Montag, 5. Februar 2007

"Dies ist ein Übergangsjahr für uns": F1-Team Spyker geht bescheiden ins Debütjahr

  • Hoffnungen ruhen auf Ferrari-Motor & Mike Gascoyne
  • Red Bull & Co: Kritik an "Schwesternteams" wächst

Mit bescheidenen Zielen geht das Spyker-Team in seine erste komplett eigenständige Formel-1-Saison. "Dies ist ein Übergangsjahr für uns", sagte der deutsche Teamchef Colin Kolles bei der Präsentation des ganz orange lackierten Spyker-Ferrari auf dem Grand-Prix-Kurs in Silverstone. Zum Auftakt möchte das mit dem Deutschen Adrian Sutil und dem Niederländer Christijan Albers antretende Außenseiter-Team am 18. März im Grand Prix von Australien in Melbourne "die Zielflagge sehen".

Sutil, der im Vorjahr bereits einige Einsätze für den aus Midland F1 hervorgegangenen Rennstall bestritt, hat sich ebenfalls bescheidene Ziele gesteckt. "Ich will beim Aufbau helfen", sagte der 24-jährige Bayer mit uruguayischen Wurzeln. "Ich will die Strecken und möglichst schnell und gut das Formel-1-Business kennen lernen." Sutils Spyker-Teamkollege Albers fährt bereits seit 2005 in der Königsklasse des Motorsports.

Große Hoffnungen setzt Spyker auf den Ferrari-Motor. Beim Chassis handelt es sich um eine Weiterentwicklung des Vorjahresmodells von MF1 Racing. Der erst am 1. November zum Team gestoßene frühere Technische Direktor von Toyota, Star-Konstrukteur Mike Gascoyne, will während der Saison eine "B-Stufe" bringen. Damit soll Spyker konkurrenzfähiger werden und möglichst auch in die Punkteränge fahren können.

Red Bull Racing & Co: Kritik an "Schwesternteams" wächst
Sechs Wochen vor dem Saisonbeginn 2007 wächst in der Formel 1 der Widerstand gegen jene Teams, die heuer angeblich Kunden-Chassis ihrer großen Schwesterteams verwenden. Konkret gehen die Vorwürfe gegen Toro Rosso und Super Aguri, die auf das Know-how von Red Bull Racing bzw. Honda zurückgreifen. Williams und Spyker haben sich deshalb Beschwerden bei der Motorsport-Weltbehörde (FIA), ja sogar Klagen vor Zivilgerichten vorbehalten.

"Der WM-Titel soll an jenes Team gehen, das das beste Auto baut", wurde Frank Williams, Teamchef von Alexander Wurz, unlängst in "The Guardian" zitiert. Das sei aber nicht der Fall, wenn die großen Teams jetzt schon Kunden-Chassis' an ihre Schwesternteams weitergeben. Erst 2008 soll das erlaubt sein.

"Derzeit steht schwarz auf weiß geschrieben, dass jedes Team sein eigenes Auto entwickeln und bauen muss", betonte Williams. Auch Mario Theissen von BMW-Sauber kritisierte: "Wenn das alle tun, haben wir bald nicht mehr zehn Teams mit jeweils zwei Autos sondern nur noch fünf Teams mit jeweils vier Autos."

Bei Red Bull, unter dessen Dach Red Bull Racing (RBR) und die aus dem Minardi-Team hervorgegangene und in Faenza/Italien ansässige Scuderia Toro Rosso (STR) fungieren, geht man mit der Kritik gelassen um. Dort beruft man sich darauf, dass die Formel-1-Chassis nicht von Red Bull Racing, sondern von der ebenfalls in Milton Keynes sitzenden Red Bull Technology entwickelt werden, also jenem High-Tech-Center, in dem auch Boote und Flugzeuge entwickelt werden und das laut Toro-Rosso-Mitbesitzer Gerhard Berger "nicht Teil der Formel 1 ist."

Es liegt freilich auf der Hand, dass STR die Synergien nutzt und nicht nur auf alle gemeinsamen Daten Zugriff hat, sondern natürlich auch von den aerodynamischen Erkenntnissen des Red-Bull-Designergenies Adrian Newey profitiert. Berger hielt aber dezitiert fest: "Toro Rosso hat die geistigen Rechte am Auto. Laut den Regeln und dem Concorde-Abkommen haben wir also das Recht zu tun, was wir tun."

Auch RBR-Teamchef Christian Horner beharrte: "Red Bull Racing und Toro Rosso sind zwei Teams und zwei unterschiedliche Unternehmen. Sie fahren in den Grand Prix' gegeneinander und entwickeln keine gemeinsamen Strategien."

(apa/red)

5.2.2007 16:35
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