Donnerstag, 8. Februar 2007

Armer Homo Sapiens: Mensch litt immer
schon unter Gastritis und Magengeschwüren

  • Böser Keim Helicobacter pylori als ständiger Begleiter
  • Damit wird auch "Out of Africa"-Theorie bestätigt

Jetzt haben es die Gastritis- und Magengeschwür-Patienten schriftlich per "Nature": Homo sapiens sapiens hat schon immer an diesen Leiden gelitten. Wäre er vor 100.000 Jahren alt genug geworden, wäre daraus wohl gar Magenkrebs geworden. Der Grund: Der böse Magenkeim Helicobacter pylori, dessen Beteiligung an den zitierten Krankheiten die beiden australischen Medizin-Nobelpreisträger (2005) Robin Warren und Barry Marshall bewiesen hatten, hat die Menschheit schon seit Anbeginn verfolgt. Dies berichtet ein internationales Forscherteam unter Bodo Linz (Max-Planck Institut für Infektionsbiologie/Berlin) in der neuesten Ausgabe der britischen Wissenschaftszeitschrift "Nature".

Der Clou: Damit werden auch alle Forschungen, die bisher auf die Herkunft des modernen Menschen aus Ostafrika - und mit einer Migration "Out of Africa" vor rund 60.000 Jahren bestätigt. Bakterium und Mensch, sie marschierten mit einander rund um die Welt.

"Mehr als die Hälfte der Menschheit ist mit Helicobacter pylori infiziert, ein Gramnegatives Bakterium (Merkmal der Färbung für die Betrachtung unter dem Mikroskop, Anm.) das Magengeschwüre verursachen kann und auch ein Risiko für Magenkrebs darstellt. Helicobacter pylori ist nicht nur überall, er besitzt auch eine 'Stammesgeschichte', die darauf hindeutet, dass sie mit der menschlichen und den Wanderungsbewegungen des Menschen überein stimmt", schreiben die Wissenschafter.

Die Forscher untersuchten deshalb die genetischen Merkmale von 769 Helicobacter pylori-Proben, die man aus dem Magen eben so vieler heutiger Menschen aus allen Weltregionen gewonnen hatte. Diese wurden auf ihre Verwandtschaft untersucht. Das Hauptergebnis: "Ganz wie bei den Menschen scheint es so zu sein, dass H. pylori vor rund 58.000 Jahren aus Ostafrika kam. (...) Insgesamt zeigt sich, dass der moderne Mensch schon vor seiner Migration über Afrika hinaus mit H. pylori infiziert war. Der Keim behielt seither sein 'intimes' Verhältnis mit dem Menschen."

Was Wissenschafter zu der Ansicht bringt ist eine altbekannte Erkenntnis: Je weiter sich ein Organismus von seinem Ursprungsort entfernt, desto schmäler ist seine genetische Bandbreite. Das heißt: Die Menschen in Afrika haben wegen des Alters der Spezies bzw. ihrer dortigen Herkunft die größte genetische Variationsbreite. Desto jünger ausgewanderte Populationen sind, desto schmäler ist sie. Das trifft offenbar auch auf den mit gewanderten Helicbacter pylori zu. Aus den Mutationsraten lassen sich nämlich Migration und ursprüngliche Herkunft ableiten.

So sind 85 Prozent der Abnahme der genetischen Diversität bei dem Magenkeim auf die Entfernung heutiger Menschen von ihrer ursprünglichen Heimat in Ostafrika zurück zu führen. Ganz wie der weltbekannte Humangenetiker Univ.-Prof. Dr. Luca Cavalli-Sforza an Hand von Blutproben von Menschen weltweit schon vor Jahren belegte, wanderte Homo sapiens sapiens vor rund 60.000 Jahren samt seinem Magenkeim aus Afrika aus, kam vor 25.000 bis 40.000 Jahren in Europa an und wanderte erst vor weniger als 10.000 Jahren in Südamerika ein - mit Magenweh. Da die Lebenserwartung aber gering war, dürfte ihm wahrscheinlich Magenkrebs wegen anderer zuvor gekommener Todesursachen erspart geblieben sein ... (APA/red)

8.2.2007 07:19