Donnerstag, 8. Februar 2007

"Gruber hat es bei Großereignissen immer vermasselt": Schröcksnadel ist Maier-Fan!

  • ÖSV-Präsident stellt klar: "Sport braucht Helden"

Als die ÖSV-Trainer die Entscheidung getroffen haben, das Hermann Maier bei der WM im Rennen um das letzte Abfahrtsticket gegenüber Christoph Gruber den Vorzug erhält, saß ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel gerade im Flugzeug. Erst nach seiner Ankunft in Aare wurde er darüber informiert. "Das hat man mir schon in St. Moritz vorgeworfen, dass ich den Maier immer dabeihaben will, das kann nun keiner sagen. Und der Gruber wird ja auch von uns vermarktet und hat unsere Werbung am Kopf", sagte der ÖSV-Boss.

Was der Sport aber brauche, seien Helden, wie es zum Beispiel Alberto Tomba, Ingemark Stenmark oder Toni Sailer waren, so Schröcksnadel. Oder eben auch Hermann Maier. "Sie beleben den Sport. Was wäre der Sport, wenn es sie nicht geben würde?" Und jetzt wolle jeder von Hermann Maier wissen: "Schafft er es noch einmal?"

Der Präsident selbst hat vollstes Vertrauen in seinen Helden. "Ich wüsste nicht, warum nicht. Er war auch im Training vorne dabei. Helden gewinnen und verlieren, das gehört dazu. Man weiß, dass der Hermann kein Motivationsproblem hat, dass er ein Grenzgänger ist. Eine WM ist was anderes als ein Weltcup. Maier hat sich bei großen Events immer gesteigert, das zählt halt auch. Und die Quoten steigen mit Hermann wieder." Und sportliche Musterschüler lässt der ÖSV nicht so schnell hängen. "Der Klammer hat auch Zeit bekommen, der Eberharter hat acht Jahre gehabt für sein großes Comeback, und er war auch nicht jünger."

"Gruber hat es immer vermasselt"
Was Gruber fehle, sei der Status, den Maier genießt ("Immer noch!"), für das was er gemacht hat; für die Medaillen, die der Flachauer bei Olympia und Weltmeisterschaften gesammelt hat. "Der Gruber hat es immer vermasselt bei Großereignissen. Hätte er es nicht vermasselt, hätte er jetzt die Chance wohl bekommen."

Wäre die Entscheidung anders ausgefallen, hätte sie Schröcksnadel so hingenommen: "Ich akzeptiere Trainerentscheidungen immer, und wenn ich das mal nicht tun würde, dann haue ich den Trainer raus. Man kann die Trainer nicht overrulen, darf ihnen nicht dreinreden, das geht nicht, dann verlieren sie die Kompetenz." Grundsätzlich sei klar: "Natürlich tut mir der Gruber leid. Aber wie auch immer die Entscheidung ausfällt. Es wird immer eine Gruppe bös sein."

Skimarke als Entscheidungskriterium
Bei der Diskussion wegen des vierten Platzes im Super G zu Gunsten von Fritz Strobl habe auch die Skimarke eine Rolle gespielt, sagte Schröcksnadel. Im Team waren zwei Atomic, ein Salomon- und ein Fischer-Fahrer, wäre Michael Walchhofer nominiert worden, wäre Atomic mit drei Sportlern vertreten gewesen. Bei der Abfahrtsentscheidung hat der Material-Faktor offensichtlich nicht so mitgespielt. Drei Atomic- und ein Salomon-Pilot sind im Team, Gruber fährt Fischer.

Bei den Weltmeisterschaften 2003 in St. Moritz hat Hermann Maier nach Trainerentscheid ein Abfahrtsticket zugesprochen bekommen, auf eine Qualifikation war verzichtet worden, weil man einen Wettkampf vor dem Wettkampf vermeiden wollte. ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel hatte die Entscheidung begrüßt und damals gemeint: "Maier darf keinen Nachteil haben, nur weil er Maier heißt."

2007 in Aare war der Name bei der Nominierung aber vielleicht ein größerer Vorteil, als einige zugeben wollen. (apa/red)

8.2.2007 10:32