Mittwoch, 7. Februar 2007

Verhandlungen gescheitert: Ankerbrot- Verkauf an Nordsee-Eigentümer geplatzt!

  • Ostendorf: Übernahme für Belegschaft "nicht optimal"
  • Nun Stand-Alone-Option: "Wachstumskurs fortsetzen"

Anfang Jänner hatte der einstige deutsche Promi-Bäcker und jetzige Nordsee-Eigentümer Heiner Kamps seine im Dezember abgelaufene Kaufoption für die Wiener Großbäckerei Ankerbrot noch bis Ende März 2007 verlängert. Die Übernahme von Ankerbrot sowie - im Paket gedacht auch von Müller Brot und Löwenbäcker in Deutschland - wurde plötzlich ganz abgeblasen. Der Kauf ist an Preisdifferenzen gescheitert, bestätigte ein Kamps-Sprecher.

Man habe sich nach Prüfung der Zahlen (Due Diligence) nicht auf den Kaufvertrag einigen können, ließ Kamps in einem dürren Kommunique über seine IFRC-Holding am heutigen Mittwoch wissen. Die Übernahmeverhandlungen seien beendet. Man suche jetzt andere Akquisitionsziele.

Warum der Deal mit seinem Landsmann geplatzt ist, der Ankerbrot auch frisches Kapital hätte bringen sollen, darüber hüllt sich der deutsche Ankerbrot-Mehrheitseigentümer und Vorstandschef Peter Ostendorf heute in Schweigen. Schriftlich verlautete er nur: "Die zuletzt geführten Gespräche mit der IFRC Holding haben nicht jenes Ergebnis gezeigt, das wir für den Fortbestand von Ankerbrot als österreichische Traditionsmarke und für unsere Mitarbeiter für optimal erachten. Daher sind wir zur Überzeugung gekommen, dass der erfolgreiche Wachstumskurs auch in der bisherigen Eigentümerstruktur fortgeführt werden sollte".

Ostendorf und seine Familie halten heute 60 Prozent an Ankerbrot. Den Rest hält Michael Phillips von der Investmentgesellschaft Apax.

Hätte Kamps die traditionsreiche, aber lange Jahre marode Wiener Backwarenfirma Ankerbrot (Umsatz 2006: 126 Mio. Euro, 1.800 Mitarbeiter, 180 Filialen) übernommen, so wäre dies für den einstigen k.u.k Hoflieferanten der vierte Eigentümer binnen zehn Jahren geworden. Ankerbrot war 2003 in Ausgleich geschlittert. Die kreditgebenden Banken hatten eine Insolvenzfinanzierung an einen Eigentümerwechsel geknüpft. Ostendorf bekam den Zuschlag. Die Wiener Firma hat jahrelang einen scharfen Sanierungskurs fahren müssen, das Filialgeschäft wurde zurück gefahren, weit mehr als tausend Jobs gingen verloren. 2005 und 2006 gab es erstmals seit langem wieder schwarze Zahlen. Als saniert gilt sie noch immer nicht.

Vor gut 116 Jahren wurde der Backwarenbetrieb gegründet. Immer wieder schlitterte das Unternehmen in Turbulenzen. 1981 war die Firma bereits als Sanierungsfall vom Unternehmer Helmut Schuster übernommen worden. Er brachte die Firma an die Börse, die Notiz endete nach gut zehn Jahren 2001. 1996 stieg Müller Brot ein, zunächst mit 5 Prozent, 1997 übernahm der bayerische Familienbetrieb Müller die Mehrheit und das Ruder in Wien. 2003 übernahm der deutsche Millionär Klaus Ostendorf samt Familie die Müller-Anteile. (APA/Red)

7.2.2007 15:57