Bau von 32 Amphibien-Häusern, die mit dem Hochwasser angehoben werden.
(apa/red)
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