Donnerstag, 8. Februar 2007

Bis zu 15 Jahre Haft für Hooligans: Italien verabschiedete neues Anti-Gewalt-Paket

  • Spiele vor Publikum nur noch in sicheren Stadien
  • Sämtliche Ausnahmegenehmigungen aufgehoben

Die italienische Regierung hat ein Dekret mit einschneidenden Anti-Gewalt-Maßnahmen im Fußball verabschiedet. Das Paket besteht aus 13 Artikeln, berichteten italienische Nachrichtenagenturen. Dem Dekret zufolge wird die erlaubte Festhaltung gewalttätiger Anhänger von bisher maximal 36 auf 48 Stunden verlängert.

Haftstrafen zwischen fünf und 15 Jahren sind für Ultras vorgesehen, die Gewalttaten gegen Polizisten begehen und dabei Gegenstände, Knallkörper und anderes Material verwenden. Bisher betrugen die Strafen in diesen Fällen maximal drei Jahre. Gewalttätigen Fans kann der Zugang zum Stadion bis zu fünf Jahren versperrt bleiben. Bisher waren maximal drei Jahre Sperre vorgesehen. Dazu wird eine Geldstrafe von 10.000 Euro verhängt.

Stadionverbote für gewaltbereite Fans können auch dann ausgesprochen werden, wenn keine Verurteilung vorliegt. Strafen sind auch für Tifosi vorgesehen, die bei Sportevents mit Feuerwerkskörpern oder Tränengas die öffentliche Sicherheit gefährden. In diesen Fällen drohen bis zu vier Jahre Haft. Bisher betrug die Höchststrafe drei Jahre.

Die Regierung um Ministerpräsident Romano Prodi beschloss unter anderem auch das Verbot des Verkaufs großer Kartenkontingente an Fangruppen von Auswärtsmannschaften. Das gilt auch für Minderjährige. Während der Spiele ist Sozialarbeit für aus den Stadien ausgeschlossene Anhänger vorgesehen. Eingeführt wurde auch das Verbot jeglicher Geschäftsverbindungen zwischen Klubs und Fangruppen.

Spiele vor Publikum nur in sicheren Stadien
Das neue Dekret verbietet es außerdem, vor Publikum Spiele in Stadien auszutragen, die den Sicherheitsvorschriften nicht entsprechen. Entsprechende Gesetze waren bereits 2005 verabschiedet, bis dato aber nicht umgesetzt worden. Bisher geltende Ausnahmegenehmigungen wurden in der außerordentlichen Kabinettssitzung aufgehoben. Zum aktuellen Stand könnte damit nur in vier Erstliga-Stadien vor Zuschauern gespielt werden.

Die verschärften Sicherheitsmaßnahmen folgen einer Welle der Gewalt, die Italiens Fußball zuletzt überrollt hat. Am Freitag war bei Ausschreitungen in Catania auf Sizilien ein Polizist getötet worden. Die Polizei stützt sich bei ihren Ermittlungen auf Videoaufzeichnungen, die Identifikation der Verdächtigen ist allerdings schwierig. Bis Mittwochabend befanden sich auf Grund der Vorfälle 40 Personen in Haft. Die italienische Meisterschaft war vergangene woche ausgesetzt worden, soll aber am Wochenende fortgesetzt werden. (apa)

8.2.2007 12:38